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Fasching statt Faschismus in Graz

Am 17.1.2015 soll im Grazer Congress der Ball der steirischen Burschenschaften über die Bühne gehen. Die „Offensive gegen Rechts" sieht das ein wenig anders und ruft zum Widerstand auf.

von Michael Bonvalot
15 Jänner 2015, 11:20am

Foto von Florian Voggeneder vom Burschenbund-Ball in Linz

Seit vielen Jahren veranstalten die rechtsextremen Burschenschaften in Graz den sogenannten Akademiker-Ball. Ebenso wie in Wien und Linz wird auch in Graz im Jänner das rechte Tanzbein geschwungen. Die steirische „Offensive gegen Rechts" möchte dagegen ein deutliches Zeichen setzen und plant für den 17. Jänner Proteste mit dem Ziel, den Ball zu verhindern.

Organisiert wird der Akademiker-Ball vom Grazer Korporationsring (GKR) mit Unterstützung des Freiheitlichen Akademikerverbandes (FAV). Der GKR ist der Dachverband der Grazer rechtsextremen Burschenschaften, der FAV ist so etwas wie die FPÖ-Vereinigung für Rechtsextreme mit Latinum. Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Rechtsextremismus sieht die FAV-Zeitschrift „Aula" als wichtige Brücke von der FPÖ zu den außerparlamentarischen Strömungen des Rechtsextremismus und Deutschnationalismus.

Gerade in der Steiermark sind die Schnittmengen zwischen der FPÖ und der faschistischen Rechten sehr groß.

Gerade in der Steiermark sind die Schnittmengen zwischen der FPÖ, insbesondere ihren Jugendorganisationen, und der außerparlamentarischen faschistischen Rechten sehr groß. Dieses oftmals gewalttätige NS-Milieu umfasst Mitglieder der Jugendorganisationen RFS und RFJ genauso wie bekannte-NS Kader. Auch enge Verbindungen dieses Milieus zur mittlerweile offline gegangenen Nazi-Page alpen-donau sind gegeben. Burschenschaften spielen dabei eine wesentliche Rolle, sie sind Vernetzungsort, Rückzugsgebiet und Ausbildungsstätte.

Beispielhaft für all das kann der Fürstenfelder Franz Radl genannt werden. Radl stand bereits bei den Briefbomben-Anschlägen der 1990er im Blickfeld der ErmittlerInnen und gilt bis heute als einer der engsten Mitstreiter des derzeit inhaftierten NS-Führers Gottfried Küssel.

Radl ist bereits wegen Wiederbetätigung verurteilt, ist Mitglied der Burschenschaft Teutonia und hat beste Verbindungen in die FPÖ.
Radl, der in der Öffentlichkeit eher unbekannt ist, hat übrigens bereits einmal eine wesentliche Rolle in der österreichischen Innenpolitik gespielt. Das Bild, bei dem Heinz-Christian Strache abwechselnd drei Bier bestellt oder doch den NS-Kühnen-Gruß gemacht hat, ist weithin bekannt. Weniger bekannt ist, dass Strache, der in seiner Jugend tief im Nazi-Sumpf war, dabei den Neo-Nazi Franz Radl begrüßt hat (Pardon: ihm drei Bier bestellt).

Diese Verbindungen zwischen offenen Neonazis und der steirischen FPÖ sind kein Zufall, gilt doch die steirische Landesorganisation sogar innerhalb der FPÖ als stramme Rechtsaußen-Fraktion mit besten Verbindungen ins offene NS-Lager (wobei Burschenschaften wiederum eine wichtige Vernetzungs-Funktion einnehmen).

Foto von Florian Voggeneder vom Burschenbund-Ball in Linz.

Ideologisch hat die Steiermark für den Rechtsextremismus auch sonst einiges zu bieten. Da ist etwa der Grazer Stocker Verlag, der in der Öffentlichkeit vor allem durch landwirtschaftliche Literatur (unter anderem Schulbücher!) bekannt ist, daneben aber auch äußerst rechtslastige Literatur herausgibt. Das „Familienunternehmen Stocker" darf gerichtlich als „im Dienst des Rechtsextremismus" stehend bezeichnet werden.

Neben Radl stammen auch andere wichtige Persönlichkeiten des Neonazismus aus der Steiermark, wie etwa der 2011 verstorbene Herbert Schweiger, der die personelle Kontinuität vom NS-Regime über die FPÖ bis zum modernen Neonazismus verkörperte und als Doyen der gesamten deutschsprachigen NS-Szene galt.

