Anzeige
Sex

Ein kleiner Penis bringt’s auch

Die aktuelle Studie zur durchschnittlichen Länge des besten Stücks kann mich mal am Arsch lecken.

von Ant Smith
06 März 2015, 12:46pm

Eine aktuelle Studie besagt, dass die weltweite Durchschnittslänge eines erigierten Penis bei gut 13 Zentimetern liegt. Laut der Urologen-Zeitschrift BJUI, die die Ergebnisse veröffentlicht hat, soll diese Aussage dabei helfen, „vielen Männern klarzumachen, dass ihre Penislänge völlig normal ist."

Das macht sie bestimmt auch. Allerdings ist damit jetzt nicht plötzlich alles Friede, Freude, Eierkuchen: Mein Leben verändert sich kein bisschen, nur weil ich jetzt weiß, dass ich nur noch drei und nicht mehr viereinhalb Zentimeter unter dem Durchschnitt liege.

Ich glaube, dass diese ganze Aktion, bei der pedantisch 15.521 schlaffe und steife Penisse vermessen wurden, uns aufzeigt, dass wir als Gesellschaft immer noch wie besessen von der Größe einer Sache sind ( davon will ich mich auch gar nicht ausschließen). Egal, was noch gesagt wird, ich bin auf jeden Fall froh darüber, dass wir offen, ehrlich, ernsthaft und unvoreingenommen über Penislängen diskutieren. Das machen wir doch, oder?

Die Typen vom BJUI weisen uns auch noch auf einen anderen positiven Faktor hin: Die Männer, die ihren normalgroßen Penis als zu klein empfinden, müssen sich nicht länger Sorgen machen, denn 13 Zentimeter sind eben nicht klein, sondern der Durchschnitt. Wenn dir in Zukunft jemand sagt, dass dein durchschnittlich großer Schniedel zu klein ist, dann liegt das Problem ganz klar bei der Wahrnehmung der Anderen und nicht bei deinem Rohr.

Die Länge eines Penis kann nicht in Zentimetern gemessen werden. Ein Penis ist immer nur so groß, wie es das Selbstvertrauen des Besitzers zulässt.

Ich bin mir jedoch nicht sicher, ob dieser zweite Faktor wirklich so Bestand hat—immerhin braucht es für einen Mann mit Penislängen-Zweifeln wirklich viel Überzeugungskraft. Jedes Mal, wenn eine nette Dame meint, dass sein bestes Stück ja gar nicht so klein ist, starrt besagter Mann ins Leere und denkt sich: „Vielen Dank. Ich wünschte, das wäre wahr."

Die Länge eines Penis kann nicht in Zentimetern gemessen werden. Ein Penis ist immer nur so groß, wie es das Selbstvertrauen des Besitzers zulässt oder wie er von den Beziehungspartnern wahrgenommen wird. Ständig gibt es neue Studien, die sich anscheinend alle mit dem internationalen Standard des „akzeptablen Schwanzes" beschäftigen. So etwas hat jedoch noch nie jemandem weitergeholfen—und das wird es auch in Zukunft nie.

Gleichzeitig werden wir aber auch mit Begriffen wie „durchschnittlich" oder „der normale Bereich" konfrontiert. Das impliziert, dass der Rest nicht normal ist, und eine solche Polarisierung tut niemandem gut. Diese Polarisierung lässt mich auch sofort an den Teenager denken, der von seinen Penislängen-Zweifeln in den Selbstmord getrieben wurde. Länge ist keine Markierung auf einem Lineal—Länge ist das, was du daraus machst.

Du kennst doch sicher jemanden, der genauso oder weniger bestückt ist als ich. Handelt es sich dabei vielleicht um deinen Vater, deinen Bruder oder deinen Mitbewohner? Wärst du nicht auch sauer, wenn jemand auf deren Penis zeigen und mit schriller Stimme sagen würde: „Igitt, das ist ja abnormal!" Ruf dir deine familiären und sozialen Bindungen ins Gedächtnis und erkenne hier das Problem.

Wenn bei einem Mann Zweifel bezüglich seines besten Stücks bestehen, dann gibt es nur eine Lösung. Vergrößerungsmethoden (Pillen, Hilfsgeräte oder Operation) führen nie zu totaler Zufriedenheit—es sei denn, Zufriedenheit beinhaltet für dich den finanziellen Bankrott, Kummer und körperliche Verunstaltungen. Genauso legt der Vergleich mit anderen Menschen den Finger nur noch weiter in die Wunde und die Richtigkeit der Daten oder der Wert der Analysen treibt dich in den Wahnsinn.

Nein, die Lösung lautet: Akzeptiere dich selbst.

Zwar sollen einem solche Studien dabei helfen, aber das machen sie einfach nicht. Man schenkt ihnen sowieso kaum Glauben. Jedes Mal kommt man zu einem anderen Ergebnis und die Wissenschaftler scheinen ja nicht mal sich selbst zu glauben. Sie teilen die Gesellschaft in normal und abnormal ein. Auch wenn sie dich von einer Obsession mit der Penislänge abbringen wollen, geben sie dennoch der Vorstellung Auftrieb, dass man sich über die Größe des besten Stücks Gedanken machen sollte.

„Aber ich muss doch etwas spüren", sagte letztens eine Frau während eines Interviews bezüglich dieses Themas zu mir. Dem stimme ich ja auch zu. Ich bin jedoch auch der festen Überzeugung, dass Technik und Fantasie heftigere Reaktionen hervorrufen, als es jeglicher Penis jemals schaffen könnte—egal, wie groß er auch sein mag.

Tagged:
Sex
penis
Meinung
Studie
gesellschaft
Pimmel
akzeptanz
durchschnittlich
Vice Blog
penislänge