geld

Erbe, Lottogewinn, Fund: Leute erzählen, was sie gemacht haben, als sie plötzlich Geld hatten

Eine halbe Million im Lotto gewonnen, 170.000 Euro geerbt oder 200 Euro in der Jeanstasche gefunden. Was davon am glücklichsten macht.

von VICE Staff
13 Jänner 2017, 10:52am

Collage: Lisa Ziegler | Foto Geld und Gesicht: Pixabay

Deutschland hat 6,2 Milliarden mehr in der Tasche als geplant. Mit diesem Haushaltsüberschuss stehen wird in Europa ziemlich alleine da—sonst hat kaum ein EU-Land mehr erwirtschaftet als ausgegeben. Anstatt sich zu freuen, kloppen sich jetzt aber alle darum, was mit dem Extrageld passieren soll: Aus den Reihen der CSU wird die Forderung laut, Steuern zu senken. Schäuble will lieber Schulden zurückzahlen. Die Linke will mit dem Haushaltsüberschuss Essen in Kitas finanzieren.  

Aber wenn man sich mit niemandem darum streiten muss, kann unverhofftes Zusatzgeld auch super sein! Kohle, die man verprassen kann, macht auch wissenschaftlich am glücklichsten. Studien geben Hinweise darauf, dass nicht die Größe deines Gesamtvermögens über dein Glücksgefühl entscheidet, sondern wie viel Cash du zum Ausgeben hast.

Wir haben bei fünf Glückspilzen nachgefragt, was ihr unverhoffter Geldsegen mit ihnen gemacht hat und wofür sie es ausgegeben haben.

135 Euro: Fabian, 23

Ein plötzlicher Geldsegen ist einer der besten Persönlichkeitstests, die es gibt. Und ich schnitt dabei fürchterlich ab. Bei einem Spaziergang in Berlin-Schöneberg fanden ein Kumpel und ich 135 Euro auf dem Gehweg. Zuerst haben wir noch versucht, das Geld dem rechtmäßigen Besitzer zurückzugeben. Wir warteten, aber niemand kam zurück. Wir hängten sogar einen Aushang auf: "Wer hier was verloren hat, kann mich anrufen." Aber niemand meldete sich. Gut, dachten wir, dann spenden wir das Geld eben, es gehört schließlich nicht uns. Aber eine Woche später vergaßen wir unsere Selbstlosigkeit—und hauten alles an einem Abend auf den Kopf, in einem Restaurant, das wir uns eigentlich nicht leisten konnten. Die Flasche Rotwein für 45 Euro krönte unsere spätrömische Dekadenz. Das schlechte Gewissen kam erst am nächsten Morgen, zusammen mit Kopfschmerzen. Das hat uns gezeigt: Sobald das Geld in den Taschen ist, hört das Wohltätertum auf.

170.000 Euro: Catharina, 25

Meine Großmutter starb absolut überraschend. Schlaganfall. Sie war noch total fit, hatte sich kurz vor dem Tod noch ein neues Auto gekauft. Ich hatte auch keine Ahnung, dass sie mir Geld vererben wird, und rechnete höchstens mit einem Schreibtisch und etwas Hausrat. Erst drei Monate später habe ich erfahren, dass ich laut Testament 170.000 Euro erben werde. Meine Mutter und Onkel haben nur den Pflichtanteil bekommen. Ein halbes Jahr lag das Geld bei mir auf dem Konto und ich habe mich nicht groß darum gekümmert. Es war mir eher eine Bürde. Jetzt ist es in Wertpapieren angelegt, ich lasse mir monatlich nur 500 Euro auszahlen, um einen Teil meines Tiermedizinstudiums damit zu finanzieren. Nebenbei arbeite ich noch als Rettungsassistentin. Ich habe mir kaum Luxus gegönnt: Ein paar Monate lang habe ich Lindt-Schokolade statt Milka gekauft, aber sogar das ist jetzt vorbei.

Klar habe ich mir am Anfang vorgestellt, was ich alles mit dem Geld machen könnte. Auf eine Weltreise hatte ich keine Lust—ich hatte schon länger in Irland und Island gelebt und war viel gereist. Aber 170.000 Euro sind nicht so viel Geld, dass ich nie wieder arbeiten müsste. Gleichzeitig ist das so viel, dass man denkt: Da muss ich etwas Vernünftiges mit machen. Später werde ich von dem Geld vielleichte meine eigene Tierarztpraxis aufmachen, oder mir ein speziell ausgerüstetes Fahrzeug kaufen. Am liebsten würde ich all das Geld aber gegen meine Großmutter zurücktauschen.

