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Sex

Ich hatte eine Affäre, die alle Regeln meiner offenen Beziehung brach

Es gab bereits meinen Ehemann, meinen Freund und jede Menge Typen, die ich vögeln konnte, wann ich wollte. Und dann kam Conor.

von Jeff Leavell
21 Juli 2016, 4:00am

Ich musste etwas gestehen—meinem Mann Alex und unserem Freund Jon. Ich war mir ziemlich sicher, dass ich eine Affäre hatte, die gegen die Regeln unserer offenen Beziehung verstieß.

Er hieß Conor. Zuerst war er einfach nur irgendein Typ, mit dem ich eines Sonntags nach meiner Schicht als Türsteher in der Schwulenbar vögelte. Ich wusste damals noch nicht, dass ich mehr von ihm wollte—ich war einfach nur beeindruckt von seiner Selbstsicherheit.

Plötzlich tauchte Conor neben mir auf und fing an zu reden, doch er war zu leise und ich verstand kaum etwas. Ich kam immer näher und sagte: "Was? Ich kann dich nicht hören." Als ich schließlich direkt neben ihm war, sagte er: "Nichts. Ich wollte dich nur in meiner Nähe haben."

Wir unterhielten uns ein paar Minuten lang, dann nahm ich ihn in die Umkleide mit. Am Sonntag darauf fickten wir in der Toilette.

Es sollte ein Fick sein. Mehr nicht.


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Ich brauchte nicht noch einen Typen in meinem Leben. Ich hatte schon einen Mann und einen Freund. Und Typen, die ich vögeln konnte, wann immer ich wollte.

Mich in Jon zu verlieben, brachte mir bei, dass meine Fähigkeit zu lieben grenzenlos ist. Und je mehr Liebe ich erfuhr, desto größer wurde meine Liebe zu Alex. Alex ist mein Seelenverwandter, mein Ehemann und mein bester Freund. Er ist immer noch der sexyeste Mann, den ich je gesehen habe.

Als ich anfing, Alex zu daten, wollte ich der Einzige sein, den er liebt und begehrt. Der Mittelpunkt seiner Welt. Das Problem war, dass ich das nie erwidern konnte. Ich war in jeder Beziehung, die ich jemals hatte, untreu.

Um erwachsen zu werden, musste ich ehrlich damit umgehen, wer ich war, und das bedeutete wiederum, dass ich meine Partner auch so akzeptieren musste, wie sie waren. Ich musste einsehen, dass ich nicht treu sein würde, und das meinen Liebsten ehrlich sagen.

Vor meinem geistigen Auge spielte sich wütendes und ausuferndes Geschrei ab. Ich würde aus dem Haus stürmen. Alex würde meine Sachen aus dem Fenster schmeißen.

Jon von Conor zu erzählen, war einfach. Jon wohnte durchgehend bei mir in Los Angeles, während Alex ein halbes Jahr lang in Spokane, Washington, an einer TV-Serie arbeitete. Sein Terminplan war so voll, dass wir selten zum Reden kamen. Jon ist anders als Alex und ich: Er ist unkomplizierter, muss nicht immer die Kontrolle haben. Alex und ich sind beide territoriale Alphas.

Jon ermutigte mich. Es gefiel ihm zuzusehen, wie meine neue Beziehung sich entwickelte. Also hatte ich jemanden, mit dem ich meine Ängste teilen konnte.

Ich hatte vor, eine Woche in Spokane zu verbringen, um Alex' Geburtstag mit ihm zu feiern. Ich hatte ein großes Haus gemietet, damit wir allein sein konnten. Ich wusste, wenn ich nicht sofort etwas unternahm, machte mich das doch nur wieder zu einem Betrüger.

Vermutlich würde es Streit geben. Bei uns können gewaltig die Fetzen fliegen. Aber wir können uns auch ewig unterhalten, und das liebe ich immer. Ich liebe nichts mehr, als einfach die ganze Nacht aufzubleiben und mit Alex zu reden.

Alex von Conor zu erzählen, war das Wichtigste überhaupt, aber ich hatte Angst.

Zu diesem Zeitpunkt waren die Dinge zwischen uns bereits seit einer Weile schwierig. Ich hatte immer geglaubt, Alex und ich seien gut darin, einander die Freiheit zu geben, die Welt als Individuen zu erleben statt als Gefangene einer Ehe. Doch wir hatten Angst davor, verlassen oder nicht geliebt zu werden. Wir hatten Angst, nicht gut genug zu sein. Wir versuchten immer wieder, den anderen zu ändern, damit er besser in unsere Bedürfnisse und Unsicherheiten passte.

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Ich war überzeugt, dass wir aus diesem Muster ausbrechen und einander so lieben können, wie wir sind, und nicht so, wie wir einander gerne hätten. Dass wir einander ermutigen können, ganz wir selbst zu sein, auch wenn uns das Angst macht.

