FPÖ

Dürfen wir vorstellen: Norbert Hofer, Bundespräsident von Facebook

Norbi is here to stay.

von Verena Bogner
05 Mai 2017, 4:45am

Foto: Parlamentsdirektion | Thomas Topf

Seitdem Alexander Van der Bellen am 4. Dezember 2016 (nach der gefühlt längsten Wahl seit der Papstwahl im Jahr 1268) zum zweiten Mal zum Bundespräsidenten gewählt wurde, wurde es um seinen Gegner Norbert Hofer ziemlich schnell ruhig – zumindest im Vergleich zu Wahlkampf-Zeiten.

Während des erbitterten Kampfes sorgte er quasi täglich für Aufreger; sei es mit seinen NLP-Rhetoriktricks, seinem verqueren Verständnis von Journalismus, seinem umstrittenen Ausflug zum Tempelberg, mit seinen Äußerungen über muslimische Pflegekräfte oder seinen Ansichten zum Thema Abtreibung.

Im Vergleich dazu waren die letzten Monate eine Periode der Hofer'schen Dürre. Willkommen also bei dem Artikel zur Frage, die ihr euch niemals gestellt habt: Was treibt eigentlich Norbert Hofer?

Letzten Endes hat es für Hofer leider nur zum Bundespräsidenten von Facebook gereicht (oder vielleicht hat er für sich auch nur ein bisschen zu voreilig den Usernamen @praesidentnorberthofer angelegt, man weiß es nicht). Diese Funktion scheint wie geschaffen für ihn zu sein, denn auf seiner Facebook-Page hat er sich sein eigenes, kleines Universum aufgebaut, das er sich mit mühevoller Arbeit erhält. Ein Universum, in dem er trotz allem @praesidentnorberthofer sein kann.

Aktuell verbringt Norbert Hofer seine Zeit damit, sich auf Facebook besonders bürgernah zu zeigen und seine treue Facebook-Fangemeinde bei Laune zu halten. Er berichtet regelmäßig, was sich in seinem Leben tut, postet ein Bild von seinem Sohn, von einer Pizza, die sich seine Tochter Anni schon vor einiger Zeit gewünscht hat, einem Fischteich, den er mit Freunden gepachtet hat und teilt seinen Followern mit, dass Tanz der Vampire sein "Lieblingsmusical" sei.

Und es funktioniert: Die "Not my President!"-Profilbilder scheinen vor allem bei seinen Followern beliebt zu sein, unter so ziemlich jedem Posting liest man Bekenntnisse zu Norbert Hofer als "wahrem" Präsidenten oder "Präsidenten der Herzen". Und was sich schon während des Wahlkampfes abzeichnete, führt er auch heute noch fort: Hofer gibt seinen Followern das Gefühl, für sie da zu sein – ein Politiker zum Angreifen eben, kein Schnösel aus der berühmt berüchtigten Elite, gegen die sich die FPÖ immer wieder ausspricht.

Auf mehreren Flyern, die öffentliche Auftritte ankündigen sollen, wirbt er beispielsweise mit den Schlagworten "Fragen Antworten Selfies", um Inhalte geht es bei diesen Veranstaltungen weniger. Auch die Frage, in welchem "Brennpunkt" sich Norbert Hofer und Johann Tschürtz, beziehungsweise das Pizzeria-Pub Na-Nu in Grafenschachen befinden, bleibt offen.

Zu diesem Image passt auch seine neue Video-Serie #Hoferdirekt, in der er Userfragen direkt (we see what you did there) in die Selfie-Cam seines Smartphones beantwortet. So zum Beispiel Siegfrieds und Rudolfs Fragen zum Thema EU-Feuerwaffenrichtlinie oder Walters Frage zu illegalen Doppelstaatsbürgerschaften.

Außer auf Bürgernähe setzt Norbert Hofer auf ein weiteres altbewährtes Social-Media-Tool: Nachdenkliche Sprüche mit Bilder. Vor allem in der jüngsten Vergangenheit postet der Dritte Nationalratspräsident immer wieder völlig nichtssagende Sprüche, die Schrift an Comic Sans anmutend, meist vor verträumtem Hintergrund.

Aber Norbert Hofer muss natürlich nicht nur auf Facebook, sondern auch im echten Leben noch hart arbeiten. Und um seinen Fans diese Tatsache immer wieder ins Bewusstsein zu rufen, erinnert er sie regelmäßig mit Postings aus dem Parlament daran:

Wie es aussieht, arbeitet Norbert Hofer also intensiv daran, für seine Community endlich der Filterblasen-Präsident zu sein, den sie sich wünscht: scheinbar bodenständig, definitiv weichgespült, immer fleißig und dabei zum Angreifen nah. Er setzt auf Familien-Postings, unverfängliche Statements zu breit aufgestellten Bereichen, auf private Einblicke und auf Themen wie EU-Kritik, von denen er weiß, dass sie in der FPÖ-Wählerschaft ohnehin schon etabliert sind.

Was also treibt Norbert Hofer seit seiner Wahlniederlage? Er verdeutlicht seinen Wählern und Fans, dass er gekommen ist, um zu bleiben, dass er sie nicht im Stich lassen und früher oder später doch noch für sie da sein wird. Also spätestens, wenn er wie angekündigt 2022 erneut für das Amt des Bundespräsidenten antritt. Bis dahin hoffen wir weiter, uns nicht wundern zu müssen, was alles geht, und dass der Username vielleicht doch nur ein voreiliger Schluss des Kommunikationsteams war. So wahr uns Gott helfe.

Verena auf Twitter: @verenabgnr

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