Verficktes Innsbruck: Ein kleiner Sex-Guide für die Alpen

Dieser Text über das Sexleben und die entsprechenden Tipps einer jungen Studentin in Innsbruck lag vor kurzem einfach in unserem Postfach. Da wir beim Lesen sehr viel Spaß hatten, wollen wir ihn hier mit euch teilen.

|
31 Oktober 2013, 5:00pm

Endstation: Teilzeitlesben angaffen. Foto: Eskimo Jo

Endstation: Teilzeitlesben angaffen. Foto: Eskimo Jo

Wenn ich raten müsste, in welcher österreichischen Stadt die Einwohner am meisten Sex haben, würde ich sagen Innsbruck. Meine Theorie ist, dass es am Sport liegt. Sportliche Menschen haben mehr Durchhaltevermögen und sind attraktiver. Sie reißen sich gegenseitig schneller und öfters auf und ficken besser. So ziemlich jeder hier, der was auf sich hält, studiert Sport oder macht viel Sport, oder wurde als Tiroler Naturbursche mit unnatürlich breiten Schultern und starken Oberarmen geboren. Oberarme, in die Mädchen nur so reinfallen.

Es ist der übliche Männershit, aber ein bisschen verwirrender weil man in Innsbruck grundsätzlich mit mehr Menschen Sex hat. Und sich mehr Menschen kennen, es aber nicht mehr Menschen gibt im Vergleich zur Größe der Stadt. Ein österreichisches Mikro-Sexklima, wenn man so will.

Der Berg, der Mensch, das Tier. Hier im engen Inntal liegt alles recht nah beisammen. Vielleicht ist deswegen der Sex so gut. Schämen ist hier größtenteils ein Fremdwort. Zumindest, solange man sich keine Geschlechtskrankheit zulegt und diese im Freundeskreis fröhlich à deux verteilt und dabei seinen Freund aus dem Spiel lässt. Lass dir sagen, er wird es riechen, wenn du keinen Sex mehr mit ihm hast und seine Freunde mit Weh im Schritt herumlaufen. Und deine Freunde werden es wissen. Die Freunde deiner Freunde werden es wissen. Und die Freunde deiner Freundes Freunde-Freunde. Und du wirst Sachen über Menschen wissen, die du nicht mal wirklich kennst und die du nie wissen wolltest. Aber du solltest sie wissen, damit du alarmiert bist, sollte einer dieser Namen deine Jagdgründe kreuzen.

Ja, auch hier wirst du Sex haben und ja, Leute werden es mitbekommen. Foto: Shane Global

Aber kein Grund zur Sorge, Kondome sind schließlich auch hierzulande Handelsware. Tiroler sind allerdings sture Menschen und haben daher tendenziell weniger oft ein Kondom zuhause als Deutsche, sagt die Erfahrung. Die Deutschen sind selbst da ein wenig korrekter. Warum dich jemand abschleppt und dann kein Kondom zuhause hat, weiß man trotz gründlicher Forschung immer noch nicht. Man vermutet, es ist die Hoffnung, stattdessen einen geblasen zu bekommen. Je weiter der Typ am Stadtrand oder über diesen hinweg wohnt (ergo langer Heimweg), umso stärker das Motiv. Darum kläre, bevor du ins Taxi steigst, die wirklich essentiellen Dinge ab. Es sei denn, du bläst lieber als du gevögelt wirst.

Einmal jährlich im September zu Studienanfang hält Frischblut Einzug ins heilige Land und damit geht die Schlacht erst richtig los. Gegen Ende des ersten Semesters hat man dann alle durch, die anfangs im Blickfeld vorbeigehuscht sind, und am Ende des zweiten Semesters dann ein zweites Mal, plus die Reste.

Was bleibt, sind verkorkste Freundschaften oder unangenehme Momente, wenn ihr euch auf der Straße begegnet. Und auch das wird passieren, so sicher wie die Abschlepp-Hour in den Clubs schlägt. Afterhour-Events halten nicht grundlos nur langsam Einzug in die Stadt. Mehr Drogen, längere Partys, weniger Sex, eine kontraproduktive Entwicklung für die Metropole des Geschlechtsaktes. Des sportlichen, unbezahlten, versteht sich.

