Im Gespräch mit der Wissenschaftlerin, die den idealen Penis entdeckt hat

In einer Studie wurde mithilfe von 3D-gedruckten Phalli die für Frauen ideale Penisgröße ermittelt. Wir haben uns mit Dr. Nicole Prause, der Leiterin des Forschungsteams, über die Ergebnisse unterhalten.

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08 September 2015, 11:24am

Dieser Artikel ist zuerst bei Broadly erschienen.

Kommen wir nun zu den „Männer, ihr könnt euch entspannen"-Nachrichten: Die University of California, Los Angeles und die University of New Mexico haben zusammen eine Studie zum Thema Penisgröße durchgeführt und jetzt veröffentlicht. In dieser Studie wurden mehrere Frauengruppen darum gebeten, den perfekten Penis für verschiedene Beziehungsszenarios auszuwählen. Dabei kam heraus, dass die Länge und der Umfang der weiblichen Traumpenisse fast genau mit dem statistischen Durchschnitt zusammenfallen.

Den 75 an der Studie beteiligten Frauen wurden 33 blaue, mit einem 3D-Drucker erschaffene Phalli unterschiedlicher Länge und unterschiedlichen Umfangs gezeigt und sie sollten dann auswählen, welcher ihnen für eine Langzeitbeziehung und welcher ihnen für einen One-Night-Stand am meisten zusagt. Der Mann, der theoretisch am Penis dranhängt, wurde den Probanden als „nett, intelligent, witzig und wohlverdienend" beschrieben. Heraus kam dann, dass für eine Beziehung ein Penis von 16 Zentimetern Länge und 12,2 Zentimetern Umfang und für einmaligen Sex ein Penis von 16,3 Zentimetern, bzw. 12,7 Zentimetern wohl am besten geeignet ist.

Wir haben die Veröffentlichung der Studie zum Anlass genommen, um uns mit Dr. Nicole Prause, der Leiterin des Forschungsteams, über die Bewilligung einer Sex-Studie, über die Zukunft von 3D-gedruckten Dildos und über Heiratsmaterial-Penisse zu unterhalten.

Foto: bereitgestellt von Dr. Nicole Prause

VICE: Kannst du uns zuerst einmal ein bisschen was über dich und deine Arbeit erzählen? Wie lange bist du jetzt schon in diesem Bereich tätig?
Dr. Nicole Prause: Meinen Doktor habe ich an der Indiana University im Fach Clinical Science gemacht. Meine Schwerpunkt lag dabei auf Neurowissenschaften und Statistik. Mein Wissen habe ich schon immer dazu eingesetzt, um mich mit der sexuellen Motivation der Menschen auseinanderzusetzen. 2007 wurde ich im „Sexual Psychophysiology and Affective Neuroscience"-Labor angestellt und dieses Jahr habe ich jetzt eine Studienabteilung zur Kommerzialisierung ins Leben gerufen, um auf die Schwierigkeiten der akademischen Untersuchung eines solchen Themas aufmerksam zu machen.

Welche Schwierigkeiten sind das?
Eine Ethik-Kommission hat uns zum Beispiel einmal nicht erlaubt, eine Studie zum Thema Orgasmus durchzuführen. Sowohl der Rolling Stone als auch die LA Times berichten gerade über diesen Zwischenfall. Die Geldgeber zweifeln regelmäßig an, ob wir für unsere Studien genügend freiwillige Probanden bekommen—und das, obwohl wir in der Vergangenheit bewiesen haben, dass wir damit keine Probleme haben. Wie du dir sicher vorstellen kannst, lieben die Leute unsere Studien. Uns wurde außerdem nicht die Erlaubnis erteilt, Leute zu rekrutieren, die sich aufgrund ihrer „Porno-Sucht" behandeln lassen wollen, denn die Ethik-Kommission war der Meinung, dass diese Leute rückfällig werden würden, wenn wir ihnen Sexfilme zeigen. Im Vereinigten Königreich verbieten die Ethik-Kommissionen so etwas zum Beispiel nicht. Ich könnte hier jetzt noch ewig so weitermachen.

