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Rechtsextremismus

Das Anti-Flüchtlingsschiff der "Identitären" sitzt fest – angeblich wegen Schlepperei

Die Bootscrew des Schiffes, ironischerweise eine Minderheit aus Sri Lanka, hat anscheinend in Zypern um Asyl angesucht und angegeben, Geld für den Transport bezahlt zu haben.

von VICE Staff
26 Juli 2017, 4:06pm

Imago: Joker

Dass NGOs für das Sterben im Mittelmeer verantwortlich sein sollen, finden neben der FPÖ und Außenminister Kurz auch die sogenannten "Identitären". Während die einen auf politischer Ebene versuchen, die Menschen davon abzuhalten, nach Europa zu kommen, versuchen es die anderen direkter. Also sammelte die "Identitäre Bewegung" bis dato zirka 100.000 Euro, um mit der Aktion "Defend Europe" Schlepper davon abzuhalten, Menschen nach Europa zu bringen.

Dazu wurde nach anfänglichen Schwierigkeiten wie der Tatsache, dass Kickstarter nicht mitmachen wollte und dann auch noch eine Bank ihr Konto sperrte, schließlich ein Schiff gekauft und die "C-Star" genannt. Damit sollen Flüchtlinge zurück nach Libyen gebracht werden, wobei vielen noch nicht ganz klar ist, wie sich die Bewegung das überhaupt vorstellt.

Der österreichische Leiter, Martin Sellner, der maßgeblich an der Aktion im Mittelmeer beteiligt ist, hat jedenfalls auf Twitter geschrieben, man werde "jedes Schlepperboot versenken". Die Polizei Wien antwortete auf Twitter, sie sehe sich das mal genauer an.

Interessant schien im Vorfeld die mögliche Option, dass die Aktivisten selbst möglicherweise in die Lage kommen könnten, Menschen vor dem Ertrinken "retten zu müssen". Denn wer auf See in Not gerät, muss vom nächstgelegenen Schiff in Sicherheit und an den nächstgelegenen sicheren Hafen gebracht werden. Die verantwortliche Seenotrettungsstelle könnte auch die sogenannten "Identitären" auffordern, Menschen in Sicherheit zu bringen.

Die verantwortliche Seenotrettungsstelle könnte auch die sogenannten "Identitären" auffordern, Menschen in Sicherheit zu bringen.

Am Mittwoch kam dann die Meldung raus, dass die C-Star derzeit vor Famagusta vor Anker liegt und ihr Kapitän festgenommen wurde. Und nein, nicht wegen "Behinderung von Rettungsaktionen" oder ähnlichem, was man vielleicht von den sogenannten Identitären vermuten würde, sondern ausgerechnet wegen "Schlepperei".

Die Bootscrew des Schiffes, die ironischerweise aus der tamilischen Minderheit aus Sri Lanka bestand, hat anscheinend im türkischen Teil von Zypern um Asyl angesucht. Dabei haben sie angegeben Geld für den Transport bezahlt zu haben. Zusätzlich wird dem Besitzer des Schiffes auch vorgeworfen Waffen im Wert von 2 Millionen Dollar über die Grenze gebracht zu haben.

Beide Vorwürfe sind aber noch nicht bestätigt. Die "Identitäre Bewegung" weißt alle Vorwürfe entschieden ab. Die Tamilien, die um Asyl angesucht haben, seien angeblich für eine Kapitänsausbildung an Bord gewesen. Sie hätten nur Asyl beantragt, weil lokale NGOs sie "massiv gedrängt" hätten einen Antrag zu stellen, als sie für einen Crewwechsel an Land gingen.

Screenshot von Twitter: Mirza Buljubasic