Foto: imago | Gartner

Die 5 treudoofsten Lebensweisheiten aus Pietro Lombardis erstem Buch

Auch in seinem Erziehungsratgeber 'Heldenpapa im Krümelchaos' kommt der Sänger vor allem zu einem Schluss: Hauptsache, Alessio geht’s gut!

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10 Jänner 2018, 12:09pm

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Pietro Lombardi ist ein einfacher Mann. Das ist keine Beleidigung, das ist eine neutrale Feststellung. Der Sänger und Reality-TV-Star, der durch Deutschland sucht den Superstar bekannt wurde, will keine Millionen verdienen oder mit seiner Kunst den gesellschaftspolitischen Wandel vorantreiben. Pietro mag Käppis, vergisst beim Einkaufen im Supermarkt das Klopapier, und hat schlussendlich nur einen Wunsch: ein guter Vater zu sein.

Zusammen mit seiner DSDS-Mitkandidatin und Ex-Partnerin Sarah bekam er 2015 den gemeinsamen Sohn Alessio. RTL2 begleitete die Lombardis bei den Geburtsvorbereitungen, beim Hausbau und beim alltäglichen Miteinander und machte das Paar dadurch auch außerhalb der Casting-Show-Blase bekannt. Als sich die beiden 2016 trennten, überschlugen sich die Medien in der Berichterstattung, als hätte Hillary Clinton Donald Trump überfahren. Der Ausspruch "Hauptsache, Alessio geht's gut!" wurde zum Meme. Eigentlich war es also nur eine Frage der Zeit, bis der 25-Jährige seine Erfahrungen als junger Vater in eine Art Erziehungsratgeber packt.

Heldenpapa im Krümelchaos ist todeslangweilig, manchmal ein bisschen dumm, oft aber auch sehr rührend. Und Pietro Lombardi wäre nicht Pietro Lombardi, wenn er seiner Leserschaft dabei nicht die ein oder andere Inspiration für einen nachdenklichen Facebook-Post mit Bild mit auf den Weg geben würde.


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"Ich höre meistens auf mein Herz. Das ist immer noch der beste Ratgeber."

Es gibt Menschen, die sind sehr verkopft, verlieren sich in hochintellektuellen Theorien oder treffen Entscheidungen erst dann, wenn sie jedes mögliche Szenario mental durchgespielt haben. Und dann gibt es Leute wie Pietro Lombardi. Er gehört zu der Sorte Mensch, die Situationen ganz allgemein danach beurteilen, wie man sich gerade fühlt. Also heiratete er seine Casting-Show-Kollegin, weil man eben heiratet, wenn man sich lieb hat. Beide Lebensentwürfe haben Vor- und Nachteile.

Im Fall von Pietro hat diese Art der Entscheidungsfindung überhaupt erst seine Karriere ermöglicht, schreibt er in seinem Buch. Mit dem Singen angefangen, was er davor immer sehr "unmännlich" fand, hat er nämlich nur, weil er "in einem emotionalen Moment" das Lied "Grüne Augen" von Sefo "auswendig gelernt" und nach Ermunterung durch seine Kumpels auf YouTube hochgeladen hat. "Der Rest ist Fernsehgeschichte."

Dass nur Herz aber eben auch nicht immer die beste Entscheidung ist, wird spätestens nach der Lektüre von Heldenpapa im Krümelchaos klar. Pietro erzählt ausgiebig, wie er liebevoll mit Alessio gespielt hat, während seine Sarah sich um Rechnungen und andere intellektuell anspruchsvollere Erwachsenendinge gekümmert hat. Nach der Trennung war der Sänger aufgeschmissen und fühlte sich "wie ein Junge, den man in der Wildnis ausgesetzt hat". Seid also nicht nur Pietro, liebe Leser, seid auch ein bisschen Sarah.

"Wenn man ein Kind hat, ist man eigentlich gar nicht mehr so richtig Single."

Wenn eine Liebe in die Brüche geht, gerade eine so junge wie die der Lombardis, stellt sich irgendwann zwingend die Frage: Wie geht es jetzt weiter? Nicht nur mit der Erziehung des gemeinsamen Kindes, sondern auch mit dem eigenen Liebesleben. Wenn es nach Heldenpapa im Krümelchaos geht, scheint dieses Thema jedoch keine große Rolle für Pietro zu spielen. Zwischen Kochversuchen, Bauklötzen und dem Versuch, als ehemaliger "Pascha" ganz alleine den Haushalt zu schmeißen, erscheint der Sänger beinahe wie ein sexuell bedürfnisloses Wesen.

Alessio, so wirkt es, ist ihm genug. Die einzigen anderen Menschen, die außer Sarah, Sarahs Familie und Business-Partnern in seinem Leben zu existieren scheinen, sind die Zarellas: Ex-Bro'Sis-Sänger Giovanni, seine Modelfrau Jana Ina und Giovannis Bruder Stefano. Die Kapitel-Überschrift "Pietros neue Partnerin" liest sich zwar wie der feuchte Traum eines jeden Promiflash-Redaktionsmitglieds, der anschließende Text stellt aber lediglich klar, worauf sich eine potenzielle neue Liebschaft einstellen muss:

"Ich werde niemals die Mutter meines Kindes unter den Tisch fallen lassen, nur damit sich eine andere Frau wohler fühlt", erklärt Pietro, schließlich seien Sarah und er durch Alessio für immer aneinander gebunden. Vielleicht ist das große "Liebes-Comeback", von dem deutsche Boulevard-Medien seit über einem Jahr träumen, aber auch nicht endgültig ausgeschlossen.

