Ihr könnt jetzt Fotos kaufen, die nie entwickelt wurden

Eine Reihe an Fotografen rund um Paul Pibernig bietet Prints zum Verkauf an, ohne zu wissen, was darauf zu sehen sein wird.

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Juni 14 2017, 4:00am

Wenn du schon einmal bei einer Fotografin oder einem Fotografen in der Wohnung warst, kennst du das vielleicht: Statt Milchschnitte und vergammelten Aufstrich-Resten finden sich im Kühlschrank hauptsächlich Fotofilme.

Entweder solche, die darauf warten in die Kamera eingelegt und verschossen zu werden. Oder Unmengen an unentwickelten Rollen, die wie das Nazi Gold im Toplitz See darauf warten, dass sich endlich jemand die Mühe macht sie zu bergen. Im Fall von Filmen heißt "bergen" dann genug Geld zusammenzukratzen, um die Entwicklung zu bezahlen. Womit ihr ins Spiel kommt.

Paul Pibernig und seine Kollegen haben sich überlegt, einfach schon Prints zu verkaufen, bevor irgendjemand weiß, was darauf zu sehen ist. Es gibt eine sehr simple Staffelung an Preisen und je mehr Geld reinkommt, desto mehr wird auch entwickelt, was sich wiederum positiv auf die Auswahl auswirkt. Denn ganz ehrlich, niemand macht ausschließlich gute Fotos.

Damit sich das alles genau wie bei der Wundertüte allerdings nicht komplett random anfühlt, haben alle teilnehmenden Fotografinnen und Fotografen schon vorab ein paar Bilder geschickt, die ihr euch hier anschauen könnt. Und jetzt KAUFEN (und das sag ich nicht nur, weil meine Fotos auch dabei sind).

Na jedenfalls: Hier gehts zum Shop, hier zum Facebook-Event und nachfolgend lest ihr noch die Statements von fünf Ausstellern und Ausstellerinnen.

Simon Riegler:

"Ich habe meine Kamera immer dabei, dann schießt sich das Foto meistens von selbst. Der Fotoapparat ist wie meine Zeitmaschine. Ein Foto ist immer ein Blick in die Vergangenheit oder in die Zukunft, wer wer weiß das schon? Fotografie ist eines der Dinge, die ich ganz einfach bis heute nicht verstehe. ich glaube genau deswegen mache ich es noch. Menschen, Lichtverhältnisse, Architektur und Natur mag ich auch sehr gerne."

Jakob Dellacher:

"Die meisten Fotografien der letzten Jahre entstanden in Wien beim herumirren oder auf 'Skatetrips'
mit meinem Bus durch Europa. Auf Reisen ist es eine besondere Motivation, weil sich Motive ergeben mit denen man nicht rechnet."

Zara Pfeifer:

"Mich interessiert der Alltag anderer Lebenswelten, räumliche und soziale Phänomene."

Peter Jaunig:

"Es geht nicht darum, Sinn zu ergeben, es geht um die Odyssee des Lebens, die in den Fotos abgebildet wird. Es sind Studien über den Alltag, über natürliches Licht und über das Beisammensein."

Susanna Hofer:

"Schaut euch diese Blumen an, sind die nicht super? Es kann einfach nichts schiefgehen, wenn man Blumen ablichtet."

Anna Breit:

"Mein Interesse an der Darstellung von Menschen ist der rote Faden, der sich durch fast alle meine Arbeiten zieht. Vor allem meine Freunde und andere Menschen meines kulturellen Umfelds, der Clubkultur und Gegenkultur sind das Hauptthema meiner Fotos. Ich sehe die Bilder aber nicht als Dokumentation einer bestimmten Zeit – ich bin ja selber ein Teil davon. Es ist wie ein öffentliches Tagebuch als Kommentar auf ein Gefühl einer Kultur. Auf den unentwickelten Filmen sind Porträts meiner Freunde, aber auch Fotos von einer Woche Griechenland – also auch untypische Fotos wie Landschaften."

David Bogner:

"Seit 2010 hab ich beim Weggehen immer eine Kamera dabei. Ich hab mich nie dazu berufen gefühlt, Fotograf zu sein; es lag eher daran, dass Nussl irgendwann damit aufgehört hat und ich das einfach schade fand. Dabei sind nicht unbedingt die schönsten Fotos herausgekommen — die haben Kata und Piotr und viele andere gemacht —, aber zumindest ein paar Zeit-Dokumente, die zeigen, was damals so passiert ist. Rückblickend idealisiert man die Vergangenheit natürlich, aber wenn ich die Fotos jetzt so anschaue, war das schon eine gute Zeit. Ich freu mich sehr, dass ich gefragt wurde, für dieses Ding Fotos beizusteuern. Also: Hier ist meine Auswahl aus 2012."

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