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Nobelpreise für alle! Putin schlägt Blatter vor. Aber warum nur den?

Gérard Depardieu, Jürgen Elsässer, der Papst. Da geht noch einiges.

von Stefan Lauer
28 Juli 2015, 3:00pm

Foto: Imago/ITAR-TASS

Sepp Blatter, der skandalumwitterte ewige (Noch-)Chef der FIFA soll nach dem Willen von Wladimir Putin den Nobelpreis erhalten. Blatters Zeit in der FIFA war von Anfang an von Skandalen überschattet, angeblich wurden afrikanische Delegierte mit jeweils 50.000 US-Dollar bestochen, damit sie ihn 1998 zum ersten Mal zum FIFA-Chef wählten.

Genauso wie alle anderen Skandale, WM-Vergaben, bei denen vielleicht nicht alles mit rechten Dingen zuging, und umstrittenen Wiederwahlen gab es wenige bis keine stichhaltige Beweise gegen Blatter. Auch beim aktuellen FIFA-Skandal, bei dem 14 Funktionäre angeklagt werden sollen, liegt wahrscheinlich nichts gegen ihn persönlich vor. Und trotzdem trat er kurz nach seiner letzten Wiederwahl im Juni zurück. Aber egal, alles ist vergeben und vergessen, denn niemand anderes als Wladimir Putin findet, dass gerade Blatter den Nobelpreis verdient hätte. Weil: Sport. Und eventuell hat ja auch die Vergabe der WM 2018 an Russland was damit zu tun.

Aber warum sollte man bei Blatter aufhören. Es gibt doch noch viel mehr Kandidaten, die ganz nach dem Gusto des russischen Präsidenten sein dürften. Wir haben ihm da mal eine Liste zusammengestellt, mit der er in Oslo vorstellig werden kann:

Der Papst

Foto: Imago/ITAR TASS

Jetzt nicht unbedingt wegen seiner Kritik am Raubtier-Kapitalismus oder an der europäischen Flüchtlingspolitik, sondern eher wegen seiner Reaktion auf die Einführung der Homoehe in Irland, für den Vatikan nämlich eine „Niederlage für die Menschheit"—ganz nach Putins Geschmack möchte man meinen, der LGBT-Menschen in seinem Land genussvoll noch weiter diskriminiert hat, als sie es ohnehin schon waren, und Gewalt und Hass begünstigt hat.

Blatter lässt Homo-Rechte ja auch gerne mal unter den Tisch fallen, wenn es um WM-Vergaben geht. Zuerst darf Russland 2018 ran und dann 2022 Katar, ein Land, in dem homosexuelle Handlungen mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft werden. Blatters Idee: „Ich denke, sie sollten bei der WM jegliche sexuellen Aktivitäten unterlassen." Hey, danke für den Tipp, Sepp.

Gérard Depardieu

Foto: Imago/ITAR TASS

Depardieu verließ 2012 Frankreich, um sich zunächst in Belgien niederzulassen und so den hohen Steuern für Besserverdienende in Frankreich zu entgehen. Putin bot ihm dann 2013 die russische Staatsbürgerschaft an, die er auch dankend annahm. In einem Interview mit der Vanity Fair sagte er kürzlich, er sei bereit, für Russland zu sterben.

Diese große Loyalität und der Einsatz für die russisch-französische Freundschaft sollten doch ein Garant für Putins Wohlwollen und einen Platz auf der Liste der Nobelpreiskandidaten sein. Offensichtlich sind 75 Prozent Einkommenssteuer abstoßender als eine verheerende Innen- und Außenpolitik und wer braucht schon Pressefreiheit, wenn am Ende des Monats netto mehr auf dem Konto ist.

Und auch Depardieu und Blatter sind keine Unbekannten, Depardieu spielte Jules Rimet, einen der ersten FIFA-Präsidenten in United Passions, einem von der FIFA initiierten Film, der von Blatter mit 16 Millionen britischen Pfund mitfinanziert wurde. Insgesamt kostete der Streifen angeblich 27 Millionen Euro, spielte dann aber dummerweise am Premieren-Wochenende in den USA nur 918 Dollar ein. Laut CNN kauften insgesamt 120 Personen ein Ticket.

Mickey Rourke

Foto: Imago/ITAR TASS

Das sollte doch eine Geschichte ganz nach Putins Geschmack sein, genauso wie Blatter ist Mickey Rourkes Karriere ein Auf und Ab und von Skandalen gepflastert. Aber am besten: Mickey Rourke <3 Putin. Immerhin mal einer aus dem degenerierten und verschwulten Westen, der weiß, was sich gehört. Rourke nennt nicht nur ein Putin-Fanshirt sein eigen, sondern ist auch bekennender Freund des russischen Präsidenten, weil „er ihm in die Augen schauen kann."

Jürgen Elsässer

Foto: Imago/Christian Ditsch

Wer, wenn nicht Jürgen Elsässer, hätte einen, wenn nicht gar alle Nobelpreise verdient? Elsässer macht sich mit seinem Compact-Heft die Welt, wie sie ihm gefällt. Egal ob Conchita Wurst, „Homopropaganda" oder Ukraine-Krise. Elsässer ist immer gerne ganz auf der Linie Putins. Menschenrechte sind da jetzt aber auch wirklich nicht so wichtig. Da kann man ruhig auch mal die Mitinitiatorinnen der schwulen Anti-Homosexuellen-Gesetze zu einer Konferenz einladen oder HoGeSa und Pegida in den Himmel loben.


Foto oben: Imago/ITAR-TASS

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