Foto von der Autorin

"Ein großer Feind des Mittagsschlafs ist der Postbote."

Falls der Buchtitel Heldenpapa im Krümelchaos noch nicht eindeutig genug war: In Pietro Lombardis literarischem Debüt geht es um die Banalität des Elternalltags mit all ihren trivialsten Herausforderungen. Akribisch wird über Kapitel hinweg erzählt, wie Pietro Schwierigkeiten damit hat, seinem Kind saubere Sachen anzuziehen. Oder die sauberen Sachen nicht direkt wieder dreckig zu machen. Oder sich selbst nicht dreckig zu machen. Vor allem beim Windelnwechseln!

All das wird mit einer derartigen Detailverliebtheit beschrieben, scheinbar ohne jede Angst davor, dass der Leser gelangweilt sein könnte, dass man sich in eine dieser Gesprächssituationen versetzt fühlt, in der alle anderen um einen herum Kinder haben und sich über Stunden hinweg begeistert über Kacke unterhalten. Auch beim Füttern, Spielen und Einkaufen geht immer irgendetwas sehr Kleines schief und wird durch Pietros sehr engagierten Einsatz verschlimmbessert – am Schluss gibt es aber natürlich trotzdem immer ein Happy End.

Bis auf die Sache mit der Post. Die klingelt nämlich immer genau dann, wenn Alessio und Pietro ihren Mittagsschlaf halten. "So ein crazy Vormittag mit meinem Sohn kann nämlich ganz schön anstrengend sein." Für alle Eltern, die anschließend ebenfalls Probleme damit haben, ihre Kinder wieder in den Schlaf zu wiegen, hat der Musiker eine Liste mit den "Top 5 Einschlafliedern für Alessio" zusammengestellt. Auf Platz Zwei: "Señorita" von Kay One. Und Pietro, natürlich.

"Alessios Durst ist wichtiger als jeder Insta-Post."

Pietro Lombardi ist eine Person, die in der Öffentlichkeit erkannt wird. Das mag für viele Musiker eine unwillkommene Begleiterscheinung ihres musikalischen Schaffens sein. Wer große Teile seines Privatlebens von Fernsehkameras hat einfangen lassen, kann sich aber eben auch nicht mehr ganz so authentisch darüber beschweren.

Es nervt Pietro zwar manchmal, wenn er im Baumarkt beispielsweise von einer Verkäuferin angehimmelt wird, während er verzweifelt versucht, sich daran zu erinnern, wie Kindersicherungen für Steckdosen heißen. Trotzdem teilt er schöne Momente aus seinem Alltag gerne auf Instagram und Facebook. Außer sein Sohn ist zu Hause und verlangt seine volle Aufmerksamkeit. Fair enough.

Der Kampf zwischen Fanbefriedigung und der Aufgabe, ein aufmerksamer Vater zu sein, findet seinen Höhepunkt im Kapitel "Status-Update". Stundenlang versucht Pietro, ein Foto bei Instagram hochzuladen und mit der Bildunterschrift "Wow! Tolle Show gestern. Seht euch diese Crowd an! Mega!!!" zu versehen. Aber sein Sohn kommt immer dazwischen. Am Schluss, spätabends, wird das Foto dann aber doch noch gepostet. Wenn auch mit Abstrichen, erklärt Pietro. "Vielleicht habe ich auch einfach nur 'Wow!' oder 'Mega!' geschrieben." Es ist eben nicht einfach, Vater UND Influencer zu sein.

"Am Ende des Tages sind wir doch alle nur normale Menschen."

Eine Feststellung wie ein Wandtattoo. Und trotzdem: Wenn man sich durch die etwas über 200 Seiten von Heldenpapa im Krümelchaos gekämpft hat, kann es eigentlich kein passenderes Fazit geben. Pietro Lombardi mag bei DSDS gewonnen und große Teile seines Lebens mit Kamera-Teams von RTL2 geteilt haben, schlussendlich steht aber auch er überfordert im Supermarkt oder kippt Dinge um. Vielleicht sogar noch ein bisschen öfter als der Durchschnittsmensch.

Der Sänger zeigt in seinem Buch, dass er vieles nicht kann, vieles nicht weiß und dabei wahrscheinlich viel mit seinen Fans gemein hat. Da kann man mit dem Finger drauf zeigen und lachen. Sich sagen: "Mensch, der Pietro, der war ja sowieso noch nie so das Brain!" Oder man liest die Absätze, in denen sich ein junger Vater ganz uneitel emotional nackig macht und fragt sich, ob an den ausgelutschten Sinnsprüchen à la "Geld macht nicht glücklich" oder "Vor dem Tod sind alle gleich" nicht doch etwas dran ist.

"Da sitzt ein junger Mann Anfang zwanzig, völlig allein und voller Sorge um seinen Sohn, der nicht einmal ein paar Stunden alt ist", schreibt Pietro über den Moment, an dem klar ist, dass sein Alessio wegen eines Herzfehlers operiert werden muss. "Ob dieser Mann sonst im Fernsehen ist, ob er singt oder Blödsinn macht, ist in dem Moment völlig egal." Man muss kein begeisterter Zuschauer von Sarah & Pietro bauen ein Haus, Sarah & Pietro bekommen ein Baby, Sarah & Pietro mit dem Wohnmobil durch Italien oder Sarah & Pietro - Die ganze Wahrheit gewesen sein, um hier mitzufühlen.

Andererseits: "Normale" Menschen bekommen kein Geld dafür, auf rund 200 Seiten immer und immer wieder die gleichen fünf Anekdoten breitzutreten. Vielleicht gibt es also doch einen klitzekleinen Unterschied.

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