Rechtsextremismus

"Keep Calm and Sieg Heil"

Auf der Seite 'Metapedia' wird Hitler glorifiziert und der Holocaust in Frage gestellt. Google listet die Beiträge auf der ersten Seite.

von Hanna Herbst
04 Jänner 2017, 12:30pm

Googelt man Adolf Hitler, bekommt man gleich auf Seite Eins der Ergebnisse die Website Metapedia vorgeschlagen. Genauso ist es unter anderem bei Begriffen wie Rassismus, Juden, Nationalsozialismus, Republik Österreich, Deutsches Reich oder Gleichgeschlechtlichkeit.

"Es gibt viele Arten und Möglichkeiten, wie man jemanden von der Gleichgeschlechtlichkeit 'befreit', man kann an speziellen Kursen teilnehmen, sich über Bücher 'heilen', oder sich einfach therapieren lassen", steht da dann zum Beispiel. Im Beitrag zu Frauen steht, die klassischen "Aufgaben der Frau" seien "die Pflege des Nachwuchses sowie das Instandhalten des Heimes." Der Zeitgeist sei heterophob und von Feminismus vergiftet, wenn man nach Metapedia geht.

Das mag für die, die sich mit Gleichberechtigung, Geschlechterrollen oder Feminismus beschäftigt haben, veraltet und absurd klingen, aber was ist mit denen, die sich erst informieren möchten, einen Begriff wie Sexismus googeln, nur um dann zur Erklärung: "Der Ausdruck Sexismus ist ein geläufiger Kampfbegriff der sogenannten Politischen Korrektheit" zu kommen? Die Seite sieht der der Wikipedia sehr ähnlich und kann auf den ersten Blick leicht verwechselt werden.

Viel heikler jedoch sind die Beiträge zu anderen Themen: Adolf Hitler war laut Metapedia ein deutscher Künstler, Soldat und Politiker, während dessen Regierungszeit "beachtliche wirtschaftliche und außenpolitische Erfolge erzielt werden" konnten. Im Laufe des "gegen Deutschland gerichteten Zweiten Weltkriegs" sei die Reichsleitung "zu einer wiederholten Beschränkung jüdischer Rechte gezwungen" gewesen. Als Schutzmaßnahme habe man Juden daher in Konzentrationslagern interniert. Mit keinem Wort werden in dem knapp 100.000 Zeichen langen Text Gaskammern oder der Holocaust erwähnt.

Teil des Eintrags zu

Screenshot aus dem Metapedia-Eintrag zu "Sieg Heil".

Der Holocaust findet sich dafür in mehreren Einträgen: "Revisionismus (Holocaust)" nennt sich einer etwa. Man schreibt dort vom "sogenannten Holocaust". Ein weiterer Beitrag – zur Zahl 6 Millionen – spricht nur im Konjunktiv vom Holocaust. Demnach habe die Zahl 6 Millionen "heute meist die Funktion, den 'Kampf gegen Rechts' anzuheizen oder finanzielle und moralische Unterstützung des Judenstaates … zu erheischen." Holocaustleugner werden zitiert und die Website behauptet, es gebe keine forensischen Beweise für die industrielle Massenvernichtung. Zwei unglaublich makabere Listen führen die "postulierten Tötungsweisen" und die "postulierte Weiterverarbeitung derart Getöteter" an.

Es bleibt nicht bei einem Hinterfragen des Holocaust. So kann man auf der Seite etwa auch lesen, dass die westliche Welt durch das Erlauben von Abtreibung und die Aufnahme von Geflüchteten Autogenozid betreibe, also eine Ausrottung eines Volkes durch andere Mitglieder der Bevölkerung oder die jeweilige Regierung. Hinter weiterführenden Links auf externe Websites, die in den Artikeln genutzt werden, aber nur teilweise den Thesen der Schreiber entsprechen, steht außerdem der Warnhinweis: "Vorsicht! Umerziehungsliteratur im antideutschen Sinne!"

"Die Zahl 6 Millionen hat heute meist die Funktion, den 'Kampf gegen Rechts' anzuheizen."

Auf Metapedia findet man derzeit knapp 61.500 Beiträge in 17 Sprachen. Darin geht es um alles von Asylbetrug über Family Guy und Beiträge mit dem Titel "Neger", Neuyork (= die deutschdeutsche Version von New York, in dem gleich am Anfang des Beitrags die Zahl seiner jüdischen Einwohner aufgezählt wird), "Muselmänner" und die Frage "Was ist deutsch?" bis hin zu Zionismus. Unter den 10 meistbesuchten Beiträgen der Seite finden sich, nach der Startseite, "Adolf Hitler" (Platz 2), "Liste der von Ausländern in Deutschland getöteten Deutschen" (Platz 3), "Juden" (Platz 6) und "Gaskammertemperatur" (Platz 8).

