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Popkultur

Waffen-Shopping im Internet: Im Gespräch mit den Händlern (Teil 2)

Wir haben uns mit Waffendealern unterhalten, die ihre Ware im Internet illegal verkaufen. Es gibt nur wenige, die wirklich seriös sind und euch nicht verarschen. Und sie machen online nur ein kleines Geschäft. Die großen Dinger laufen immer noch auf...

von Dominik Schönleben
31 Juli 2013, 11:00am

Nach meinen Interviews mit Drogendealern im Deepweb habe ich angefangen, mich auch mit Waffendealern anzufreunden. Doch während es für den Einkauf von Drogen mehrere Markplätze und zahllose Anbieter gibt, ist die Auswahl an Waffen relativ gering. Selbst SilkRoad oder Atlantis, zwei der berühmtesten Seiten im Deepweb, verbieten den Verkauf. Während die SilkRoad argumentiert, dass die Nachfrage einfach zu gering ist, halten Atlantis laut eigner Aussage moralische Bedenken davon ab, das Angebot zu erweitern.

Wie sich bereits in Teil 1 herausgestellt hat, ist das Volumen von Waffen, die im Deepweb gehandelt werden, nicht besonders groß. Es gibt in Deutschland vielleicht drei Händler, die dort Waffen anbieten, international sieht es kaum besser aus. 10 bis 15 Anbieter bieten auf dem Black Market Reloaded ihre Waren feil—der letzten verbleibenden Plattform, auf der Waffen öffentlich im Deepweb gehandelt werden.

Klar gibt es auch weiterhin geheime Newsgroups, aber für die benötigt ihr eine persönliche Einladung. Das als großflächigen Waffenhandel im Internet zu bezeichnen, finde ich vermessen.

Wenn etwas kriminalisiert wird, gibt es immer Menschen, die einen Weg finden, ihre Kommunikation darüber vor dem Staat zu verschlüsseln. Mit zwei dieser Menschen habe ich gesprochen und sie haben mir per E-Mail so viele Details über ihr Business erzählt, wie es ihre Sicherheit zuließ.

Glock 27, angeboten auf Black Market Reloaded

Gespräch 1 (Ein Händler aus Deutschland, der seine Ware in verschiedenen deutschsprachigen Foren anbietet):

VICE: Mit welchen Waffen handelst du und wie viele verkaufst du davon im Monat?
Händler 1: Ich verkaufe Pistolen, Reihenfeuerpistolen, Maschinenpistolen, Sturm- und Maschinengewehre. Die Menge ist unterschiedlich, so zwischen drei bis fünf Pistolen und ein bis zwei Gewehre.

Wie läuft so ein Deal bei dir ab?
Bei Neukunden werden die Waffen per Post oder je nach Ort mit einem Privatkurier verschickt. An Leute, die ich länger kenne, und das sind gerade mal ein Dutzend, verkaufe ich face-to-face, aber dies kommt selten vor. Bezahlt wird mit Bitcoins und im Real-Life mit Euro, Gold oder per Tauschgeschäft.

Wenn du die Waffen verschickst, wie verpackst du sie so, dass es nicht auffällt?
Mehrheitlich verkaufe ich an deutsche Kunden, daher ist die Verpackung nur gut gepolstert und nicht speziell präpariert. Bei ausländischen Kunden, mit einem Bestellwarenwert ab 3.300 Euro, werden die Pakete klassisch über die Grenze geschmuggelt und von da weiterverschickt.

Wo kriegst du die Waffen her, mit denen du handelst?
Wenn ich Waffen kaufe, dann kaufe ich Waffen. Ich überprüfe die Ware und frage nicht bescheuert nach wie ein Zivilfahnder im Bioladen, woher die Milch kommt, sonst wird die Milch sauer und du wirst entsorgt ... aber anhand gewisser Indizien kann ich behaupten, dass Makarows, vollautomatische Waffen und Handgranaten aus dem ehemaligen Jugoslawien oder Bulgarien kommen. Neuwertige und moderne Pistolen wahrscheinlich aus Italien oder der Schweiz.


