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Eine deutsche Brauerei druckt ein Glaubensbekenntnis auf Bierflaschen und erntet einen Shitstorm

Erst regten sich viele Muslime auf. Als sich die Brauerei entschuldigte, wurde alles noch schlimmer.

von Jan Karon
11 Mai 2018, 11:13am

Screenshot: twitter.com/AllXperts

Dieser Artikel ist zuerst bei VICE Deutschland erschienen.

Fußball-Weltmeisterschaften sind für Biermarken das, was die Loveparade in den 90ern für Ecstasy-Produzenten war: eine gute Gelegenheit, Money zu stacken, indem man die Zielgruppe direkt anspricht. Vor der WM 2014 führte Krombacher zum Beispiel den "Genießer-Bonus" ein und verloste unter mehr als 15 Millionen Kronkorken Geldgewinne. Heineken startete gleichzeitig eine Kampagne in den USA, bei der die Brauerei Arbeitgeber aufforderte, Angestellte die Fußballspiele in Brasilien schauen zu lassen. Die neueste Promoaktion der deutschen Brauerei Eichbaum vor der Fußball-WM in Russland hingegen war ein Griff ins Klo.

Die Mannheimer Biermarke druckte die Flaggen der teilnehmenden Länder auf Kronkorken – nach eigener Aussage mache die Brauerei das seit vielen Jahren. So prangten die Fahnen von Polen, Peru oder Portugal auf den Flaschen. Auch die Flagge Saudi-Arabiens, das zum fünften Mal an einer Fußball-WM teilnimmt, ist auf den Bierflaschen abgebildet. Das Problem: Die Flagge ziert das islamische Glaubensbekenntnis. Deswegen darf man sie auch nicht im Müll entsorgen, vernichten oder auf Halbmast hängen. Kein Wunder also, dass sich Muslime dadurch beleidigt fühlten, das Glaubensbekenntnis, die sogenannte Schahāda, auf Alkoholflaschen gedruckt zu sehen.

Twitter-Nutzer argumentierten, Bier sei "haram", also sündhaft, und solle deshalb nicht in Verbindung mit dem heiligen Glaubensbekenntnis stehen. Die Aktion sei "despektierlich" und "beleidigend". Ein User schrieb auf der Facebook-Seite von Eichbaum, es sei "höchst unverantwortlich, eigentlich sogar unzivilisiert". Das Team, das auf diese "gottverlassene Idee" gekommen sei, solle sich schämen.

Der Islamwissenschaftler Abdel-Hakim Ourghi hat für die Empörung kein Verständnis. "Natürlich ist das Glaubensbekenntnis die erste Grundlage für den Islam", sagte Ourghi gegenüber VICE, "warum Muslime darauf so empört reagieren, weiß ich aber bei bestem Willen nicht." Es sei eine Flagge, die die Brauerei für eine Werbeaktion nutze – und Saudi-Arabien nehme nun mal an der WM teil. "Ich frage mich, warum Muslime bei solchen Kleinigkeiten immer die Opferrolle einnehmen."

Auf Shitstorm folgt Shitstorm

Der Shitstorm veranlasste Eichbaum dazu, sich für die Aktion zu entschuldigen. Der Marketingleiter der Brauerei, Holger Vatter-Schönthal, erklärte auf Facebook, die Flagge werde allein schon "aus Gründen der Gleichberechtigung" abgebildet. Das Unternehmen Eichbaum habe "kein Interesse an religiösen oder politischen Äußerungen". Sollten sich User beleidigt fühlen, bitte man "förmlichst um Entschuldigung". Außerdem habe man bei Eichbaum nicht gewusst, dass die Schriftzeichen ein Glaubensbekenntnis darstellen.

Gut gemeint, schlecht gemacht: Durch den Post hat sich Eichbaum prompt den nächsten Shitstorm eingehandelt. So wüteten Facebook-Nutzer unter dem Entschuldigungspost, die Brauerei würde vor Muslimen kuschen. "Wenn ihr noch tiefer in den Arsch kriecht, kommt ihr am Mund wieder raus. Widerlich", schrieb einer. Ein anderer User fand: "Diese reflexartigen Entschuldigungen, nur weil sich einige (!) Muslime auf den Schlips getreten fühlen, gehen mir sowas von auf den Sack". Es scheint, als könne es der Bierbrauer keinem so wirklich recht machen. In jedem Fall hat die Aktion für Aufmerksamkeit gesorgt – und Eichbaum damit ein Fass aufgemacht.

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