Hangover-News, 18. Januar 2016

Ein schwedischer Arzt hat eine Frau entführt und wollte sie für Jahre in einem Verlies einsperren und missbrauchen, Heinz Fischer liest Strache die Leviten und die deutsche Regierung verschärft die Gangart gegenüber kriminellen Nordafrikanern.

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18 Jänner 2016, 4:34am

Mit nur „minimalen Eingriffen" soll aus einem ehemaligen KZ ein Luxushotel werden

So sieht das traumhafte Objekt aus, das Investorenherzen höher schlagen lässt. Foto: Atraktor Studio | Flickr | CC BY 2.0

Es gibt kein richtiges Leben im falschen", schrieb Adorno in Minima Moralia damals aus dem Exil gegen den Faschismus an. „Es kann doch Cocktails am Pool mit lecker Essen in einem alten KZ geben", muss sich die schweizerisch-ägyptische Investmentfirma Orascom gedacht haben, als sie mit Zustimmung der montenegrinischen Regierung das Architektenbüro Salt & Water damit beauftragte, ein ehemaliges Konzentrationslager in ein Luxushotel umzugestalten. Mit nur „minimalen Eingriffen" am Bauwerk sei dies gelungen.

Im 19. Jahrhundert auf der Adria-Insel Mamula erbaut, wurde das Fort während des Zweiten Weltkriegs von Italien als KZ gebraucht, wo laut Angaben von Überlebenden mindestens 80 Menschen hingerichtet worden und 50 weitere verhungert seien. Nun will man 15 Millionen Euro für den Umbau investieren, Spa und Nachtclub inklusive. An ein Denkmal habe man natürlich auch gedacht, versicherte die Regierungsvertreterin Olivera Brajovic; und außerdem: „Es gibt für Mamula nur zwei Lösungen: Das Gelände verfallen lassen oder Investoren finden, die es restaurieren und für Besucher öffnen wollen." Gedenkstätten und Museen locken offensichtlich die falsche Klientel an: nicht ganz so zahlungskräftige Besucher.

Heinz Fischer liest Strache die Leviten


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Foto: GuentherZ / Wikimedia / CC by 3.0

Manch einer findet ja, dass unser Bundespräsident eher den Titel Bundes-Bussibär verdienen würde, weil er in der Praxis sehr selten von seinem Recht Gebrauch macht, seine Stimme zu erheben. Jetzt, gegen Ende seiner zweiten Legislaturperiode, scheint Heinz Fischer angesichts mancher Aussagen von FP-Chef Heinz-Christian Strache aber doch auch mal der Kragen zu platzen.

Strache hatte Bundeskanzler Faymann beim FPÖ-Neujahrstreffen in Wels als „Staatsfeind", „Bürgerfeind" und „Österreichfeind" bezeichnet, und damit für Fischer offensichtlich ganz klar den Bogen überspannt. Wenn eine Partei den Bundeskanzler als "Staatsfeind" bezeichne, müsse es "unverzüglich und rechtzeitig die Stopptaste gedrückt werden" zitiertder Standard Fischer, der außerdem erklärte, dass so eine Ausdrucksweise in einem friedlichen und demokratischen Land "absolut nichts verloren hat" und Strache damit die Wahlwerbung für das Amt des Bundespräsidenten "in einer nicht vertretbaren Weise vergiftet". Wenn es einer wirklich übertreibt, ist der Bundespräsident offensichtlich gar kein Bussibär.

Reporter gibt sich als Asylsuchender in der Schweiz aus



Foto von Shams Ul-Haq

Der Undercover-Journalist Shams Ul-Haq zeigt in seiner Reportage für die SonntagsZeitung, wie einfach es anscheinend ist, ohne Bewilligung in die Schweiz einzureisen und unterzutauchen. Mit einer falschen pakistanischen Identität landete der deutsche Reporter im Empfangszentrum Kreuzlingen Thurgau. Seine Recherche zeichnet bereits nach 5 Tagen ein besorgniserregendes Bild: Vermeintliche Gewalt an Flüchtlingen, Asylsuchende Drogendealer und ein leichtes Untertauchen in der Schweiz.

Als der Journalist seinen Asylantrag wieder zurückzieht—unter dem Vorwand lieber in Deutschland Asyl zu beantragen—erhält dieser umgehend die Einwilligung der Behörden und darf unkontrolliert weiterreisen. Dementsprechend hätte er genauso gut irgendwo in der Schweiz bleiben und untertauchen können. Das zuständige Staatssekretariat für Migration (SEM) äussert sich dazu gegenüber der SonntagsZeitung: „Bei Rückzug des Asylgesuchs können wir niemanden im Zentrum festhalten."


