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Sex, Drogen und Luxus: Mein Leben als Hotelpage in einem Fünf-Sterne-Hotel

Mein Job besteht aus so viel mehr als nur dem Herumschleppen von Koffern.

von Anonym
20 Mai 2015, 9:02am

Foto:Jason Kuffer | Flickr | CC BY-SA 2.0

Du hast mich wahrscheinlich schon Hunderte Male gesehen, wie ich bei irgendeinem wichtigen Wirtschaftsgipfel geduldig im Hintergrund warte, im grellen Blitzlicht der Paparazzi-Fotografen eine Autotür öffne und dann den Hauptdarsteller eines Films aus den 90ern in den VIP-Bereich führe, wo er einer verflossenen Liebe nachsteigen kann. Ja genau, ich bin ein Hotelpage.

Es gehört zu meinem Job, alles zu sehen und zu hören. Ich kenne jedes kleinste Detail der Persönlichkeit unserer Gäste und weiß so genau, was sie wollen—oftmals sogar schon, bevor sie das tun.

Es stimmt schon, dass dieser Job mit nichts vergleichbar ist. Ich tauche eine halbe Stunde vor Beginn meiner Nachtschicht auf, um mich um Dinge zu kümmern, von denen du keine Ahnung hast. Ob du es nun glaubst oder nicht, wir sind nicht einfach nur irgendwelche Marionetten, die unbeweglich in der Ecke stehen und darauf warten, dass jemand klingelt. Hinter den Kulissen ist in Wahrheit viel mehr los.

Ich erinnere mich noch an meine erste Nacht. Es ging hektisch zu. Einige Typen aus Saudi-Arabien übernachteten in unserem Hotel—verschwenderische, „neureiche" Geschäftsmänner, die eine halbe Etage komplett für sich allein gebucht hatten. Als ich ankam, hatten sie gerade ihre Familien zu Bett gebracht. Zwar hatte das Hotel nicht zum ersten Mal mit solchen Gästen zu tun, ich persönlich jedoch schon. Mein Chef wies mich an, immer in der Nähe des Telefons zu bleiben, um alle Anfragen so schnell wie möglich bearbeiten zu können. Er versicherte mir auch noch scherzhaft, dass davon wohl schon so einige reinkommen würden.

Und er sollte Recht behalten. Die Geschäftsmänner riefen mich an und verlangten nach Blondinen, Brünetten und rothaarigen Frauen—in dieser Nacht ging niemand alleine zu Bett. Die Bewohner der sechs Zimmer brauchten nur ein paar Stunden, um 50 Flaschen Champagner zu killen. Selbstverständlich lief das alles total diskret ab: Niemand wusste, was in den Suiten vor sich ging—außer mir und den Leuten darin. In dieser Nacht wurde mir klar, dass ich meinen Traumberuf gefunden hatte.

Ein anderes Mal checkte ein bekannter spanischer Geschäftsmann bei uns ein. Er hatte vor Kurzem erst eine wunderhübsche und berühmte Schauspielerin geheiratet, die mit ihrem ersten Kind schwanger war. Ich weiß noch, wie er seiner Frau erzählte, dass er nur schnell auf der Terrasse eine rauchen würde. In Wahrheit buchte er sich jedoch ein Privatzimmer, wo er sich mit seinen Kumpels die Kante gab und alle möglichen Dinge tat, von denen seine Frau besser niemals etwas erfahren sollte. Er muss wohl sogar den Drogendealer auf ein paar Drinks eingeladen haben, denn der Typ hielt sich doch eine ganze Weile bei seinem Kunden auf. Natürlich stand ich im Flur Wache—es ist schließlich auch ein wichtiger Teil meiner Arbeit, jegliche Ereignisse vor den Zimmern zu überwachen und aufzuzeichnen. Selbstverständlich dient das nur der „Sicherheit" der Gäste.


Nachdem ich jetzt schon eine ganze Weile für das Hotel arbeite, kann ich mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass ich wirklich alles gesehen habe. Ich habe Könige und Königinnen getroffen, ich hatte es mit männlichen Premierministern zu tun, die total auf High-Heels stehen, und ich betreute auch schon heimlich homosexuelle Sänger, die sich während ihres Hotelaufenthalts trauten, aus ihrer Rolle zu fallen. Am besten finde ich jedoch unsere etwas anonymeren Gäste—also die Leute, die sich ganz ihren Fantasien und Fetischen hingeben können, ohne dabei einen öffentlichen Aufschrei befürchten zu müssen.