Der Ball wird in diesem Jahr vor allem von Mitgliedern des Corps Vandalia ausgerichtet. Als Vorsitzender des Ballkomitees fungiert laut Ball-Homepage der „Vandale" Herwig Kahler. Und auch hier zeigen sich wiederum beste Verbindungen in die FPÖ. Einer der „Alten Herren" der Vandalen ist Andreas Mölzer, Gründer der rechtsextremen Zeitschrift „Zur Zeit" und ehemaliger Spitzenkandidat der FPÖ bei den EU-Wahlen.

Diese Verbindungen bekannt zu machen, ist auch der Offensive gegen Rechts wichtig. Johanna Mayr von der OGR sagt: „Für uns geht es auch darum, den Ball ins richtige, also ins rechte Licht zu rücken. Akademikerball, das klingt nett, tatsächlich handelt es sich hier aber um einen Ball von rechtsextremen Burschenschaften. Und diese Burschenschaften bilden gleichzeitig das ideologische Rückgrat der FPÖ."

Das deutschnationale Lager ist in der steirischen Landeshauptstadt traditionell stark.

Laut der Homepage der Organisatoren kommen auf dem Ball Bürgertum, Industrie und (rechtsextreme) Studierendenschaft zusammen. Diese Einschätzung ist ebenso richtig wie bezeichnend. Burschenschaften gelten als höchst elitär und sind somit das genaue Gegenteil der angeblichen FPÖ-Klientel, also der sogenannten „kleinen Menschen" (als würde der soziale Status etwas über die Größe eines Menschen aussagen). Und auch manche Betriebe lassen es sich nicht nehmen, den Ball zu unterstützen. Sechs von elf Sponsoren haben sich auf öffentlichen Druck bereits zurückgezogen, doch insbesondere der Bierbrauer Murauer hält weiterhin an der Zusammenarbeit mit den Rechtsextremen fest, wie die OGR kritisiert.

Indirekt unterstützen auch weitere Betriebe sowie sogar die Stadt Graz die Durchführung des Balls. Denn der Ball findet in den traditionellen Räumen des Grazer Congress statt, der laut OGR zu 80 Prozent der Stadt Graz gehört. Weitere Anteile, so die OGR, halten die Wirtschaftskammer, die Landwirtschaftskammer sowie die Brau Union und die steiermärkische Sparkasse.

Gerade in der Steiermark gibt es auch gute Verbindungen des burschenschaftlichen Milieus in die ÖVP. So ist etwa der ehemalige ÖVP-Wirtschaftsminister Martin Bartenstein als eine der wenigen hochrangigen Mitglieder seiner Partei Mitglied in einer deutschnationalen Verbindung, konkret im ATV Graz. Auch hier gibt es historische Hintergründe: das christlich-soziale Lager, also die heutige ÖVP, war in der Steiermark vor dem Zweiten Weltkrieg klar NS-lastig. So war etwa der christlich-soziale Politiker Anton Rintelen, Landeshauptmann von 1919-26 und von 1928-33 ein heimlicher NS-Parteigänger und wurde von den Nazis nach ihrem Putschversuch im Juli 1934 sogar als neuer Bundeskanzler vorgesehen.

Auch die FPÖ hat bereits in Graz lange vor dem Aufstieg von Jörg Haider eine wichtige Rolle gespielt. Bereits zwischen 1973 und 1983 gab es mit Alexander Götz einen FPÖ-Bürgermeister, der auch später noch das offen rechtsextreme Parteilager unterstützte. Das deutschnationale Lager ist in der steirischen Landeshauptstadt also traditionell stark, es ist auch kein Zufall, dass die Nazis Graz bereits kurz nach der Machtübernahme mit dem Ehrentitel „Stadt der Volkserhebung" ausgezeichnet haben.

Die Offensive gegen Rechts möchte die Mobilisierung gegen den Akademiker-Ball auch nützen, um die politische Rolle der Burschenschaften im öffentlichen Leben zu erläutern. Johanna Mayr sagt: „Burschenschaften sind das Bindeglied zwischen den rechtsextremen Kreisen und den ökonomischen Eliten, die sich in ihrer Verachtung gegenüber Minderheiten, Andersdenkenden und sozial schwachen Menschen die Hand reichen." Die OGR hingegen tritt laut Mayr für eine Gesellschaft ein „in der alle Menschen gleiche Rechte haben, am gesellschaftlichen Leben teilhaben und frei von Diskriminierung, Ausbeutung und Bevormundung leben können." Mayr ruft alle AntifaschistInnen auf, am 17. Jänner an einer „lauten und bunten" Demonstration der OGR teilzunehmen, die ab 17:00 Uhr vom Südtiroler Platz zum Congress ziehen wird. Auch Musik und Tanz sind ausdrücklich erwünscht, schließlich lautet das Motto Fasching statt Faschismus.

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