Alle Screenshots aus dem Facebook-Video "A Story of Opportunity for North Korea" von The White House

Mit diesem absurden Propagandafilm will Trump Kim Jong-un überzeugt haben

"Aus der Dunkelheit kann kommen das Licht!" – so wirbt der US-Präsident bei seinem neuen best Buddy für den Weltfrieden.

|
Juni 13 2018, 11:05am

Alle Screenshots aus dem Facebook-Video "A Story of Opportunity for North Korea" von The White House

Über den Vater von Nordkoreas Diktator Kim Jong-un, den 2011 verstorbenen Diktator Kim Jong-il, wurde Zeit seines Lebens viel Wunderliches berichtet. So soll er ein großer Cineast gewesen sein und etwa 30.000 Filme gesammelt haben, darunter alle Filme, die je mit einem Oscar ausgezeichnet wurden. Und wie das bei einem als Übermenschen inszenierten Diktator so ist, soll er diese Filme auch persönlich gesehen haben. Alle.

Die Leidenschaft für die große Leinwand hat sich auf Sohnemann Kim Jong-un übertragen, heißt es aus dem nordkoreanischen Propagandaapparat. Aus dieser Perspektive klingt es zunächst einmal gar nicht so blöd, dass Donald Trump dem Nordkoreaner zum gemeinsamen historischen Gipfeltreffen in Singapur ein Video mitgebracht hat. Es ist eine Art Trailer für einen Film, den es nicht gibt. Den "Film" sollen die beiden Staatsmänner nämlich selbst drehen: einen echten diplomatischen Blockbuster, damit endlich Frieden und Wohlstand über den gesamten Globus hereinbreche. In solch pathetischem Duktus ist das vierminütige Filmchen gehalten. Sätze wie "and the light of hope can burn" und "the past doesn’t have to be the future" reihen sich aneinander, unterbrochen nur vom ewig grinsewinkenden Kim Jong-un und einem mit betonierter Haartolle zu allem entschlossenen Donald Trump. Zwei Männer, bereit für Großes.

Die reale Ergebnisse des Gipfels werden von Experten dagegen sehr nüchtern betrachtet. Kim hat zugesichert, an der Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel mitzuarbeiten, eine mehr als vage Formulierung. Auch sein Vater und dessen Vater gaben schon ähnliche Versprechen ab. Dafür erhält Kim durch das lange ersehnte Treffen mit einem US-Präsidenten viel internationales Prestige. Und ein nettes Filmchen dazu.

Journalisten hielten den Trailer zunächst für nordkoreanische Propaganda

Wenn Trump gehofft hat, Kim mit seinem Pathos-Trailer zu beeindrucken, bleibt nur die Frage, ob das mehr über den Adressaten oder über den Adressierten aussagt. Die meisten Journalisten, die während einer Wartepause in Singapur das Video vorgespielt bekamen, glaubten übrigens, es handele sich um Propaganda aus Nordkorea. Nun ist es also soweit: Professionelle Medienschaffende können Inhalte aus Washington und Pjöngjang nicht mehr auseinanderhalten.

Interessant ist, dass sogar in so einem kurzen Video Trumps Weltsicht erkennbar wird. Es gibt nur zwei Wege, den der zurück führt, in eine böse, kriegerische Vergangenheit, und den in eine goldig schimmernde Zukunft. Für Zwischentöne, unerwartete Weggabelungen oder auch einfach nur die stets wahrscheinlichste aller Lösungen, den Mittelweg, existiert im System Trump kein Platz. "There can only be two results", tönt der Trailer. Na dann.

Natürlich sollen die Bilder Kim Jong Un schmeicheln. Sein Nordkorea, in dem in Wahrheit sogar das Essen immer wieder knapp wird und Nahrungshilfe aus dem Ausland das Schlimmste verhindert, wirkt in dem Trailer wie eine besonders gut durchgefegte Version von Japan, hochtechnisiert und mit ewig milden Sonnenuntergängen gesegnet. Sowieso ist die ganze Welt in dem Trailer ein einziger Ausflug mit der Jacht ins Blaue. Nur ein paar Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus Nordkorea, als es um die böse kriegerische Vergangenheit geht, bilden einen Kontrast.

So wirkt die Du-musst-dich-zwischen-Krieg-und-Frieden-entscheiden-Rhetorik auch wie eine hübsch montierte Pistole auf der Brust des Nordkorea-Diktators: Wähle weise, kleiner Kim, macht Frieden und keine Atomtests, sonst hockst du weiter in deinem grauen Gulaghausen, während die ganze übrige Menschheit gerade mit der Jacht vor Miami anlegt.

Vielleicht leistet das Filmchen ja aber auch etwas, das der von so vielen als überkomplex wahrgenommenen Welt abhanden gekommen ist: Reduktion von Komplexität. Trumps Welt ist einfach und stets scheint die Sonne.

Folgt VICE auf Facebook, Instagram und Twitter.

Mehr VICE
VICE-Kanäle