Hessens Landesregierung will verhindern, dass Björn Höcke jemals wieder an Schulen unterrichten darf

Foto: Imago | Karina Hessland

„Blonde Frauen müssen in Deutschland Angst haben." Zitat Björn Höcke. „Wir wollen endlich eine Verabschiedungskultur in unserem Land." Zitat Björn Höcke. „Für mich ist die AfD die letzte evolutionäre Chance für dieses Volk. Unsere Substanz wird aufgezehrt in allen Bereichen." Zitat Björn Höcke. Worte wie diese oder auch „populationsökologische" Thesen über den „lebensbejahenden afrikanischen Ausbreitungstyp" bilden vermutlich das Fundament, auf dem sich das Vorhaben von Hessens Kultusminister Alexander Lorz gründet, das der CDU-Politiker am Wochenende gegenüber der Frankfurter Rundschau artikulierte: „Sollte Herr Höcke nach seiner Tätigkeit im Thüringer Landtag wieder in den hessischen Schuldienst zurückkehren wollen, werde ich unter Beachtung bzw. Einhaltung aller rechtlichen Voraussetzungen und im Rahmen meiner Möglichkeiten alles dafür tun, dass Herr Höcke nicht mehr Unterricht an einer unserer Schulen erteilt".

Als Reaktion darauf wand sich der gymnasiale Sport- und Geschichtslehrer a.D. in einem offenen Facebook-Brief an seinen Vorgesetzten, in dem er nicht nur mit Verweisen auf seine eigenen schulischen Leistungen die beruflichen Kompetenzen zu unterstreichen versuchte („Mein 1. Staatsexamen absolvierte ich ,mit Auszeichnung', das 2. Staatsexamen mit der Note 1,8 und den Abschluß Master of Arts (Schulmanagement) mit der Note 1,4"), sondern auch noch ganz nebenbei sein politisches Kalkül traditionsgeschichtlich einordnete: „Meine volkstümlich-kämpferische Art Politik zu machen, die an Franz Joseph Strauß oder Herbert Wehner erinnern mag, kann und soll in dieser phrasengeschwängerten Zeit irritieren." Bescheidener Typ, der Björn.

Eine Muslima wurde einer Sparkasse verwiesen, weil sie einen Schleier trug

Foto: Imago | Imagebroker

„Es ist uns unglaublich wichtig, dass es nicht um das Thema Religion, sondern um Sicherheit geht", versichert Stephan Meiser, Sprecher der Sparkasse Neuss. In der nordrhein-westfälischen Stadt haben Mitarbeiter einer Sparkassenfiliale eine 20-jährige Muslima daran gehindert, das Innere der Bank zu betreten, wo die Kundin eine Überweisung tätigen wollte. Grund war ihr Gesichtsschleier. Die Frau bot an, mit einer Mitarbeiterin in einen Nebenraum zu gehen, dort den Schleier zu lüften und zum Vergleich den Personalausweis vorzuzeigen.

Der Vorschlag wurde abgelehnt: „Das ist das Schlimmste, was wir uns vorstellen können: Eine kriminelle Person geht mit unserer Mitarbeiterin alleine in einen Raum, lässt den Schleier fallen und zieht eine Waffe hervor." Es stellt sich die Frage, ob Waffen nicht auch unter gewöhnlichen Jacken oder in Taschen unauffällig mitgeführt werden könnten, andererseits besteht die Sparkasse auf ihr Recht zu einem Vermummungsverbot—ein Schild mit einem durchgestrichenen Motorradhelm gleich beim Eingang der Bank soll dies verdeutlichen. Geld könne an Automaten außerhalb der Geschäftsräume abgehoben werden und zudem biete man für beratende Dienste Hausbesuche an. Die Frau hat Anzeige erstattet. Sie gibt an, Schürfwunden von der Auseinandersetzung davongetragen zu haben, die Bank bestreitet ein solch energisches Vorgehen, Ausgang offen.

