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Wahlen 2015

Es gab sehr wohl knappe Duelle bei der Wien-Wahl – nur nicht dort, wo ihr denkt

Auf der Ebene der Bezirksvertretungswahlen gab es in Wien durchaus ein Reihe dramatischer Duelle mit Fotofinish. Das zeigt auch wieder: Wer nicht wählen geht, ist selbst schuld.

Jonas Vogt

Jonas Vogt

Foto: Wikipedia (Bearbeitung von uns) | CC BY-SA 3.0

Die Wien-Wahl 2015 hatte eine etwas seltsame Dramaturgie. Wochenlang redeten zwei Spitzenkandidaten davon, dass es ein „Duell um Wien" gäbe—weil sie beide von diesem Duell profitiert haben. Die anderen Spitzenkandidaten redeten wochenlang davon, dass es keine Duell um Wien gäbe—weil ihnen das Duell schadete. Und die Medien schrieben ebenfalls wochenlang davon, dass es kein Duell gäbe—während sie natürlich insgeheim von der aufgeladenen Stimmung profitiert haben.

Seit Sonntagabend sind jetzt alle schlauer. Es gab offenbar nie wirklich ein Duell, zumindest keines auf Augenhöhe. Aber Achtung: Das ist so nicht ganz richtig. Es gab durchaus zahlreiche Duelle. Nur nicht unbedingt dort, wo man hingeschaut hat.

Die Wahl zu den 23 Bezirksvertretungen, die parallel zur Gemeinderatswahl stattfand, war stellenweise deutlich dramatischer. Als Andreas Berger, Pressesprecher der für die Wahlen zuständigen Stadträtin Montagnacht um kurz nach 1:00 Uhr seinen letzten Tweet abschickte, war der letzte Bezirk noch nicht abschließend ausgezählt. Die Briefwahl machte es kompliziert. Und weil die Abstände deutlich kleiner waren als auf Gemeinderatsebene, blieb es in vielen Bezirken bis zum Ende spannend.

Mittlerweile ist das Endergebnis da. Es zeigt vor allem zwei Sachen: Es gibt ein geteiltes Wien. Wie schon bei den Gemeinderatswahlen war die FPÖ in den Innenstadt-Bezirken chancenlos. Wien wird—ganz grob gesagt—immer blauer, je näher man der Stadtgrenze kommt. Außerdem wanderten in den Arbeiterbezirken immer mehr Stimmen von der SPÖ zu den Freiheitlichen. Das FPÖ-Ergebnis ist im Grunde viel besser als es wirkt, wie wir am Sonntag eh schon geschrieben haben.

Die wirklich dramatischen Duelle in Wien fanden auf Bezirksebene statt. Das FPÖ-Ergebnis ist viel besser, als es wirkt.

Die Bezirksvertretungswahlen zeigen aber auch noch eine andere Sache ganz klar: Wählen ist wichtig, ganz egal wie faul oder verkatert man ist. Wer über die Wahrnehmung seiner demokratischen Rechte und Gruppenzwänge hinaus noch ein Argument dafür braucht, dem liefern die nackten Zahlen noch eines. Genau genommen sogar vier:

1. Die Innere Stadt bleibt weiterhin bei der ÖVP. Das sah zwischenzeitlich auch anders aus. Am Ende betrug der ÖVP-Vorsprung vor der SPÖ 137 Stimmen.

2. In Simmering stellt die FPÖ jetzt ihren ersten Bezirksvorsteher. Vorsprung: 401 Stimmen.

3. Die ÖVP verliert Währing in einem dramatischen Finish an die Grünen, die dort in Zukunft die Bezirksvorsteherin stellen. Der Vorsprung betrug am Ende 212 Stimmen.

4. Anders als es lange aussah, bleibt Floridsdorf rot. Vorsprung auf die Freiheitlichen: 955 Stimmen.

Das sind übrigens alles noch lange nicht die historisch dramatischsten Ergebnisse. Vor fünf Jahren lag die SPÖ in Wieden fünf Stimmen vor den Grünen, 14 vor der ÖVP.

Wenn ihr also eure Duelle sucht: Da habt ihr sie. Auf Bezirksebene gewinnt jede einzelne Stimme an Bedeutung. Man sollte also dringend wählen gehen. Spätestens 2020 dann.

Dem Autor auf Twitter folgen: @L4ndvogt