Wir haben österreichische Universitäten nach Hässlichkeit sortiert

"Das Gebäude sieht aus, als hätte sich ein dreijähriges Kind zum ersten Mal an seinem Lego-Baukasten ausgetobt und alle Bauteile gleichzeitig verbaut." – Platz 3: Vetmeduni Wien.

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17 Jänner 2019, 5:45am

Foto: Julius Silver

Schließt einen Moment eure Augen und stellt euch ein Universitätsgebäude vor. Ein Monument, prunkvoll und erhaben; ein barockes Architekturwunder inmitten einer sattgrünen Wiese. Dort sitzen fleißige Studierende mit Büchern und philosophieren über Kant, Hegel und Foucault. Das kühle Grau der Fassade wird durch die Sonneneinstrahlung zu einem warmen Beigeton. Ein lateinischer Schriftzug bahnt sich unterhalb des Dachgiebels. Darüber, auf dem Dachsims, trohnen halbnackte griechische Gottheiten. Steinerne Säulen stützen die prunkvollen Arkaden im Innenhof. Ein Gebäude, das seinem Zweck gerecht wird. Eine Hommage an die Lehre und die Wissenschaft.

Und jetzt öffnet die Augen und stellt euch der bitteren Realität. Jede und jeder Studierende weiß, dass viele der österreichischen Unis trostlose Betonhaufen sind, die es nie zum Postkartenmotiv schaffen werden. Wir haben uns die hässlichsten Unis in Österreich angeschaut und sie nach Hässlichkeit sortiert.

5. Universität für angewandte Kunst, Wien

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Foto: privat

Eigentlich ziemlich ironisch, dass Platz fünf der hässlichsten Universitäten an eine Kunstuniversität geht. Niemand kann von den Studierenden erwarten, kreativ zu sein, wenn sich nicht einmal die Architekten und Architektinnen bei der Gebäudeplanung Mühe geben. Ein weißes, rechteckiges Haus – war die Vorlage für die Uni ein leeres Blatt Papier? Die roten Farbakzente sollten wohl die offensichtliche Lustlosigkeit vertuschen. Nice try, but no.

4. Geiwi-Turm der Leopold-Franzens-Universität, Innsbruck

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Foto: Universität Innsbruck

Der Beton Brutalismus der siebziger Jahre hat hässliche Spuren im Innsbrucker Stadtbild hinterlassen. Einer dieser Betonhaufen ist der Turm der geisteswissenschaftlichen Universität am Innrain. Obwohl das Gebäude fast nur aus Fenstern besteht, ist es im Inneren trotzdem stockfinster. Vielleicht liegt es an den vergilbten Jalousien, die das Gebäude noch heruntergekommener aussehen lassen.

Wäre die GeiWi ein Familienmitglied, wäre sie die mürrische Tante mit gelben, vom Tabakrauch verfärbten Zähnen. Ihre bloße Anwesenheit raubt jeder und jedem in ihrer Umgebung die Lebensfreude. Im Jahr 2020 soll mit dem Bau der neuen Chemie Universität das nächste Hochhaus am Campus am Innrain entstehen. Viele Fenster und Stahl: Die Gebäudepläne sehen dem GeiWi Turm erschreckend ähnlich. Wenn sich die Architektinnen und Architekten inspirieren lassen wollten, warum dann nicht vom schönen, historischen Gebäude der Hauptuni daneben? Nein, sie entschieden sich für den trostlosen Betonklotz.

3. Veterinärmedizinische Universität, Wien

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Foto: Julius Silver | Vetmeduni Vienna

Spätestens seit Ted Mosby und "How I met your Mother" wissen wir, dass alle Architektinnen und Architekten davon träumen, ein bedeutendes Gebäude zu planen: ein Museum, ein Theater oder eine Universität (nicht wie die hässlichen Unis aus unserer Liste, eher wie die schönen aus unseren Tagträumen). Und dann gibt es noch jene Gebäude, die im Lebenslauf eines Architekten verschwiegen werden. Dazu gehört die veterinärmedizinische Uni in Wien.

Die Zufahrtsgitter und Kontrollposten sehen aus, als würden sie zu einem Hochsicherheitstrakt oder einer Militärkaserne gehören, die Häuser dahinter sehen aus wie alte Fabriksgebäude. Als hätte sich ein dreijähriges Kind zum ersten Mal an seinem Lego-Baukasten ausgetobt. Ein Junior-Architekt, der alle Bauteile gleichzeitig verbauen wollte, ohne darauf zu achten, ob es am Ende zusammenpasst.

2. Technisch-Naturwissenschaftliche Fakultät der Johannes Kepler Universität, Linz

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ehemaliger Rektor Richard Hagelauer vor TNF-Turm der JKU | Foto: JKU

Die Linzer Studierenden haben es nicht leicht. Linz ist das Herz der österreichischen Industrie, und Industriestädte sind nicht gerade für ihre schöne Architektur bekannt. Der TNF-Turm der Johannes Kepler Universität reiht sich zu dutzenden anderen architektonischen Schandflecken in Linz. Den Studierenden, die in dieser trostlosen Umgebung einen klugen Gedanken fassen oder auch nur irgendwie kreativ sein können, gebührt Anerkennung.

Momentan wird der Turm umgebaut. Er wird nochmal um 60 Meter höher. 130 Tonnen Stahl sollen zusätzlich verbaut werden. Noch mehr Stahl und Beton – klingt nicht danach, als würde das die Universität auch nur ansatzweise schöner machen. Die Aussichtsplattform, die entsteht, ist angesichts der Linzer Skyline auch nur ein spärlicher Trost.

1. Wirtschaftsuniversität, Wien

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Foto: BOAnet

Die Wirtschaftsuni in Wien ist ein hochmodernes Gebäude, entworfen von renommierten Architektinnen und Architekten aus aller Welt. Zu ihnen zählt auch die mittlerweile verstorbene Stararchitektin Zaha Hadid.

Aber mal ehrlich, das Gebäude könnte einem dystopischen Science-Fiction Drama von Christopher Nolan entsprungen sein. Die Hauptdarstellerin läuft vor dem Weltuntergang davon, während hinter ihr die seit Jahren rostenden Gebäude in sich zusammenfallen. Die kupferfarbene Fassade der Universität besteht aus wartungsfreiem Stahl. Wozu auch Wartungsarbeiten, wenn das Gebäude jetzt schon alt und verrostet aussieht – aber hey, immerhin ist die Uni ökologisch.

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