Hier tut sich nicht mehr viel. Foto: Leon Hart

Afterhour ist der erklärte Feind der frühbesoffenen Gesellschaft, die um Mitternacht aus dem Weekender Club rauswankt. Hast du diese Hürde mal geschafft, geht es drinnen ans eingemachte. Sei froh, dass du kein Junge bist (falls du kein Junge bist), sonst müsstest du jetzt deinen Schwanz rausholen und ihn mit anderen abschlagen. Zipfel-Klatschen halt. Eine durchaus gängige Begrüßung in manchen Gruppierungen. Ebenso wie der „Wedgie", der durchaus auch Mädchen treffen kann.

Sei frech, ziehe andere an den Unterhosen mit und schon wirst auch du dein blaues Wunder erleben. Dir wird das Höschen aus der Hose gerissen und was dabei drauf geht (Binden solltest du ohnehin niemals tragen, in keiner Stadt der Welt) ist der natürliche Schwund von Geschlechtsorganen. Siehst du nun die hinkenden Menschen den Club verlassen, weißt du, sie tragen keine Unterwäsche mehr. Solltest du einen von ihnen mit nach Hause nehmen, kannst du ihn am nächsten Morgen daran erinnern. Nur falls er seine Unterhose in deinem Zimmer sucht und dich dabei aufweckt.

Aber nicht alle wollen nur Sex. Manche sind auch nett, kleben als FB-Brieffreund an dir und liken wie blöd jeden Schritt, den du unternimmst. Sex wollen sie nur betrunken. Sie werden dich nachts um 4 mit SMS wecken und zu dir wollen. Sie stinken nach Alkohol, kriechen in dein Bett und entschuldigen sich dann kleinlaut, dass heute wohl nichts mehr geht. Dann hast du den Jackpot geknackt, denn diese Typen fressen sich in dein Herz, ob du willst oder nicht, und lassen dich dann, wenn du dich darauf eingelassen hast, sitzen.

Wahrscheinlich haben sie wen aus dem Stadtcafé abgeschleppt und mit heimgekommen, gevögelt ohne zu kommen und jetzt das Gefühl, eingeengt in ihren Optionen zu sein. Die Guten haben wenigstens das. Die Schlechten, die allerdings oft gut im Bett sind, haben es nicht. Das sollte dir immer bewusst sein, solltest du je in die Lage kommen, zwischen diesen zwei Typen zu stehen.

Tirol heißt vor allem Schnalzen. Foto: Jon Shave

Klar gibt es auch Liebe hier. Aber wenn du glaubst, sie gefunden zu haben, stehst du vor der schwierigen Entscheidung, welchen Weg des Scheiterns du nehmen möchtest. 1. Du sagst es ihm heimlich. Dann läufst du nur Gefahr, dass er bis bis zu eurem Wiedersehen jemand anderen kennengelernt hat und sich nun fest binden möchte. Nur nicht an dich. 2. Du sagst es ihm persönlich. Dann läufst du nur Gefahr, dass er mit dir schläft, um dich ruhig zu stellen und sich dann zu distanzieren. Weil er bereits am Vorabend jemand anderen kennengelernt hat. Oder 3. Du fährst die Strategie „Schau ma mal, dann seh ma schon". Dass letztere nur schief gehen kann, brauche ich wohl nicht zu erläutern.

Versteht mich nicht falsch. Innsbruck ist eine tolle Stadt. Tolle Berge, tolle Tiere, toller Sex. Und jeder sollte einmal im Leben so richtig guten Sex gehabt haben. Oder auch öfters. Du solltest auf jeden Fall alles erleben, was geht. Das morgendliche Aufwachen und Orten per Google Maps, der Walk of Shame, wenn du dein Rad am nächsten Tag aus der Stadt holst, weil du es mal wieder stehen gelassen hast und die Freundschaften mit Ex-Freunden und ihren neuen Freundinnen. Solange, bis du an meinem Punkt angekommen bist. Dann kannst du auch wieder wen anderen in einer anderen Stadt ficken. Du wirst aber trotzdem wieder hierher zurückkehren. Weil Innsbruck eben eine gute Stadt ist und wenn du gut bist, bist auch du ein Teil davon. Es ist der Fluch der Berge.

Mit dem Artikel stimmen einige nicht ganz überein. Ein paar Tage nachdem er erschienen war, hatten wir einenGegenartikel im E-Mail-Postfach.