Interne Dokumente zeigen, was die Identitäre Bewegung vorhat

Und sie erklären, wie man Facebook richtig nutzt.

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März 3 2017, 8:14am

Wen muss ich warum hassen und wie mach ich das dann überhaupt? Auch Rassismus braucht eine Bedienungsanleitung. Und wie jene der rechten Identitären Bewegung aussieht, zeigen aufgetauchte interne Dokumente.

Laut der linken Plattform Indymedia, welche die Papiere veröffentlicht hat, trafen sich am 17. Februar in Schwaben sechs Mitglieder der Identitären Bewegung zum Stammtisch. Laut Indymedia tauchten vor dem Beisl später auch Gegner der Rechten auf, klopften von außen an die Scheibe, zeigten den Mittelfinger und machten Fotos. Darauf nahmen die Identitären ihre Sachen und verschwanden durch den Hinterausgang. Was sie aber vergaßen: 55 Seiten mit Plänen und Anweisungen für den "Erhalt unserer ethnischen und kulturellen Identität". Gegenüber VICE bestätigte die Identitäre Bewegung Schwaben den Vorfall.

Mitglieder beim Stammtisch in Memmingen | Foto: Indymedia

Die Identitären machen immer wieder mit Aktionen auf sich aufmerksam. Sie haben das Brandenburger Tor besetzt und einen Balkon der Bundesgeschäftsstelle der Grünen, sind in eine Radiosendung gestürmt und auf das Dach des Kölner Hauptbahnhofs geklettert.

Wie penibel die Gruppierung solche Aktionen plant, sieht man in den aufgetauchten Dokumenten. Dort findet sich auch ein gezeichneter Lageplan. Offenbar handelt es sich dabei um eine Aktion, bei der Identitäre Anfang Februar eine Reiterstatue des Herzogs Welf VI. im Memminger Fuggergarten mit einem Plakat beklebt hatten mit dem Spruch: "Welf ritt für uns! Was reitet Merkel?".

Selbst beim Verteilen von Flugblättern überlassen die Identitären offenbar nichts dem Zufall. Mindestens drei bis vier Menschen brauche es und noch einen Späher, der die Lage aus der Entfernung beobachte, so das Papier: "Wenn er etwas ungewöhnliches sieht, benachrichtigt er den Leiter."

Die Dokumente erklären außerdem, wie man Grafiken erstellt, Reden verfasst, sich bei Hausdurchsuchungen verhält, mit Journalisten umgeht und Grafiken auf Facebook postet.

Man erfährt, dass die Identitäre Bewegung bis zum 11. März die aktivste patriotische Gruppe in Schwaben werden will. Dafür hat sie vor, sich mit der AfD, der Jungen Alternative, mit Burschenschaften und anderen Nationalisten zu vernetzen.

Die Seiten sind durchzogen von Verschwörungsgedanken und Behauptungen. An einer Stelle steht: "Da die gesetzgebende Gewalt in der BRD unkontrolliert ist, gelang es kleinen Gruppen von Stalinisten diese Gewalt zu unterwandern." Bei Vernehmungen durch die Polizei, so der Rat im Papier, müsse man vorsichtig sein: "Die Festgenommenen werden gefoltert."

Die Identitären behaupten, dass sie besser als ältere rechte Gruppen gegen Masseneinwanderung und die Islamisierung Europas vorgehen könnten. Um so viel Macht und Geld wie möglich zu erlangen, heißt es in den Papieren, "müssen wir vernünftige rechte Gruppen in einer Front der Patrioten vereinen".

An vielen Stellen wirken die Dokumente aber nicht wie Anweisungen, um die völkische Revolution anzuzetteln, sondern wie Bastelanleitungen für Erstklässler.

Einer der Hinweise zum Bau eines Banners lautet: "Zeichne die Umrisse deiner Grafik auf dem Banner. Wenn du einen Bleistift benutzt, muss er schmal sein, damit du keine großen Linien auf dem Banner zeichnest." Die Mitglieder der Identitären haben scheinbar noch viel zu lernen.

Erklärung zur Nutzung des Messengers Threema

Bei Veranstaltungen sollte man möglichst Frauen an den Empfang stellen und "den Raum dekorieren". Weibliche Identitäre stellen sich dann gerne mit geflochtenen Zöpfen in Kornfeldern dar.

Aber die Identitären wollen nicht nur ein für rechte Verhältnisse intellektuelles Image, sie wollen Debatten auch gewinnen. In Diskussionen, so das Papier, müsse man Argumente des Gegners ins Extreme führen: "Wenn er z.B. sagt 'Wir brauchen weichere Einwanderungsgesetze', sagst du, 'Du willst also die Grenzen öffnen und alle reinlassen.'" Und um neue Mitglieder anzuwerben, sei vor allem das Aussehen wichtig: "Steh gerade; zieh dich gut an."

Für all die, denen selbst diese Anleitungen noch zu kompliziert sind, die an Facebook oder der geraden Körperhaltung verzweifeln, findet sich noch ein letzter Tipp: "Nimm dir soviel Zeit, wie du brauchst. So wird das klappen."

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