200 Euro: Wlada, 30

Es ist ein bis heute ungelöstes Rätsel, fast ein Märchen. Als ich im Club in meine Hinternhosentasche griff, um ein Bier zu bezahlen, hatte ich plötzlich 200 Euro in der Hand. Ich war 19 und dauerpleite, meine Eltern waren russische Migranten mit wenig Geld. 200 Euro hielt ich sonst nur bei meinem Kellner-Nebenjob in der Hand. Jetzt gehörten sie mir. Und ich hatte keine Ahnung, wie sie in meine Jeans gekommen waren. Hatte es meine Mutter zusammengespart und mir ein heimliches Geschenk gemacht? War es irgendein irres Versehen? Statt des schnöden Bieres bestellte ich Cocktails für alle meine Freundinnen. Und dann noch eine Runde. Und noch eine. Es war das erste Mal, dass ich richtig großzügig sein konnte, ohne danach einen Monat schwarzfahren zu müssen. Wer mir auch immer das Geld in die Hosentasche gesteckt hatte, er bescherte mir den glücklichsten Abend, den ich in meinem Leben bis dato gehabt hatte. Und einen ebenso superlativen Kater.

10.000 Euro: Laura, 33

Wenn man statt 1.000 Euro plötzlich 2.000 Euro besitzt, hat sich das eigene Geld verdoppelt. Aber was, wenn man statt 1.000 Euro Schulden plötzlich 10.000 Euro Guthaben hat? Dann hat sich das eigene Vermögen …?

Es gibt kein Wort dafür. Und genauso hat es sich auch angefühlt.

Ich war 23, studierte gerade in Prag und hatte 1.000 Euro Schulden, weil ich einen neuen Laptop gebraucht hatte. Dann erbte ich 10.000 Euro von einer nicht sehr nahen Verwandten. Rund 3.000 Euro davon in Form eines Goldbarren. Das erste Mal Geld zu haben, ähnelt dem ersten Mal Verliebtsein: Nie wieder im Leben genießt man es so bedingungslos. Ich habe in Prag Runden für all meine Freunde geschmissen ("The gold bar pays it, my friends!"). Ich habe keine Studentenjobs mehr angenommen. Und ich habe das Geld in Flüge zu einem sozialistischen Anarchisten und Philosophiestudenten aus Schottland investiert, obwohl völlig ausgeschlossen war, dass wir je zusammenpassen würden. Das Geld hatte ich verjubelt, bevor mein Studium zu Ende war. Es war die beste Investition meines Lebens.

500.000 Euro: Farhad, 56

Als ich kurz nach Weihnachten eine E-Mail von lottopalace.com bekommen habe, einem Online-Lottoanbieter, war ich nicht sicher, ob ich alles richtig verstanden habe. Ich soll über eine halbe Million gewonnen haben! Das konnte doch nicht sein. Ich habe erstmal abgewartet, bis meine Frau nach Hause kam—sie kann besser Deutsch als ich. Wir haben die E-Mail mehrmals gelesen, bis wir es geglaubt haben. Ich arbeite als Pizzafahrer. Vor 15 Jahren kam ich aus Syrien nach Deutschland und kaufe seitdem mehrmals die Woche Lottoscheine. Das war bisher aber mein erster großer Gewinn. 

Wir haben es sofort unseren drei Söhnen erzählt. Der erste wünschte sich Geld für eine Ausbildung an einer privaten Schule, der zweite einen Führerschein. Der dritte wollte eine Playstation 4. Ich selbst will mit dem Geld ein Haus bauen und ein Restaurant aufmachen. Ansonsten werden wir nicht anders leben als bisher. Wir brauchen keinen Luxus. Das einzige, was wir uns leisten werden, sind zwei Feste. Eines, um den Gewinn zu zelebrieren, und das zweite, um zu feiern, dass unsere Kinder vor Kurzem die deutsche Staatsbürgerschaft bekommen haben. Es ist schön, dass unser Leben etwas unabhängiger sein wird. Aber wir werden nicht wie Superreiche leben. Wir sind Menschen, die ihr Geld nicht zum Fenster rauswerfen.

Folge VICE auf Facebook, Instagram und Snapchat.