Sex-Roboter in Linz zu Tode belästigt: Das sind Fake-News auf Österreichisch

Außerdem: 'Catch me if you can' in Bad Vöslau. Das Österreich-Logbuch #8.

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30 September 2017, 12:51pm

Foto: CC0 Public Domain. Collage via VICE Media

Dieser Artikel wird laufend aktualisiert. Wenn ihr Inputs für uns habt, schreibt uns.

Land der Berge, Land der Hitler-Doppelgänger und Wahlwiederholungs-Verschiebungen – es gibt Dinge, die sind fast zu österreichisch, um wahr zu sein. Aber die Wahrheit, liebe Freunde, die darf man bekanntermaßen sagen – und genau deshalb sammeln wir in diesem Logbuch Meldungen, Nachrichten, Geschichten, Episoden, Zwischenfälle und manchmal vielleicht auch einfach nur Überschriften, die in dieser Form nur in diesem schönen Österreich passieren können.

Das sind Geschichten wie die von der Frau aus Linz, die ihren Lebensgefährten "erschrecken" wollte und folgerichtig einfach mal mit dem Auto auf ihn losfuhr. Das sind Nachrichten wie jene, als die FPÖ Burgenland plötzlich vorhatte, den Grenzzaun von "ungefähr 20 Pferden" bewachen zu lassen. Und das sind Überschriften wie "Bankomat gestohlen, Traktor angezündet, Polizeiauto gestoppt". Unvergessen bleibt auch der legendäre Skandal von Leonding im Frühjahr 2017, als der örtliche Busenbrunnen plötzlich nicht mehr spritzte.

Um es mit einem der ganz Großen zu sagen: Und wenn ihr wollts a gonz allan – jo eh!


Österreich-Logbuch, 29. September 2017:

Sex-Roboter zu Tode belästigt: Das sind Fake-News auf Österreichisch

Auf der diesjährigen Ars Electronica in Linz wurde endlich ein lebensechter, intelligenter Sex-Roboter namens Samantha präsentiert. Das spanische Technikwunder sollte auf dem Festival für Medienkunst einem höchst erregten Publikum zur Verfügung stehen. Weltweiten Medienberichten zufolge wurde Samantha dabei in landesüblicher Tradition bis in die Funktionsunfähigkeit gemartert.

"Die Leute stiegen auf Samanthas Brüste, ihre Beine und Arme. Zwei Finger wurden ihr gebrochen. Sie war stark verschmutzt", so ihr Erfinder laut Heute. Die tapfere Samantha war demzufolge jedoch nur äußerlich ramponiert, auf die Frage "Hello Samantha, how are you?" soll sie weiterhin mit "I'm fine" geantwortet haben. Ihr Erfinder soll bezüglich einer notwendigen Reparatur hinzugefügt haben: "Samantha hält viel aus, sie wird es überstehen."

Wie der Standard später auf Nachrage bei der Ars Electronica herausfand, wurde Samantha allerdings keineswegs nach zwei Tagen kaputt geschändet, wie vom Boulevard berichtet – so soll die Puppe für die Gesamtdauer des Festivals im Einsatz gewesen sein und zeigte lediglich "normale Abnutzungserscheinungen".

Bleib stark, Samantha. Bleib stark.


Österreich-Logbuch, 28. September 2017:

Gfraster kapern Flugzeug, werden bestraft

Ein 15-Jähriger und ein 17-Jähriger wurden nun zu 100 bzw. 60 gemeinnütziger Arbeit verdonnert, nachdem sie im April am Flugplatz Bad Vöslau beinhart eine Propellermaschine gekapert hatten und nur im letzten Moment gestoppt werden konnten. Die zwei Buben hatten es zuvor bereits mehrmals geschafft, sich die Luxussportwagen älterer Herren "für eine Spritztour" auszuborgen und wenn wir uns ehrlich sind, verdienen sie dafür keine Strafe, sondern einen verdammten Orden. Wir salutieren.


Österreich-Logbuch, 26. September 2017:

Zehn kleine Schweinchen aus Stall entführt

Irgendjemand scheint die Sache mit dem Pferdestehlen völlig falsch verstanden zu haben und hat am Sonntag zehn unschuldige Nutscherl aus einem Stall in der Südoststeiermark gekidnappt. Laut Heute wiegen die "gestohlenen" Schweinchen jeweils etwa 45 Kilo und sind demnach möglicherweise ein bisschen fetter als die von uns gewählte (süßere!) Überschrift das vielleicht suggerieren mag – Entschuldigung dafür. Die Polizei bittet unterdessen um Hinweise. Also, nur für den Fall, dass ihr irgendwo zehn etwas kräftigere, möglicherweise verängstigt wirkende Schweinchen auf der Straße herumhopsen seht. Bring back our girls!


