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Verdient der SilkRoad-Gründer die Freiheit?

Die Familie von Ross Ulbricht glaubt an seine Unschuld und kämpft für ihre Wahrheit und um ihn aus dem Gefängnis zu holen.

von Anne Lachmann
22 November 2013, 8:35am

Es wirkt etwas paradox: Ein melodramatisches Video bittet um Mitgefühl für jemanden, der vermeintlich bis vor kurzem noch das glamouröse Leben eines Cyberkriminellen lebte.

Ross Ulbricht wurde vergangenen Monat verhaftet, da er verdächtig wird, den vom FBI geschlossenen Online-Drogenmarktplatzes SilkRoad betrieben zu haben. Auch wenn seitdem eine Gruppe aus ehemaligen Kollegen und Fans eine neue Version von SilkRoad eröffnet hat, sitzt Ross selbst weiterhin in Einzelhaft. Gleichzeitig kamen immer mehr Informationen über ihn selbst ans Licht, und auch über die zum Teil haarsträubenden Anfängerfehler des ersten SilkRoad-Betreibers.

Nun hat die Familie von Ross eine Kampagne zur Prozesskostenfinanzierung ins Leben gerufen. Der Ross Ulbricht Defense Fund plädiert für seine Unschuld und erklärt auf der offiziellen Webseite, wie wichtig es für die Allgemeinheit wäre, dass Ulbricht viel Unterstützung bekommt. Die Unterstützer erhoffen sich mit der Kampagne 370.000 Euro innerhalb des nächsten Monats zum Begleichen der Anwaltskosten zu sammeln. Das Video, das oben zu sehen ist, wurde gestern auf ihrer offiziellen Webseite veröffentlicht.

Der Ross Ulbricht Defense Fund gibt sich alle Mühe, zu zeigen, was für ein feiner Kerl der Ross doch ist. Abgesehen von den anonymen Gastbeiträgen von Familienmitgliedern und Freunden, die kitschiger nicht sein könnten, bietet die Seite ein Porträt das 'wahren' Ross Ulbricht. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass dort auch seine Unschuld betont wird. Um den ganzen Worten Nachdruck zu verleihen, ist auch ein entsprechend Schwiegersohn-mäßiges Fotoalbum zu besichtigen.

Auf Official Defense Site of the Ulbricht Family kann man sich alle Bilder auch vergrößert ansehen.

Es dauert nicht lange, bis einem klar wird: Ross Ulbricht ist ein Katzenliebhaber, kann unglaublich toll mit Kindern umgehen und er liebt seine Familie und Freunde über alles. Kann das wirklich der erfolgreichste Kriminelle des Darknets sein? Ein Mann der angeblich nicht nur einen, sondern gleich zwei Auftragskiller anheuerte?

Sein Anwalt wird heute aussagen, dass Ross Ulbricht in Wirklichkeit nicht der berüchtigte Dread Pirate Roberts ist, um zu erreichen, dass er auf Kaution vorerst freigelassen wird. Die Kaution beträgt stolze 750.000 Euro, und die Familie hat schon kräftig gesammelt: Ulbrichts Eltern haben 520.000 Euro Eigenkapital zur Verfügung gestellt, seine Schwester in Australien bietet 30.000 Euro und sein Stiefbruder satte 75.000 Euro.

Ich frage mich, ob Ulbrichts Familie tatsächlich aus Familienliebe eine solche Summe zusammenkratzt, oder ob sie diese Ausgaben nicht vielleicht auch als Investition mit eigennützigen Hintergedanken verbuchen. Sollte Ulbricht tatsächlich Dread Pirat Roberts sein, auch wenn sein Anwalt sagt, er sei es nicht, dann kann die Familie davon ausgehen, dass alle Ersparnisse, die für die Kaution draufgehen, bald wieder auf ihr Konto zurückwandern. Und vielleicht ja auch ein kleines bisschen mehr. Denn laut dem FBI hat DPR um die 15.000 Euro Umsatz gemacht—pro Tag. Den Inhalt seines Konto schätzt das FBI auf etwa 2,5 Millionen Euro, allein durch den Betrieb von SilkRoad.

Jetzt bleibt es dir überlassen, ob du glaubst, dass Ross ein unschuldiger armer Schlucker ist, dem man helfen muss—oder, dass er zwar schuldig ist, es aber trotzdem verdient rauszukommen. Du hast nun die Chance deine Meinung nicht nur in einer nächtlichen Kneipenrunde zur Diskussion des ach-so-überflüssigen Kampfes gegen die Drogen kundzutun, sondern kannst nun sogar eine kleine Spende sprechen lassen.

Die Höhen und Tiefen von Silk Road:

Aufstieg und Fall eines Drogenimperiums

Die Anfängerfehler des Silko Road Betreibers

Trotz Abschaltung von Silk Road bekräftigt Tor seine Sicherheit

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