Eine Makarow-Pistole

Worauf sollte man achten, wenn man Waffen im Deepweb kauft?
Bei größeren Börsen sicherlich auf Bewertungen anderer User oder Warnungen vor Scammern.

Wie erkenne ich Scammer?
Scammer schicken keine Bilder oder Bilder von Schreckschusswaffen. Sie haben mangelhafte Waffenkenntnisse und bieten bekannte Filmwaffen wie Glock oder Beretta an. Der Klassiker ist die goldene Desert Eagle.

Drogen bekommst du ja scheinbar recht zuverlässig übers Deepweb. Ein Kumpel von mir hat bereits mehrfach erfolgreich welche gekauft. Ist das bei Waffen auch so?
Die Nachfrage von Drogen ist auch größer als bei Waffen. Im Deepweb gibt es nur eine Handvoll echter Waffenhändler oder -sammler. Sicherlich gibt es genug Seiten, die du über das Hidden-Wiki finden kannst, aber das sind alles Betrüger. Black Market Reloaded ist sicherlich die erste Anlaufstelle für überteuerte Waffen. Aber wegen der teilweise wenigen Bewertungen würde ich das auch mit Vorsicht genießen. Alles andere kriegt man über sein eigenes Netzwerk, das man sich über Jahre aufbaut.

Hast du ein paar interessante Links, die ich mir mal anschauen könnte?
Sorry, für die braucht man eine Einladung.

Verkaufst du auch im Real-Life?
Im Real-Life verkaufe ich nur an gute Freunde oder Sammler, die mir von anderen Händlern vermittelt wurden.

Was kosten die angebotenen Waffen hier im Deepweb so?
Im Deepweb, sowie auf der Straße, ist es für einen Noob viel zu teuer! Musste selber schon über einen Verkäufer lachen, weil er eine alte Polizeipistole für 2.000 Euro angeboten hat.

Hat sich der Waffenhandel im Deepweb mit der Zeit verändert?
Er ist zeitintensiver geworden durch die vermehrte Berichterstattung im Clearweb. Es tauchen immer mehr Spammer, Minderjährige und Journalisten auf, die beschissene Fragen stellen—so wie VICE.

Gibt es irgendwelche Trends beim Waffenhandel im Internet?
An sich gibt es keinen Unterschied, denn das Web ist ein Spiegel der echten Gesellschaft.

Was sind die Nachteile beim Verkaufen von Waffen übers Deepweb?
Bei Neukunden sicherlich die Anonymität und die bleibende Frage, was er vor hat mit der Waffe.

Was glaubst du, wie sicher ist das Ganze für dich ist?
Wer die Sicherheit der Freiheit vorzieht, ist zu Recht ein Sklave ;-)


Smith & Wesson Model 41 .22LR, angeboten auf Black Market Reloaded

Gespräch 2 (Zwei Waffenhändler vom Black Market Reloaded, die zusammen als Partner agieren und ihre Waffen nach Australien, Großbritannien, Amerika und Europa verkaufen. Vermutlich stammen die beiden aus Australien.)

VICE: Habt ihr irgendwelche moralischen Bedenken dabei, Waffen zu verkaufen?
Händler 2: Nein, jeder hat das Recht, sich selbst zu verteidigen, und wenn sie es für etwas anderes verwenden, dann machen sie das auf eigene Verantwortung. Wer sind wir, dass wir irgendwem Vorschriften machen.

Welche Waffen verkauft ihr?
Hauptsächlich Handfeuerwaffen, aber vor Kurzem haben wir auch angefangen, mehr Auswahl anzubieten, zum Beispiel Sturmgewehre. Wir verkaufen so vier bis fünf Waffen im Monat.


M16 A1 5.56 Nato Military Issue Combat Rifle, angeboten auf Black Market Reloaded

Wie läuft das mit der Bezahlung ab?
Nur in Bitcoins, das Geld geht durch das Treuhändersystem auf dem Black Market Reloaded. Wir erhalten das Geld erst, wenn du deine Ware erhalten hast—wir haben eine Erfolgsrate von 100% (dies wird auch durch Bewertungen anderer User bestätigt). Wir halten dich während dem ganzen Transport per Tracking auf dem Laufenden.

