Die Technologieausgabe

Mensch gegen Maschine 7: Wie wir die Kontrolle wiedererlangen

Wie machen wir uns Technologie besser zunutze?

von Samy Kamkar
01 Mai 2017, 4:00am

Fotos: Maria Gruzdeva

Aus der Technologieausgabe.

Samy Kamkar ist Forscher für Privatsphäre und Sicherheit.

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Technologie ist gefährlich. Du läufst mit deinem Smartphone in der Tasche herum und es sammelt persönliche Informationen über dich und über jedes drahtlose Netzwerk in deiner Umgebung. Apps schalten dein Handymikrofon ein, um aus deinen Umgebungsgeräuschen ein maßgeschneidertes Profil über dich zu erstellen. Deine Laptopkamera lässt sich einschalten, ohne dass du es am aufleuchtenden Lämpchen merkst, sodass Hacker und auch die Regierung jede deiner Handlungen beobachten können. 

Hacker können auch übers Internet dein Auto fernsteuern; das Lenkrad, das Getriebe, alles gehorcht ihnen, denn dein Auto ist im Grunde ein fahrender Computer. Ich beschreibe hier keine dystopische Zukunft. Dies ist der heutige Stand der Technik, die auf faszinierende und furchterregende Art dein Leben bestimmt, ob du es weißt oder nicht. Doch du brauchst nicht alle Elektrogeräte wegzuwerfen und in den Wald zu ziehen. Mit ein bisschen Grundwissen kannst du die Kontrolle wiedererlangen.

Mobile Geräte sind am stärksten in unserem Alltag verankert, und die Apps, auf denen alles basiert, haben interessante (soll heißen: schreckliche) Fähigkeiten. Im Hintergrund laufende Apps können deine PIN in Erfahrung bringen oder erkennen, was du tippst, indem sie die unfassbare Genauigkeit des Beschleunigungsmessers und des Gyroskops in deinem Gerät ausnutzen und aus seiner räumliche Bewegung auf die eingegebenen Buchstaben schließen. 

Noch unglaublicher: Forscher haben bewiesen, dass eine App auf deinem Handy dem für Menschen unhörbaren Ultraschall lauschen kann, den der Prozessor deines Computers abgibt, wenn er verschiedene Aufgaben ausführt. Jedes Geräusch ist einzigartig und hängt mit einem bestimmten Vorgang zusammen, sodass ein Angreifer deine Passwörter herausfinden oder sogar hören kann, was du auf dem Computer tippst – alles durch ein Handymikrofon.

Die Technologie breitet sich in immer mehr Lebensbereichen aus und dabei gibt es immer mehr Beispiele dafür, wie ihre Schwächen nicht nur zur Preisgabe von Geheimnissen, sondern auch zu physischer Not führen können. Hunderttausende Menschen in der Ukraine mussten eine kalte Winternacht lang frieren, weil Hacker mit Malware Kraftwerke außer Betrieb gesetzt hatten und das Personal vor Ort davon abhielten, sie wieder in Gang zu bringen. 2015 nutzten Sicherheitsexperten die Assistenzsysteme von Fahrzeugen, die moderne Features wie dynamische Tempomaten ermöglichen, um die Bremsen, Lenkung und das Getriebe eines Jeep Cherokee über das Internet fernzusteuern.

Missbräuche von Technologien können erschreckend sein, doch meist überwiegen die Vorteile, und wenn wir uns bemühen, können wir bessere Entscheidungen treffen, was die Integration der Technologie in unser Leben angeht. Ein einfacher Back-up-Plan kann schon einen großen Unterschied machen. Wenn du Daten hast, die dir wichtig sind, zum Beispiel E-Mails, Fotos oder Dokumente, dann solltest du deine eigenen Back-ups machen. Wenn deine Daten jemals versehentlich oder böswillig aus der Cloud gelöscht werden, bist du sicher in dem Wissen, dass du noch eine Kopie hast. Im Falle eines Feuers oder Diebstahls kann es noch sinnvoll sein, zusätzlich einen günstigen cloudbasierten Back-up-Dienst zu nutzen.

Du solltest dir auch gut überlegen, welchen Apps du welche Rechte einräumst. Wenn du neue Apps auf deinem Handy oder Tablet installierst, dann achte darauf, ob sie seltsame Zugriffsrechte verlangen. Gibt es einen Grund, warum die App auf dein Mikrofon zugreifen muss? Ist es sinnvoll, dieser Website deinen Aufenthaltsort mitzuteilen? Manchmal ist es das, aber du musst dir überlegen, ob dir das geheuer ist. 

Wenn du ein neues Gerät kaufst, muss es online gehen können? Muss dein Toaster vernetzt sein? Muss dein Auto dir E-Mails schicken können, und wenn ja, muss das auf deine normale Adresse gehen? Warum nicht einfach eine separate Adresse für Geräte neben deinem Laptop und Handy einrichten?

Der sicherste Weg zum Schutz deiner Daten ist es, für jedes Konto ein eigenes Passwort zu verwenden und mithilfe eines Passwort-Managers wie LastPass oder KeePass die vielen Passwörter zu verwalten. Wenn eine Zwei-Faktor-Authentifizierung möglich ist, solltest du sie einsetzen. Wenn jemand dein Passwort stiehlt oder hackt, bringt es ihm nichts, weil er gleichzeitig auch dein Handy besitzen müsste.

Technologie mag sich in jeden Winkel deines Lebens schleichen, doch wenn du etwas besser aufpasst, kannst du dir die Macht zurückholen und dafür sorgen, dass die Technik für und nicht gegen dich arbeitet.

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