Österreich-Logbuch, 24. September 2017:

Weltrekord: Pinkafelderin wirft iPhone 4 auf über 67 Meter

Dass Österreicher gerne Sachen in die Luft schleudern und daraus einen Sport machen, ist spätestens seit dem legendären Gummistiefelweitwurf der Freiwilligen Feuerwehr Fürstenbrunn (Österreich-Logbuch vom 2. August 2017) kein Geheimnis mehr. Beim Tag des Sports in Wien konnte die 20-jährige Ivonne aus Pinkafeld nun einen neuen Damen-Weltrekord im Handy-Weitwurf aufstellen: Sie warf ein iPhone 4 auf exakt 67,58 Meter.

Es ist ein triumphaler Erfolg für Österreich – einer, der bitter nötig gewesen war, angesichts der bitteren Niederlage, die man erst kürzlich bei der Bier-WM einfuhr (ein vernichtender zweiter Platz). Ivonnes eigene Reaktion auf ihren unerwarteten Weltrekord spricht uns aus der biergetränkten Seele: "Das finde ich voll cool."


Österreich-Logbuch, 19. September 2017:

Bsuff bestiehlt Bsuff in U-Bahn

Geschichten, die die U-Bahn schreibt: Sonntagfrüh hat ein besoffener Hansl (1,5 Promille) einen anderen besoffenen Hansl (1,12 Promille), der gerade ein Nickerchen machte, um seine Armbanduhr und sein Bargeld erleichtert, woraufhin der schlafende besoffene Hansl aufwachte und seine Sachen zurückforderte, also schlug erste besoffene Hansl mit einer Glasflasche zu. Hansl #1 blieb unverletzt (weil: Das Glück ist mit den Rauschigen) und alarmierte die Polizei, Hansl #2 wurde daraufhin festgenommen (weil: Das Glück ist nicht mit allen Rauschigen). Feuer mit Feuer, Dichtheit mit Dichtheit bekämpfen – das ist Österreich, wie es leibt und lebt und säuft: Bumzua.


Österreich-Logbuch, 18. September 2017:

Zweiter Platz: Österreich muss verheerende Niederlage bei Bier-Weltmeisterschaft einstecken

Vergangene Woche fand in München der wahrscheinlich österreichischste aller Wettbewerbe statt: Der World Cup der Biersommeliers – die Weltmeisterschaft im Biertrinken. Erwartungsgemäß fanden sich unter den Finalisten auch zwei Österreicher, einer von ihnen der Sohn des Siegers 2009, der das Bier-Erbe seines Vaters antreten sollte. Nach einem fulminanten Wettstreit, in welchem "die Biersommeliers ihr bieriges Wissen und ihre sensorischen Fähigkeiten unter Beweis stellen mussten", wurde es jedoch nur der zweite Platz. Offiziell freut man sich natürlich auch über Silber, aber wenn wir nicht Bier-Weltmeister sind, was sind wir dann überhaupt noch?


Österreich-Logbuch, 14. September 2017:

Katzen-Duo attackiert süßes Kaninchen, Polizei eilt zur Rettung

Wie die Wiener Landespolizeidirektion via Twitter verlauten ließ, konnte am Samstagabend in Penzing ein weißes Kaninchen aus den Fängen zweier Gangster-Katzen befreit werden. Die beiden Angreifer ergriffen umgehend die Flucht, der Hoppler ist wohlauf und wurde zur weiteren Pflege an die Tierrettung übergeben. Die Motivation der Tat sowie die Herkunft der Katzen ist bislang unbekannt. Die Polizei selbst hashtaggt, dass "das auch Polizei" sei.


Österreich-Logbuch, 11. September 2017:

Pegida Österreich verwechselt die Karlskirche mit einer Moschee

Es ist mal wieder so weit: Jemand hat die Karlskirche mit einer Moschee verwechselt. Nachdem eine Facebook-Gruppe namens "Unsere Werte, unsere Heimat" bereits 2015 versäumte, die Satire in einem Text der Tagespresse zu erkennen und anschließend den Abriss der Karlsplatz-Moschee forderte, ist es diesmal die Gruppierung Pegida Österreich, die auf einem Fahrzeug einer Immobiliengesellschaft, auf dem eine Stadtsilhouette Wiens zu erkennen ist, eine Moschee zu erspähen glaubt. "Ein aufmerksamer Fan" habe ihnen das Foto von selbigem zukommen lassen. Im zugehörigen Facebook-Posting, das inzwischen gelöscht wurde, hieß es: "Aber eine Islamisierung findet nicht statt, alles klar!" Gewieft!