Wie schafft ihr die Waffen über die Grenze?
Alles, was ihr Wissen müsst, ist, dass wir 100% Erfolgsrate haben.

Wie steht ihr zu der Entwicklung des Bitcoin-Kurses?
Wir haben ziemlich viel Geld beim Bitcoin-Crash vor einem Monat verloren. Wir hatten einige Bestellungen kurz vor dem Crash.

Wo kriegt ihr die Waffen her, die ihr verkauft?
Wir haben verschiedene Quellen. Das hängt vom Typ ab. Viele unserer Kunden wollen keine Waffen von der Straße, sondern kaufen nur nagelneue Waffen. Die meisten machen sich Sorgen um ihre Sicherheit oder sind Hobbyisten, die in ihrem Land keine Waffen kaufen dürfen.

Wie kann ich mich gegen Scammer absichern?
Der Black Market Reloaded ist die einzige Seite im Deep Web mit zuverlässigen Verkäufern. Sei misstrauisch. Benutze immer das Treuhändersystem und selbst dann sei vorsichtig. Kauf nur von Händlern mit vielen guten Bewertungen.


Glock 26 Gen 4 9mm, angeboten auf Black Market Reloaded

Wie erkenne ich also Leute, die mich verarschen wollen?
Kein echter Verkäufer wird dich vor der Warenübergabe nach Geld fragen. Kauf nur mit Bitcoins, alles andere ist Scam. Kein echter Verkäufer würde andere Währungen annehmen. Achte auch auf unrealistische Angebote, zum Beispiel eine fabrikneue Vollautomatik MP5 für nur 6000 australische Dollar (4200 Euro). Wenn es zu günstig ist, dann ist es ein Scam. Echte Verkäufer verkaufen mit riesigen Margen.

Welche Preise verlangt ihr demnach?
Extrem teuer, denn das Verschicken ist kostspielig. Die Fähigkeit, Waffen am australischen Zoll vorbei zu schmuggeln, ist ziemlich wertvoll. Unsere Preise sind normalerweise um die 2650 Dollar (1800 Euro) für eine Waffe, die hier neu 700 Dollar (500 Euro) kostet. Aber viele Leute können diese Waffen nicht anders kriegen.

Habt ihr vorher auch im Real-Life Waffen verkauft?
Ja, unsere echten Jobs und der Verkauf im Real-Life bringen viel mehr Geld. Das hier sind nur nette 10.000 Dollar (7000 Euro) pro Monat, die wir nebenher machen.

Hat der Online-Waffenverkauf irgendwelche Einflüsse auf den Real-Life-Waffenhandel?
Haha, auf keinen Fall. Die Menge, die hier verkauft wird, ist verschwindend gering.

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Was ist das größte Risiko für euch?
Wir müssen zu unserem Postfach gehen, oder jemanden dafür bezahlen, der es macht, um unsere Waren zu verschicken.

Haltet ihr es für wahrscheinlich, dass man euch erwischt?
Nein, keine Chance. Alle Bestellungen werden PGP-verschlüsselt und danach aus unserem System gelöscht. Unsere Computer sind verschlüsselt und wir zeigen niemals unser Gesicht.

Ist online die beste Alternative, um an Waffen zu kommen?
Das hängt davon ab. Wenn du die richtigen Leute kennst und irgendwo lebst, wo es Waffen im Überfluss gibt, dann nein. Wenn du wenig Geld hast, dann auch nicht. Solltest du aber keine Waffendealer kennen oder willst einfach nur auf Nummer sicher gehen, dann ist es die beste Methode für jemanden aus der Mittel- oder Oberschicht. Das Risiko wird minimiert: Ich kenne viele Waffenhändler, die voll auf Crack sind und einen Hang zur Gewalttätigkeit haben.

Hast du eine Ahnung was deine Kunden mit den Waffen machen?
Das geht uns nichts an. Jedoch sind viele einfach Sammler oder kaufen sie als Sportschütze. Einige kaufen sie zum Selbstschutz, andere vermutlich auch, um offensive Handlungen zu unternehmen. Was sie damit machen, liegt in ihrer eigenen Verantwortung. Jeder ist nur für sein eigenes Handeln verantwortlich.