Warum ich mit dem Kiffen aufgehört habe

Hier sind die Geschichten einiger Langzeitkonsumenten, die dem Gras abschwören mussten, weil Gesetze, Paranoia oder Blähungen ihnen den Spaß vermiesten.

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07 April 2015, 4:09am

Zur Zeit ist die Marihuana-Legalisierung in allen möglichen Ländern Teil des öffentlichen Diskurses. Schnell könnte man meinen, so gut wie alle da draußen sind Grasmissionare, doch es gibt immer noch jede Menge Leute, die nicht am Altar des Ganja beten. Für manche repräsentiert das Kraut ihre zügellose Vergangenheit als Kleinkrimineller, der unvernünftige Entscheidungen trifft. Anderen raubt das Kiffen die geistige Gesundheit und lässt sie in der Embryonalstellung paranoide Satzfetzen murmeln. Wir sind es gewöhnt, von Kiffern zu hören, die es klingen lassen, als könne Grasrauchen die Eiskappen vom Schmelzen abhalten und den Nahostkonflikt in Wohlgefallen auflösen. Daher fanden wir es an der Zeit, von der anderen Seite zu hören—von Leuten, die einfach kein noch so kleines Stück Spacecake oder Köpfchen mehr schaffen.

Hier sind ihre Geschichten.

Phish-Perspektive

Nach der Uni fing ich an, mich total für Gras und andere psychedelische Drogen zu begeistern. Ich rauchte jeden einzelnen Tag Gras und es war genial. Doch dann wurden die Dinge langsam sehr seltsam. Ohne Vorwarnung fing ich auf einmal an, intensive Reaktionen auf Gras zu haben. Das erste Mal erwischte es mich bei einem Phish-Konzert. Ich stand bei meinen Freunden und hatte Spaß, wir kifften und hörten Phish zu, die „Reba" spielten. Dann sah ich plötzlich, wie die Welt sich um mich zusammenzog. Der Himmel wurde schwarz, und dann verlor ich das Bewusstsein.

So fertig das auch war, ich war immer noch nicht bereit, Gras aufzugeben. Doch etwas Ähnliches passierte mir, als ich später im selben Jahr auf dem Jazz-Fest in New Orleans war. Ich hatte nach ein paar Zügen an einem Blunt das gleiche Gefühl (zum Glück hatte ich die Möglichkeit, mich zu setzen, sodass ich nicht direkt ohnmächtig wurde). Doch ich fing auch an, diese verrückten Wahnvorstellungen zu bekommen. Meine Freundin sollte mich nach dem Konzert abholen, und sie verspätete sich um ein paar Minuten. Ich war überzeugt, dass sie spät dran war, weil sie irgendwo mit einem anderen Typen vögelte. Dann war ich mir sicher, dass sie tot war, und verließ das Festival, um ihre Leiche zu suchen. Sie hatte keine Ahnung, wo ich war, und fand mich Stunden später, wie ich geistig völlig umnachtet irgendwo umherwandern.

Ich glaube echt, es hat was mit den Psychedelika zu tun, die ich im Laufe der Jahre genommen habe. So ziemlich jedes Mal, wenn ich jetzt an einem Blunt ziehe, ticke ich einfach so weit aus, dass es das Risiko gar nicht mehr wert ist. Es hat schon zu viele Momente in meinem Leben ruiniert, also reicht es mir jetzt, einfach ein kühles Bier zu trinken, wenn ich entspannen will.