Wie kam es dann zu der Penisstudie?
Alles begann, als ich Geoffrey Miller kennenlernte, einen Forschungswissenschaftler am Mind Research Network, eine Neuroimaging- Einrichtung in Albuquerque. Ich wollte mehr über die Schmerzempfindung der Frau beim Sex herausfinden und war der Meinung, dass dabei auch berücksichtigt werden sollte, ob die Penisgröße des Partners eine Rolle spielt. Geoffrey interessierte sich vor allem dafür, wie sich gewisse Penisvorlieben auf die Partnerwahl auswirken. Und schon war die Zusammenarbeit geboren.

Bitte bezeichne einen Penis niemals als den perfekten Penis.

Bei der Studie kam heraus, dass sich die Frauen im Vergleich zum Standard eigentlich nur einen minimal größeren Penis wünschen. Warum ist den Männern deiner Meinung nach dann die Länge so wichtig? Worauf sollte man(n) sich bei der Wahl der sexuellen Partnerin mehr konzentrieren?
Mit nur einer Ausnahme hat die Wissenschaft immer wieder konstant aufgezeigt, dass der Penisumfang für Frauen und deren Befriedigung wichtiger ist. Vielleicht verlaufen Penisverlängerungs-OPs erfolgreicher und deswegen sind Männer so auf die Länge fokussiert, weil das ein Faktor ist, den sie besser kontrollieren können. Wenn man sich nur auf die körperliche Attraktivität beschränkt, dann beeinflussen viele zumindest halbwegs steuerbare Gesundheitsindikatoren das Interesse der Frau. Dazu gehören solche Dinge wie das Gewicht, die Muskulosität, Blässe oder Akne.

Wie erklärst du dir, dass Frauen bei verschiedenen Beziehungsarten auch verschiedene Penisse bevorzugen?
Beim Geschlechtsverkehr wird die Vulva immer ein wenig angerissen, es werden Bakterien in die Vagina gedrückt und mit Kondom gelangen sogar noch mehr Bakterien in die Frau. Ein größerer Penis bringt möglicherweise auch ein größeres Schmerz- und Verletzungsrisiko mit sich. Das nehmen Frauen aber auch in Kauf, um sexuell befriedigt zu werden—und das ist mit einer größeren Wahrscheinlichkeit das Ziel eines einmaligen sexuellen Partners. Ein größerer Penis bringt die Klitoriseichel wohl auch näher zu der Bewegung des Geschlechtsverkehrs, während die Klitorisschenkel auch gleichzeitig mehr beansprucht werden als bei einem kleinen Penis.

Ist es angebracht, die beliebteste Penisgröße als den perfekten Penis zu bezeichnen? Haben wir von einem wissenschaftlichen Standpunkt aus betrachtet den Heiratsmaterial-Penis gefunden?
Bitte bezeichne einen Penis niemals als den perfekten Penis. Der Sinn unserer Studie war es zu zeigen, dass es ganz auf die Situation ankommt. Unsere nächste Abhandlung beinhaltet auch Daten, die vermuten lassen, dass es natürlich auch auf die Frau ankommt. Aber ja, die beliebteste Penisgröße als Heiratsmaterial-Penis zu bezeichnen, erscheint mir angebracht und das finde ich witzig. Sollten wir die andere Größe dann Schürzenjäger-Penis nennen?

Wie passen da eigentlich Frauen ins Bild, die auf richtig große Penisse stehen?
Oh, die haben wir natürlich auch berücksichtigt. Eine solche Präferenz kann viele Gründe haben, zum Beispiel ein gewisser Körperbau (die Klitoris ist weiter von der Vaginalöffnung entfernt etc.), gewisse Erfahrungen oder aber auch ein Mangel an Erfahrung. Es lässt sich nur schwer herausfinden, warum genau sich eine solche Vorliebe entwickelt.

