Film

Donnie Yen ist der heimliche Star von 'Rogue One'

Mit dem 'Star Wars'-Film ist dem 53-jährigen Martial-Arts-Star ein später Durchbruch im westlichen Mainstream gelungen. Hier ein paar Highlights aus der Karriere des chinesischen Kampfkünstlers.

von Joel Mathis
22 Dezember 2016, 8:37am

Foto mit freundlicher Genehmigung von Walt Disney Studios

Mit dem Kinostart haben nicht nur Star Wars-Fans endlich mehr Star Wars bekommen, der 53-jährige Donnie Yen hat auch endlich eine Chance bekommen, einem riesigen Mainstream-Publikum sein Können zu beweisen.

Als der blinde Krieger Chirrut Imwe hat sich Yen nun das Wohlwollen der Fanboys und -girls verdient, doch er gehört eigentlich zu einer Generation der Actionhelden aus Hongkong und China. Chow Yun-Fat, Jet Li und Jackie Chan sind allesamt auch in der westlichen Welt zu Stars geworden, doch bei Donnie Yen hat es trotz Auftritten in Popcornstreifen wie Shanghai Knights und Blade II gedauert.

Vielleicht ist es auch nicht so schwer zu sehen, warum Yen in dieser Aufzählung der Spätzünder ist. Er hat nicht das lodernde Charisma, das ein Chow mitbringt, das Comedy-Talent eines Chan oder die brennende Intensität eines Li. Aber allein mit seinen Moves hat Donnie Yen schon den Superstar-Status verdient. In seinen besten Rollen kombiniert er, so verrückt das klingen mag, einige der besten Eigenschaften von Mel Gibson, Gene "Singin' in the Rain" Kelly und deinem liebsten Charakterdarsteller.

In den Ip Man-Filmen verkörpert Yen zum Beispiel das Märtyrertum und tapfere Leiden (physisch wie geistig), das Gibson so liebt, während er stoisch allen Hindernissen und Feinden trotzt. Wie Hollywoods Tanz- und Choreografielegende Gene Kelly hat sich Donnie Yen im Laufe der Jahrzehnte eine unvergleichliche Anmut und Sportlichkeit erhalten. Und wie dein liebster Charakterdarsteller fungiert er oft am besten, wenn er Teil eines Teams ist. Yen ist immer dann am besten, wenn er mit anderen Größen seiner Generation zusammenarbeitet, ob diese nun vor oder hinter der Kamera stehen.

Ein weiterer Grund, Yen zu feiern: Das Netflix-Angebot mag hier und da durchwachsen sein, doch Donnie-Yen-Filme waren von Anfang an im Programm. Er ist immer da. Wenn du dich an einem Sonntagnachmittag aufs Sofa kuschelst, um einen Kung-fu-Film anzuschauen, dann stehen die Chancen ziemlich gut, dass Yen dabei ist. IMDB listet für seine bisher 32-jährige Karriere 70 Schauspielrollen auf. Er ist unermüdlich. Das heißt, wenn dir seine Arbeit nicht sofort taugt, hast du noch viele andere Gelegenheiten, auf den Geschmack zu kommen.

Doch wenn du in Rogue One bewundert hast, wie Yen Ärsche tritt, dann solltest du dir als Nächstes einen der folgenden fünf Filme geben.

Wing Chun (1994)

Dieser Film—mit der großartigen deutschen Tagline "Gefährlich wie eine Pantherkatze"—entstand zehn Jahre nach Yens Karrierestart. Er spielt an der Seite von Michelle Yeoh und unter der Regie des legendären Yuen Woo-Ping, westlichen Zuschauern am besten bekannt als der Kampfchoreograph der Matrix-Trilogie und von Tiger and Dragon. Yuens Wing Chun ist nicht annähernd so episch wie diese Filme, und Yen ist hier nicht der Star, sondern Michelle Yeoh. Sie entwickelt sich von einer mutigen Dorfbewohnerin, die den Bösen die Stirn bietet, zur einzigen Martial-Arts-Meisterin, die den Oberbösewicht besiegen kann. Yen soll im Grunde mit Humor die Handlung auflockern—seine Romanze mit Yeoh ist eine Verwechslungskomödie à la Shakespeare—, doch er hat trotzdem Szenen, in denen er beweisen kann, dass er selbst als Nebenfigur noch einen würdigen Helden abgibt.