Gandalf der Grüne

Ich hörte in einer verrückten Nacht im Alter von 19 mit dem Kiffen auf. Ich verbrachte mehrere Stunden damit, mit einem hünenhaften, Mundharmonika spielenden Obdachlosen in einem leerstehenden Haus ohne Strom zu paffen. Mein Kumpel mit der Djembe und ich hatten diesen Verrückten getroffen, als wir Straßenmusik spielten. Als Hippie-Stoner schien es uns auch kein bisschen seltsam, ihm zu einem unheimlichen leeren Haus zu folgen und zusammen zu rauchen. Doch gegen 2 oder 3 Uhr nachts hatte mein Freund, der Djembespieler, mich dort zurückgelassen, um einen anderen Kumpel nach Hause zu bringen. Also saß ich einfach in diesem heruntergekommenen Kasten alleine mit meinem neuen Bekannten, der einem Zauberer ähnelte und circa zwei Meter groß gewesen wäre, wenn er sich nicht in gebeugter Haltung auf einen riesigen Ast als Gehstock gestützt hätte.

Ich war gegen Ende dieser Nacht wirklich verdammt high. Also bin ich nicht ganz sicher, was als Nächstes geschah. Entweder Gandalf holte ein Messer raus, sprach davon, ein Messer rauszuholen, oder er erinnerte sich gerade an Leute, die er mit dem Messer in Vietnam abgestochen hatte ... Was auch immer es war, plötzlich war ich überzeugt, dass dieser Veteran fest entschlossen war, mich wie einen Fisch auszunehmen und mit meinen Organen zu jonglieren. Letztendlich kam mein Kumpel zurück und fuhr mit mir zu seinem Elternhaus, wo ich im Gästezimmer meinen Rausch ausschlief. Ich habe seitdem keinen Blunt mehr in die Hand genommen oder Phish gehört. Hippie sein ist verdammt gefährlich.

Fetter Fressflash

Zu meiner Unizeit war es total mein Ding, unter der Woche zu trinken. Mein einziges Problem war der Kater am nächsten Tag in der Vorlesung—bis ich entdeckte, dass Gras rauchen genau so viel Spaß machte, ohne mir am nächsten Morgen pulsierende Kopfschmerzen zu bescheren.

Also rauchte ich jeden Abend mit meinen Stoner-Mitbewohnern Gras. Alles war perfekt, bis ich anfing, in einer Schickimicki-Bäckerei zu arbeiten, die edles Gebäck verkaufte. Nach Feierabend brachte ich Leckereien im Wert von etwa 50 Dollar mit, von denen ich mir sagte, dass ich si mit meinen Mitbewohnern teilen oder im Laufe von ein paar Tagen essen würde. Natürlich kam es nie dazu. Stattdessen dröhnte ich mich zu und stürzte mich dann auf die Croissants, die kunstvollen Blätterteigtaschen und ganze Laibe Miche (ein Landbrot nach französischer Art), wie David Hasselhoff bei einem Burgerbuffet. Es war ekelerregend.

Schließlich musste ich aufhören zu kiffen, weil ich von all dem Gebäck so vollgestopft und aufgebläht war, dass ich Albträume hatte. Und am nächsten Morgen musste ich ständig für einen Riesenschiss die Vorlesung verlassen. Ich habe also mit Grasrauchen aufgehört, weil der Fressflash dabei war, meinen Darm zu zerstören.

Schuld und Sühne

Während meines Studiums rauchte und verkaufte ich riesige Mengen Gras. Ich meine, es ergibt auch einfach Sinn: Wenn du schon ein Graskonsument bist, dann kannst du auch gleich Grasdealer sein. Ich war kein Heisenberg des Weed oder so, aber ich kaufte wöchentlich ungefähr ein Viertelkilo und finanzierte vom Umsatz meine eigene Sucht. Ich war auch immer stylish unterwegs und bewahrte mein Dope in einer schwarzen Aktentasche aus Leder auf.

Es war klasse—bis ich erwischt wurde.

Ich fuhr mit meinen Jungs durch die Gegend, und meine Jungs sahen aus wie Leute, die viel kiffen, also wurden wir natürlich angehalten und kontrolliert. Der Bulle fand uns „verdächtig" und rief einen verdammten Drogenspürhund. Ich hatte ungefähr 30 Gramm in meiner Aktentasche, und der Köter erschnüffelte es.

