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35 Frauen, die Bill Cosby belasten, zeigen ihr Gesicht. #TheEmptyChair

Die Frauen erzählen ihre Geschichte und ermutigen damit andere Opfer von sexueller Gewalt, dazu zu stehen.

von Lisa Wölfl
28 Juli 2015, 7:15am

Gestern eroberte das wahrscheinlich wichtigste Cover dieses Jahres die Schlagzeilen rund um die Welt. 35 Frauen füllen die Seite. Sie tragen Schwarz. Es sind 35 Frauen, die Bill Cosby beschuldigen, sie sexuell missbrauchtoder es zumindest versucht zu haben. Das New York Magazine gibt jetzt jeder Frau die Chance, ihre Geschichte zu erzählen. Eingefleischte Fans und die Frauen, die Cosby ihre Karriere verdanken, haben lange weggesehen. Der Kinderstar Raven Simoné zum Beispiel bekam von Cosby ihre allererste Rollees fiel ihr dementsprechend schwer, die Anschuldigungen zu glauben. Diesen Juli tauchte aber eine Aussage Cosbys unter Eid auf, in der er bereits im Jahr 2005 zugibt, Frauen das starke Medikament Quaaludes gegeben zu haben, um sie gefügig zu machen. Das war der wichtigste Wendepunkt in der Geschichte, sowohl für Raven, als auch für die breite Öffentlichkeit, die nun die Dutzenden Frauen schwer weiterhin der Lüge bezichtigen können.

Das NYMAG-Cover ist der nächste logische Schritt, die Öffentlichkeit aufzuklären. Es ist leicht zu behaupten, eine Frau lügt, wenn sie kein Gesicht hat und die Anschuldigungen ohne Klarnamen diskutiert werden. Unser Umgang mit Frauen und Männern, die als Opfer von Vergewaltigungen auftreten, sagt viel über die dominante Kultur unserer Region und Zeit aus; und so ist die Geschichte der 35 betroffenen Frauen auch ein Abbild unseres allgemeinen Umgangs mit Vergewaltigungen im Lauf der Zeit. Die Überwindung zu sagen: „Ich wurde vergewaltigt" fühlt sich noch heute für viele wie ein Geständnis an, obwohl sie nichts falsch gemacht haben. 35 Frauen schämen sich nicht mehr. Die Frauen sitzen auf dem Cover alle auf Stühlen. Einer davon ist leer.

Unter dem Hashtag #TheEmptyChair wird Frauen, die bisher nicht die Möglichkeit hatten, ihre Geschichte zu erzählen, nun eine Plattform gegeben. Ein Opfer schreibt, wie ihr eine Expertin erzählt hatte, dass sie ihren Vergewaltiger nicht anzeigen soll, da der Fall nicht einmal vor Gericht kommen würde, weil sie sich nicht aktiv gewehrt hat, sondern „bloß" erstarrt ist. Eine Transfrau berichtet über den Polizisten, der sie, während er im Dienst war, vergewaltigt hat.

Es tut weh, diese Geschichten zu lesen. Wir müssen uns aber mit diesen Schicksalen konfrontieren, um von der Idee wegzukommen, dass Vergewaltigungen selten passieren, nur weil sie selten zu Anzeige und noch seltener zu einer Verurteilung führen. Die Frauen auf dem Cover und die Menschen, die ihre Erfahrungen auf Twitter teilen, könnten unsere Welt nachhaltig verändern. Wenn sich auch nur ein Opfer sexueller Gewalt weniger alleingelassen fühlt, wenn auch nur ein Vergewaltiger das Ausmaß an Leid erkennt, das er verursacht hat, dann haben diese mutigen Frauen und Männer schon sehr viel bewirkt. Das Magazin bildet die Frauen ab, so wie sie sind. Stark, schön, in Gedanken versunken, traurig, in Frieden mit sich selbst. Manche blicken durchdringend direkt in die Kamera. Die Bilder des NYMAGs vermitteln den Eindruck, dass Cosby eines sicherlich nicht geschafft hat: Ihren Kampfgeist zu brechen.

Lisa ist auf Twitter: @lisawoelfl