Crouching Tiger, Hidden Dragon: Sword of Destiny (2016)

Der Titel ist irreführend. Diesen Film als Fortsetzung von Tiger and Dragon anzusehen, ist so ziemlich das Schlimmste, was du tun kannst. Stattdessen solltest du ihn als eine Art Nachfolger im Geiste von Wing Chun sehen, denn hier kommen Yeoh, Yen und Yuen wieder zusammen. Es stimmt, die Story ist nichts Besonderes. Und der Film will zu vieles auf einmal—ganz abgesehen davon, dass Netflix damit offensichtlich von einem der größten Titel in seinem Streaming-Stall profitieren will. Aber vergiss das einfach mal für anderthalb Stunden und staune stattdessen, wie Yen und Yeoh, beide über 50, so energiegeladen, anmutig und schön durch ihre Szenen springen, dass die jüngeren Darsteller dagegen ganz alt aussehen. Diesen Film gibt es (natürlich) auf Netflix.

Legend of the Fist (2010)

Spätestens in diesem Film beansprucht Yen für sich den Titel des chinesischen Martial-Arts-Filmhelden. Immerhin stammt seine Figur Chen Zen ursprünglich aus dem Bruce-Lee-Film Fist of Fury (1972); bereits 1994 erweckte Jet Li die Figur in Fist of Legend wieder zum Leben. (Falls du hier eine Bildungslücke hast: In Legend of the Fist trägt Yen ein Kostüm, das an Bruce Lees als Kato in der Fernsehserie Die grüne Hornisse erinnert.) Neben der Action-Choreografie kann Legend of the Fist noch mit einem weiteren Element punkten, nämlich Stil. Das Shanghai der 1930er sieht aus wie ein jazziges Casablanca, wobei das japanische Militär die Nazis ersetzt. Humphrey Bogart hätte sich auf dem Set sicher wohlgefühlt. Auch dieser Film ist auf Netflix zu sehen; du kannst ihn aber auch auf Amazon Video ausleihen.

Die Ip Man-Trilogie (2008 - heute)

Ip Man wird von Martial-Arts-Fans in aller Welt verehrt, nicht nur weil er der Lehrer des großen Wing-Chun-Stars Bruce Lee war. Er ist so berühmt, dass diese Filmreihe mit Donnie Yen nicht die einzige Trilogie über sein Leben ist. In dieser Version spielt Yen den legendären Ip Man als bescheidenen Lehrer, der mit seinen Nachbarn in Frieden leben will, aber ständig gezwungen ist, sie gegen Bösewichte aller Art zu verteidigen. Die historische Wahrheit bleibt dabei eindeutig auf der Strecke: Im Grunde ist Ip Man 2 eine chinesische Version der Kalter-Krieg-Allegorie aus Rocky IV und in Ip Man 3 kämpft Yen gegen ... Mike Tyson, was irgendwie bescheuert und gleichzeitig großartig ist. Alle drei Filme gibt es auf Netflix, ein vierter ist in Arbeit.

Hero (2002)

Das hier ist nicht wirklich ein Yen-Film, aber er ist aus diversen Gründen trotzdem sehenswert. Erst einmal, was für eine Sammlung von Stars: Jet Li! Tony Leung! Maggie Cheung! Zhang Ziyi! Und dann hat das Ganze etwas von einem zeitlos-epischen Drama wie Vom Winde verweht. Drittens: Es gibt diese Kampfszene zwischen Yen und Li. Diese Szene allein wäre schon den Preis einer Kinokarte wert. Nach Hero wirst du ein wenig suchen müssen, denn aktuell gibt es ihn bei keinem der großen Streaming-Anbieter.

Und falls du immer noch nicht genug Donnie hast:

Bodyguards & Assassins (Amazon) ist ein weiteres historisches Epos; Kung Fu Killer (Netflix) zeigt Yen im modernen Actionhelden-Modus und in Flash Point muss Yen undercover gegen die Triade ermitteln.

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