Ich hatte allerdings Glück, denn in Vermont gilt man mit weniger als 56 Gramm und unter 21 Jahren nicht als Dealer. Also drohte mir keine Haftstrafe. Ich musste nur eine Sache machen, die sich „Diversion" nennt, wozu regelmäßige Drogentests und Besuche beim Therapeuten gehörten.

Mein erster Therapeut war furchtbar, doch mein zweiter war sogar richtig spitze und ist auch dafür verantwortlich, dass ich mit dem Gras aufgehört habe. Bis ich ihn kennenlernte, war ich mir sicher, dass ich nach dem letzten Drogentest einfach genau so weitermachen würde wie vorher. Doch er änderte meine Sichtweise mit einer einfachen, wahren Aussage: Ich würde niemals wissen, ob mein Leben mit oder ohne Gras besser ist, wenn ich nicht eine Zeit lang aufhören und dann vergleichen würde.

Später, als die Diversion vorbei war, wurde mir klar, dass ich immer unzufrieden, ängstlich und paranoid wurde, wenn ich Gras rauchte. Ich traf dumme Entscheidungen und konnte nicht klar denken, weil ich den Scheiß jeden Tag rauchte. Also hörte ich auf und mein Leben besserte sich. Meine Noten wurden besser und ich war mir mehr bewusst, was ich mache und wo mich mein Leben hinführt. Ich behaupte nicht, dass Gras auf alle Menschen negative Auswirkungen hat, aber es hatte mein Leben gefickt. Das letzte Mal, das ich gekifft habe, ist ungefähr 10 Jahre her, und ich habe es nie vermisst.

Weit über dem Kuckucksnest

Ich glaube, Acid hat mein Gras-High ruiniert. Ich hatte mal einen schrecklichen Trip, der meine ganze Sicht aufs Leben irreparabel geschädigt hat. Ich war mit einem Freund im Haus meiner Eltern am See. Es sieht aus wie eine Hütte, die direkt am Ufer steht. Es ist ein idyllisches kleines Fleckchen, doch es brachte wirklich düstere, verdrängte Gefühle in mir hervor. Vielleicht, weil das Haus mit den Vogelhäuschen und dem seltsamen Nippeskram meiner Mutter vollgestopft ist? Als ich auf dem Trip war, verursachten sie irgendwie extrem traurige und distanzierte Gefühle in mir. Das Gefühl ging so tief, dass ich es kaum beschreiben kann. Ich fühlte mich auf negative Art wie ein Kind, als ob ich keine Kontrolle über mein Schicksal oder meine Entscheidungen hätte. Der Trip war so traumatisch, dass ich einmal quer durchs Land umzog, um die Langzeitfolgen hinter mir zu lassen.

Leider kriege ich sofort wieder dieses intensive, schreckliche Gefühl, sobald ich Gras rauche. Ein Zug an einem Blunt versetzt mich in einen Zustand, der an eine Panikattacke erinnert. Es ist, als ob meine Gedanken aus dem Ruder laufen, sie fangen an zu rasen, und ich kann sie nicht im Zaum halten. All meine Gedanken werden verdreht und verdorben, sogar Dinge, die früher bei mir positive Gefühle auslösten. Ich fing an, mich zu fragen: „Warum sind meine Freunde meine Freunde? Sie versuchen in Wirklichkeit nur, mich auszunutzen ..." Es ist wirklich überwältigend und hat zur Folge, dass ich mit anderen Menschen einfach nicht klarkomme. Stell dir vor, du hast dieses intensive Gefühl, während du einfach nur mit einem Freund rumhängst, der mit dir im Park einen Joint teilen will, und am Ende liegst du zusammengekrümmt da und murmelst paranoide Selbstgespräche. Nein, danke.

Alle Illustrationen von Nick Gazin. Mehr von seiner Arbeit findest du auf Instagram.