In Schweden gebar die Realität einen Vergewaltiger, wie er nur schwer vorzustellen ist

Foto: Polizei Schweden

Versuche, dir den Superlativ eines ausgereiften Creeps vorzustellen. Hast du ihn? Gut; ist vielleicht gar nicht so schlecht, falls deine schlimmste Fantasie nicht an die Realität heranreichen sollte, sprich an einen Typen, der fünf Jahre lang mit sorgsamster Akribie unter seinem Holzhaus an einem Bunker baut, den Bunker mit ausbruchfesten Sicherheitstüren versieht und 30 Zentimeter dicken Wänden, eine Toilette und Küche einbaut, damit jahrelange Aufenthalte darin möglich werden, das alles in stiller Abgeschiedenheit nahe der südschwedischen Stadt Kristianstad und dann nach vollendetem Werk sich in die 550 Kilometer entfernte Metropole Stockholm aufmacht, um eine Frau zu suchen, sie findet, sich mit ihr in ihrer Wohnung datet, ihr Champagner und Erdbeeren vorsetzt, in die Erdbeeren Rohypnol spritzt, an das er als Arzt problemlos herankommt, das bewusstlose Opfer noch vor Ort zum ersten Mal vergewaltigt, sie in sein Auto verfrachtet, sich während der Fahrt zurück zum Bunker Masken aufsetzt, dort angekommen der Frau Blut abnimmt und Vaginalabstriche macht, um sicher zu gehen, dass sie ja keine sexuell übertragbaren Krankheiten besitzt, ihr dann eine Antibabypille verabreicht und sie eine Woche lang vergewaltigt—solange bis er aufliegt und das nur, weil er noch einmal zur Wohnung der Frau fuhr, um ein paar letzte persönliche Dinge von ihr mitzunehmen. Das berichtet u.a. die Welt mit Verweis auf die schwedische Zeitung Aftonbladet. Das verlassene Domizil wurde glücklicherweise von der Polizei beaufsichtigt, nachdem Freunde des Opfers ihr Verschwinden gemeldet hatten.

Es kam das Atomabkommen und gingen die Wirtschaftssanktionen gegen den Iran

Foto: Imago | Eibner Europa

Das Tauziehen mit dem Iran um das Atomabkommen hat ein Ende gefunden. Ein verbindlicher Vertag wurde unterschrieben, worin sich der Iran mitunter dazu verpflichtet, seine Uranbestände von 12.000 Kilogramm auf 300 Kilogramm zu reduzieren wie auch den Schwerwasserreaktor Arak zu einem Forschungsreaktor umzubauen, womit kein für die Herstellung von Atomwaffen nutzbares Plutonium mehr generiert werden kann. Im Gegenzug hob am Wochenende der Westen die rund 10 Jahre anhaltenden Wirtschaftssanktionen gegenüber dem Iran auf.

Somit kann das Land wieder Öl und Gas in die EU exportieren, es erhält Zugang zu bislang eingefrorenen Geldern in Höhe von mindestens 100 Milliarden Dollar, aber auch Länder wie Deutschland werden sich bei der neuen Konstellation vor wirtschaftlicher Vorfreude die Hände reiben dürfen, weil westlichen Herstellern wieder gestattet ist, Automobile in den Iran zu verkaufen.

Kriminelle Nordafrikaner: Deutsche Regierung bricht ihr Schweigen und fährt neue Geschütze auf

Vor allem in Nordrhein-Westfalen macht sich der neue Kurswechsel bemerkbar. Foto: Imago | Elbner

13 Männer konnten bislang identifiziert werden. Ihnen wird zu Lasten gelegt, als Täter bei den Silvesterübergriffen in Köln beteiligt gewesen zu sein—jeder von ihnen stammt aus Nordafrika. Asylbewerber aus Marokko, Algerien und Tunesien scheinen, wie sich nun herausstellt, nicht erst seit Jahresbeginn kriminell extrem auffällig zu sein; besonders in NRW wissen die Behörden seit Jahren schon von ihrer Gewaltbereitschaft, nur sprach man bei Kriminaldelikten eher ungern über die Nationalität der Täter—zu hoch die Gefahr der Diskriminierung durch Stigmatisierung, zur groß die Gefahr und der Schaden, vor allem als Polizist oder Politiker soziale Minderheiten zu diffamieren. Es wurde geschwiegen, nun scheint das Schweigen vorüber. Mehr noch: Am Samstag startete die Polizei eine Großrazzia im Düsseldorfer „Maghreb-Viertel" (auch Klein-Marokko genannt), wo 300 Beamte parallel 18 Shisha-Bars, Spielcasinos und Cafés kontrollierten, weil sich dort „zu bestimmten Zeiten Personen treffen und aufhalten, die im Verdacht stehen, Taschen- und Gepäckdiebstähle sowie Straßenraub- aber auch Drogendelikte zu begehen", so die Polizei. Von den insgesamt 294 überprüften Personen wurden 40 vorläufig festgenommen. Darüber hinaus beabsichtigt die Bundesregierung ein Asylschnellverfahren für Nordafrikaner einzuführen, deren Status als ähnlich sicher eingestuft werden soll wie das der Flüchtlinge aus den Balkanstaaten.