Ich war zum Beispiel vor noch gar nicht allzu langer Zeit damit beschäftigt, ein paar unumgängliche (sprich verdammt langweilige) Aufgaben zu erledigen, als ein weiblicher Gast ins Hotel kam. Sie hatte ziemlich offensichtlich schon ordentlich einen im Tee.

„Ich habe ein Zimmer auf meinen Namen reserviert. Hier ist mein Ausweis", meinte sie zu mir.

„Herzlich Willkommen, Frau Schnaps. Wie war Ihre Anreise?"

„Na ja, schau mich doch mal an."

Da ich nur der Hotelpage bin, kümmere ich mich normalerweise nicht um den Check-In. Wenn der Concierge beschäftigt ist, dann versuche ich, die Gäste so lange zu unterhalten, bis mein Kollege wieder Zeit hat. Aber das war in diesem Fall natürlich nicht genug.

„Bring mir eure teuerste Flasche Champagner aufs Zimmer. Wenn mein Mann da ist, wird er dir ein ordentliches Trinkgeld geben", verlangte sie.

Zu Befehl. Ich finde es ganz schön, wenn mich die Gäste nicht nur wie unnützes Beiwerk oder wie einen glorifizierten Packesel behandeln. Es fühlt sich sogar richtig gut an, wenn sie mich als Mitarbeiter ansehen, dem wirklich etwas daran liegt, ihnen den Aufenthalt zu verschönern.

Es kam für mich kein bisschen überraschend, als mich Frau Schnaps auf dem besonderen VIP-Telefon anrief, anstatt die Nummer der Rezeption zu wählen. Ich wusste, dass sie ein paar „Vitamine" benötigte, um die Nacht durchzuhalten. Selbstverständlich bin ich kein Dealer, aber das Wohlbefinden der Gäste hat bei mir höchste Priorität—ich musste also tun, was zu tun war.

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Es ist noch gar nicht lange her, da checkten drei Leute bei uns ein. Derjenige, der scheinbar das Kommando hatte, war ein großer, relativ attraktiver Mann Mitte 50. Seine Begleitungen hielt ich dabei für seine Kinder: zum einen eine junge Frau mit wunderschönen blauen Augen und langem braunen Haar und zum anderen ein Typ, der wohl ihr Bruder sein musste.

Ich brachte ihre Koffer aufs Zimmer und machte etwas House-Musik an—so wie es von mir verlangt wurde. Dabei fiel mir die Bettaufteilung auf: ein Einzel- und ein Doppelbett. Da wurde mir ziemlich schnell klar, dass es sich bei dem Trio wohl nicht um eine Familie handelte (oder zumindest keine normale). Sie wiesen mich an, die normalerweise verschlossenen Fenster aufzusperren, aber dazu musste ich erst wieder ins Erdgeschoss, um den Schlüssel zu holen. Als ich fünf Minuten später zurückkehrte, war die Party augenscheinlich schon in vollem Gange. Die junge Frau war inzwischen nur noch in ihrer Unterwäsche unterwegs und ihr „Bruder" stand ihr diesbezüglich in nichts nach. Zumindest riss sich der ältere Typ noch einigermaßen zusammen. Allerdings dauerte es dann nur noch gut 15 Minuten, bis die ganze Etage dabei zuhören konnte, wie die drei Gäste lustvoll aufstöhnten.

Im Allgemeinen wird es dann im weiteren Verlauf der Nacht immer ruhiger. Es legt sich eine friedliche Stille über die Flure und die Bewohner der Zimmer driften ab ins Reich der Träume.

Genau diese Ruhe zeigt mir, dass ich einen guten Job gemacht habe. Jeder ist glücklich und zufrieden ins Bett gegangen.

Um diesen Zeitpunkt herum fangen auch meine Kollegen der Frühschicht mit ihrer Arbeit an und kümmern sich um das Frühstück oder um die Dinge, für die ich in der Nacht leider keine Zeit gefunden habe. Dann heißt es für mich „Feierabend". Auf meinem Nachhauseweg denke ich oft darüber nach, mit welchen exotischen Gästen oder Wünschen ich wohl während meiner nächsten Nachtschicht konfrontiert werde. Das kann man jedoch unmöglich voraussagen.

Und genau das ist wohl auch der Grund, warum ich meinen Job so liebe.

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