Wenn man die Studie etwas nüchterner betrachtet, könnte man auch meinen, dass uns Frauen die sexuelle Befriedigung in längerfristigen Beziehungen ziemlich egal ist—wir wollen ja bei One-Night-Stands einen größeren Penis. Entspricht das der Wahrheit?
Ich würde sagen, dass sexuelle Befriedigung auch durch emotionale Intimität kommen kann. Schockierend, ich weiß. Wir haben außerdem eine Studie veröffentlicht, die zeigt, dass die sexuelle Erregung von Frauen eher mit der Gehirnreaktion im Einklang steht als mit der vaginalen Reaktion. Eigentlich hasse ich dieses Ergebnis, denn es lässt uns Frauen so ... weiblich dastehen, aber es besagt wohl auch, dass die Intensität des Geschlechtsverkehrs bei Frauen mehr von den Mechanismen im Gehirn als von den Mechanismen im Genitalbereich abhängt.

Was hast du nach der Studie mit den ganzen blauen, in 3D gedruckten Penissen gemacht?
Die befinden sich in einer Tasche unter meinem Bett. Nein Spaß, die werden nicht „benutzt" und das wurden sie auch noch nie. Ich werde sie wohl zu einem meiner Nerd Nite-Talks mitnehmen. Eigentlich will ich sie noch eine ganze Weile behalten. Außerdem hoffe ich, damit unerwünschte Typen einschüchtern zu können.

Von einem gesellschaftlichen Standpunkt aus betrachtet helfen Studien wie diese vielleicht dabei, bei Männern ein realistischeres Körperbild zu schaffen.

Guter Plan. Warum hat dein Forschungsteam die ganzen Infos zu den druckbaren Schwänzen online gestellt?
Ich hoffe, dass andere Forscher bei zukünftigen Studien zum Thema Penisgröße die gleichen Modelle verwenden. Vielleicht sind sie auch für Ärzte nützlich, die mit ihren Patienten über wünschenswerte und wahrscheinliche OP-Resultate sprechen. Wenn man die Infos erstmal runtergeladen hat, dann kann man sich wohl auch noch schnell einen 3D-Drucker leihen oder ein Unternehmen dafür bezahlen, die Teile günstig zu drucken. Alles für die Wissenschaft!

Es hat sich dank der Studie zwar herausgestellt, dass sich Männer bezüglich der Penislänge keine großen Sorgen machen müssen, aber glaubst du, dass sich Frauen jetzt einfach ihre eigenen Penisse in der perfekten Größe ausdrucken werden?
Ich habe gehört, dass es bereits geheime 3D-Druckdaten für genau diesen Zweck gibt—nur meine Prüderie hält mich davon ab, das Ganze mit der Welt zu teilen. Als damals der Hitachi Magic Wand auf den Markt kam, wurde darüber spekuliert, ob Vibratoren nun Männer ersetzen würden. Ich hoffe, dass perfekt geformtes Sexspielzeug nicht im gleichen Gefahrenniveau eingestuft wird.

Motherboard: So entsteht ein künstlicher Laborpenis.

Was wird mit Studien wie deiner erreicht?
Von einem Forschungsstandpunkt aus betrachtet verändert diese Studie die Messlatte für das, was in Zukunft veröffentlicht werden kann. Hoffentlich bedeutet das, dass sich die Wissenschaft zum Thema Penisgrößenpräferenz endlich von der Fragebogenvorgehensweise lösen kann. Von einem gesellschaftlichen Standpunkt aus betrachtet helfen Studien wie diese vielleicht dabei, bei Männern ein realistischeres Körperbild zu schaffen. Die erwartete Reaktion der sexuellen Partnerin ist eine der größten Sorgen, die Männer bezüglich ihrer Penisgröße haben—und die unterscheidet sich eben von Muskulosität, Haardichte oder anderen körperlichen Merkmalen, die offensichtlicher sind. Männer sollten sich mit ihrer Penisgröße wohl fühlen, denn jetzt wissen sie ja, dass Frauen in verschiedenen Situationen extrem unterschiedliche Vorlieben haben.

Diese Studie ist jetzt veröffentlicht. Worum geht es in deinem nächsten Projekt?
Ich setze transkranielle Magnetstimulation im Gehirn ein, um den Sexualtrieb dauerhaft zu beeinflussen. Ich verändere quasi die Welt.

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