Und deswegen wollte ich Conor auch nicht aufgeben. Als ich mir endlich erlaubte, ganz ich selbst zu sein, wurde es gleichzeitig möglich, Alex dasselbe Recht einzuräumen. Ehe bedeutete nicht länger, dass ich einen Besitzanspruch auf meinen Mann hatte und ihm sagen konnte, wie er sein Leben zu leben hatte.

Auf dem Weg nach Spokane hatte mein Anschlussflug in Salt Lake City Verspätung. Ich stellte mir jedes mögliche Ende der bevorstehenden Konversation vor. Vor meinem geistigen Auge spielte sich wütendes und ausuferndes Geschrei ab. Ich würde aus dem Haus stürmen. Alex würde meine Sachen aus dem Fenster schmeißen. Und wir würden schließlich im Vorgarten ficken, während uns ganz Spokane anfeuert.

Als ich Alex dann im Eingangsbereich des Flughafens erblickte, war ich kurz davor, in Tränen auszubrechen. So fühle ich mich immer, wenn ich ihn lange nicht gesehen habe. Seine Gegenwart füllt diese Leere, die seine Abwesenheit in mir verursacht, wieder auf. Ich verspürte plötzlich eine gewisse Geborgenheit.

Schließlich gingen wir in der Innenstadt von Spokane essen, umgeben von betrunkenen Heteros und ihren noch betrunkeneren Freundinnen.

"Ich muss dir etwas sagen", meinte ich, "will aber eigentlich gar nicht." Diesen Worten, die endlich meine Lippen verließen, mangelte es an der Poesie, die ich eigentlich im Sinn hatte. Wo war plötzlich all das, was ich mir vorher zurechtgelegt hatte? All die schönen Bemerkungen, die meine Liebe für Alex zum Ausdruck bringen sollten? Plötzlich machten sich in mir Zweifel an meiner Überzeugung breit.

Ich brauchte nicht noch einen Typen in meinem Leben. Ich hatte schon einen Mann und einen Freund. Und Typen, die ich vögeln konnte, wann immer ich wollte.

"Oh-oh", sagte Alex.

Ich erzählte ihm alles. Ich redete 30 Minuten lang ununterbrochen durch.

Als ich fertig war und ihm mein Herz ausgeschüttet hatte, meinte er einfach nur: "Hmmmm. OK." Dann nahm er einen Bissen von seinem Essen.

"Baby, bist du sauer auf mich?", fragte ich ihn.

"Vielleicht. Klar bin ich sauer. Aber nicht auf dich. So etwas will ich jetzt bloß nicht hören."

Dann erzählte Alex mir von Greg aus Los Angeles. Er und Greg hatten miteinander geredet und er hatte sich überlegt, Greg für ein Wochenende nach Spokane zu holen.

Alex brauchte vier Minuten, um mir alles zu sagen. Vier Minuten im Vergleich zu meinen dreißig. Er weiß eben, wie man sich kurz und bündig ausdrückt.

Wir werden dieses Thema immer und immer wieder anschneiden müssen.

Ich stellte mir vor, wie Greg und Alex ein Wochenende zusammen verbringen. Und ich erlaubte mir sogar einen kurzen Anflug von Verletzlichkeit und Wut. Danach freute ich mich jedoch für meinen Ehemann. Und ich fühlte mit ihm. Die Einsamkeit in Spokane war sicherlich nicht einfach zu ertragen—so weit weg von seinem Alltag mit mir und Jon. Ich war froh, dass es da noch jemanden gab, der sich um ihn kümmerte. Ich will, dass Alex so viel Liebe wie nur möglich zuteil wird. Je mehr Leute es gibt, die ihn in die Arme schließen wollen, desto besser.

Genau das wünsche ich allen—Alex, Jon und auch Conor. Ich will, dass man sie liebt und dass sie glücklich sind. Ich habe nicht mehr länger das Bedürfnis, der einzige Mensch zu sein, den sie wollen und lieben. Je mehr Menschen, Liebschaften, sexuelle Aktivitäten, Freundschaften und Zärtlichkeiten das Leben bereichern, desto sicherer fühlt man sich ja.

"Das ist doch eine gute Idee", sagte ich.

Alex blieb still. Aber unsere Unterhaltung war noch lange nicht zu Ende. Sie wird niemals richtig zu Ende sein. Wir werden dieses Thema immer und immer wieder anschneiden müssen. Wir werden uns streiten, Dinge durchs Haus werfen, dann ficken, dann wieder streiten und anschließend wieder ficken. Aber ganz egal, was wir auch machen, wir werden er zusammen tun. Das ist unser Leben und wir da müssen wir gemeinsam durch.

Schließlich fasste er über den Tisch, um meine Hand zu halten.

"Ich bin froh, dass du hier bist", meinte er. "Ich habe dich vermisst. Und zwar sehr."