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Vice Blog

Der Vater, der von einer Kamerafrau getreten wurde, ist mit seinem Sohn in Deutschland angekommen

Während der Jobbik-nahen Kamerafrau vom Schicksal „Kinder in den Weg gelegt" wurden, hat der Vater, dem sie das Bein gestellt hat, inzwischen glücklich sein Ziel erreicht.

von Markus Lust
15 September 2015, 6:45pm

Foto von Muhammad Lila, via Facebook

Screenshot via Twitter

Es ist immer einfacher, Geschichten erst dann zu erzählen, wenn man weiß, wie sie ausgehen. Dieses Privileg hat man bei Nachrichten meistens nicht. Das war auch im Fall der ungarischen Kamerafrau nicht anders, die als Refugee-Treterin überregional bekannt und kurz darauf arbeitslos wurde.

Die Journalistin war für den Sender N1 in Röszke, um den Strom an Asylsuchenden zu dokumentieren, die aus dem örtlichen Lager flohen. Wie die Kamerafrau in einem Statement zwei Tage später bekannt gab, fühlte sie sich von den vielen ausländischen Menschen ziemlich schnell ziemlich bedroht und begann aus Angst davor, bestohlen zu werden, auf Fliehende einzutreten.

„In diesem Moment ist etwas mit mir passiert", sagt sie in einer schriftlichen Erklärung, die ihr Ehemann dem Fernsehsender zuspielte. Ihre Entschuldigung kam nicht ohne ein massives Aber. Sie sei keine „herzlose, kindertretende, rassistische Kamerafrau" und bedauere zutiefst, dass ihr „das Schicksal ausgerechnet ein Kind in den Weg gelegt" habe.

Umso härter muss es sie getroffen haben, dass das Schicksal an diesem Tag gleich zwei Mal zu ihren Ungunsten zugeschlagen hat: Die Kamerafrau, die ideologisch der ungarischen Rechtspartei Jobbik nahesteht und selbst in ihrer Entschuldigung noch auf die Anti-Asyl-Diktion der politischen Rechten beharrt (inklusive dem Framing aller Fliehenden als „Migranten" statt „Flüchtlingen"), hat nämlich nicht nur einmal zugetreten, sondern gleich zwei Mal.

Videoaufnahmen zeigen, wie die Journalistin ein auf sie zu laufendes Mädchen frontal tritt. Einem Vater mit Sohn im Arm stellt sie außerdem das Bein und hält anschließend mit der eigenen Kamera drauf.

Inzwischen wurde das Lager von Röszke—gemeinsam mit der ungarischen EU-Grenze—geschlossen. Um die Kamerafrau ist es still geworden. Und hier würde die Geschichte eigentlich enden.

Bis vor kurzem hat sie das auch; inzwischen gehört sie aber zu den wenigen Ausnahmen, bei denen wir vorerst von einem Happy End berichten können. Der Vater, den die Jobbik-nahe Kamerafrau zum Stolpern brachte, ist inzwischen nämlich gut in Deutschland angekommen.

Update:

Diesen Mittwoch reiste der Vater, mit Namen Osama Abdul Mohsen, gemeinsam mit seinem nach Madrid weiter. Dort erwartet den syrischen Fußballtrainer ein Platz an der spanischen Fußball-Akademie.