Screenshot via Facebook

Gegründet wurde Metapedia 2006 vom ehemaligen Neonazi Anders Lagerblöm und seinem Nordischen Bund. 2010 löste sich der Bund auf, die Seite blieb weiter bestehen. Als für die Seite verantwortlich wird im Impressum seither die Firma NFSE Media AB angeführt. Lennart Berg, Miteigentümer der Firma, und Geschäftsführer Anders Lagerblöm sind laut der größten schwedischen Tageszeitung Dagens Nyheter prominente Personen innerhalb des wachsenden schwedischen ultrarechten Spektrums. Ihre Geschäftsidee ist ein elektronisches Nachschlagewerk über Juden und Andersdenkende im Internet.

Sich selbst bezeichnet die Seite als "Teil eines grö­ßeren inter­nationalen Netz­werkes, das die Unter­richtung der Öffentlich­keit durch Bereit­stellung wahrheits­gemäßer lexi­kalischer Infor­mationen, wie kon­forme Medien sie nicht bieten" bezwecke.

Registriert ist die Seite auf den Schweden Daniel Friberg, einen schwedischen Autor, der sich in einem im Selbstverlag erschienenen Buch als "erfahrener Frontkämpfer der europäischen Neuen Rechten" bezeichnet. Friberg posiert auf Facebook auch schon mal mit einer Waffe und schreibt dazu, er würde jetzt auf der Seite Russlands an der Ukrainischen Revolution teilnehmen.

Vor drei Jahren war er am Wiener Akademikerball: "Celebrating with friends" schrieb er damals über ein Foto von ihm in der Hofburg, im Hintergrund Männer in Couleur. Das nächste Foto zeigt Friberg mit dem Vorsitzenden der rechtsextremen ungarischen Partei Jobbik.

Screenshot via Facebook

Dem österreichischen Innenministerium ist das Problem laut Standard bekannt: "Die Staatsanwaltschaft wurde mit Ermittlungen befasst, im Hinblick auf Google haben wir keine rechtliche Handhabe", erklärte man dort. Da die Server in Schweden stehen und es in Schweden kein Verbotsgesetz gibt, ist eine strafrechtliche Verfolgung schwierig.

In Deutschland listet Google bereits seit 2009 keine Inhalte von Metapedia mehr. Nicht nur, dass man bei einer Google-Suche keine Vorschläge mehr von der Seite bekommt, sie wird nicht einmal mehr angezeigt, wenn man Metapedia in das Suchfeld eingibt. Man wird nur auf Beiträge über die Seite verwiesen. Google reagierte hier auf eine Entscheidung der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien, die die Seite im Januar 2009 indizierte.

Das Gremium hielt die Inhalte damals nicht nur für jugendgefährdend, sondern auch für strafrechtlich relevant. Da sich die großen deutschen Suchmaschinen, so auch Google Deutschland, einer Selbstverpflichtung unterworfen haben, indizierte Internetangebote nicht in ihren Trefferlisten anzuzeigen, wird also auch Metapedia nicht mehr angeführt.

In Österreich fehlt sowohl eine Stelle wie jene für jugendgefährdende Medien, als auch eine Entscheidung oder ein Urteil, das Metapedia als jugendgefährdend oder strafrechtlich relevant einstuft. So findet man Metapedia-Beiträge immer noch häufig unter den ersten Ergebnissen.

Google Österreich erklärt auf Anfrage, dass es Ziel der Google-Suche sei, relevante und nützliche Ergebnisse für seine Userinnen und User zu liefern. Die Suchergebnisse würden dabei die Inhalte widerspiegeln, wie sie im Web existieren. "Die Tatsache, dass Hass-Seiten in den Suchergebnissen vorkommen können, bedeutet aber in keiner Weise, dass Google diese Ansichten billigt."

Im Innenministerium bestätigt man, dass die Sache bei der Staatsanwaltschaft liege, die vom Verfassungsschutz damit befasst worden sei. Von Seiten der Staatsanwaltschaft gibt es keine weitere Information. Währenddessen bekommt man auf Google also noch immer eine Seite vorgeschlagen, auf der es eine "Bildergalerie bekannter Neger" zu sehen gibt. Auf der steht, dass die "Haut bei Juden und Judenmischlingen oft gleichsam unbelebt gelblich-matt" sei und behauptet wird, "Vermischungen mit artfremden, degenerierten und minderwertigen Populationen" würden "zerstörend und zersetzend" wirken.

Hanna auf Twitter: @HHumorlos.