Österreich-Logbuch, 4. September 2017:

Ein Seismograph im Keller der HTL Hollabrunn spürt eine nordkoreanische Wasserstoffbombe

"Asien/Weinviertel" – so dramatisch beginnt ein Bericht der Niederösterreichischen Nachrichten, der sich mit einem äußerst erschütternden (badumm-tss!) Ereignis in Hollabrunn beschäftigt. Dort soll im Keller der ansässigen HTL nämlich ein Seismograph stehen, der im Rahmen einer Diplomarbeit entstand und "tief im Fundament des HTL-Kellers verankert" ist. Laut Robert Kugler, dem Leiter der IT-Abteilung, soll dieser Seismograph die Zündung einer Wasserstoffbombe in Nordkorea eindeutig gemessen haben, die Stärke der Erdstöße betrug 6,3.


Österreich-Logbuch, 28. August 2017:

oe24 hält Piratenfahne für IS-Flagge, wird von Heute zurechtgewiesen

Das Online-Portal der Tageszeitung Österreich, oe24 , witterte am Wochenende einen waschechten "Terror-Eklat" in Wien: In der Rochusgasse sollen seit Wochen zwei IS-Fahnen aus einem Fenster hängen. Empörte Anrainer hatten der Plattform Fotos zugespielt. "Dass mitten in Wien die Terroristen des Kalifats unbehelligt ihre Fahnen wehen lassen dürfen, ist schon ein starkes Stück", heißt es in dem mittlerweile gelöschten Artikel seitens der Fotografen.

Wie sich herausstellen sollte, handelt es sich bei den wehenden Fahnen aber um keine Fahnen des sogenannten "Islamischen Staats", sondern um den Jolly Roger – auch bekannt als Piratenflagge mit Totenkopf. Aufgeklärt wurde das wiederum vom Boulevard-Bruder Heute, dessen Chefredakteur für den investigativen Augenschein ordentlich Lob auf Twitter kassierte. Dass oe24 ausgerechnet von der Konkurrenz aufgeklatscht wird, ist hierbei durchaus, äh, unerwartet, aber wie sagt man so schön: Don't applaud a fish for swimming. Arrrr.


Österreich-Logbuch, 4. August 2017:

Anrainer halten Pfadfinder für Flüchtlinge

Am Dienstag ging bei der Polizei Eugendorf ein Anruf ein – eine große Gruppe von Flüchtlingen halte sich bei einem Waldstück auf, hieß es. Mehrere Streifen durchforsteten die Gegend, sogar mit dem Hubschrauber wurde gesucht. Später sollte sich herausstellen, dass die vermeintlichen Flüchtlinge junge Pfadfinder aus Frankreich sind, die gerade ein Sommerlager im Flachgau besuchen. "Da es sich um Franzosen handelte, waren auch südländische Typen dabei", so die Polizeisprecherin gegenüber den Salzburger Nachrichten.

Tags darauf wiederholte sich der Vorfall. Wieder hielt ein Anrainer die Pfadfinder für Flüchtlinge, wieder wurde die Polizei alarmiert, wieder rückte man aus, wieder stieß man auf die Pfadfindergruppe, wieder konnte die Suchaktion abgebrochen werden. Immer wieder Österreich.


Österreich-Logbuch, 2. August 2017:

Gummistiefelweitwurf im Flachgau

Am vergangenen Wochenende ging im Salzburger Flachgau der Gummistiefel-Weitwurf-Wettbewerb über die Bühne. Wie ORF.at berichtet, blickt das "Stiefel-Weitschmeißen" der Freiwilligen Feuerwehr Fürstenbrunn bereits auf eine 40-jährige Tradition zurück. 24 Mannschaften nahmen am Wettbewerb teil, acht davon waren Frauen-Teams. Laut Anwesenden löse der Wettbewerb mittlerweile im Ort eine derartige Euphorie aus, dass bereits "in jedem zweiten Garten ein Stiefel herumfliegt".

Überlieferungen zufolge hat Gummistiefelweitwurf als Sportart seine Wurzeln in Finnland. Den Ursprung des Fürstenbrunner Wettbewerbs erklären Teilnehmer gegenüber dem ORF wie folgt: "Die älteren Feuerwehr-Generationen waren bei einem Ausflug und haben gesagt – das ist eine Gaudi!"

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