Marihuana

Wir waren auf einer Messe, auf der Kiffer ihre Traumhochzeit planen

Heiraten – ganz in Grün!

von Manisha Krishnan
27 März 2019, 3:56pm

Die Konditorin Marcia fertigt von Marihuana inspirierte Hochzeitstorten an | Alle Fotos: Manisha Krishnan  

Auf Elizabeths Shirt ist hinten das Wort "Braut" aufgedruckt, vorne ein silbernes Cannabis-Blatt. Die 30-Jährige betritt eine mobile Hotbox, die im Grunde aussieht wie ein typischer Hobbykeller: schwarze Ledersessel, Flachbildfernseher, Fake-Kamin und aufgehängte Fotos von Promis wie Morgan Freeman und Rihanna beim Kiffen. Buckle lässt sich in einen der Sessel fallen und zündet sich einen Joint an. Genau das will sie auch bei ihrer im Herbst anstehenden Hochzeit tun. Dann aber in festlicherer Kleidung.

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Die zukünftige Braut Elizabeth in der mobilen Hotbox

"Das Ganze gehört für mich und meinen Verlobten einfach dazu", erzählt Elizabeth, die mit 15 angefangen hat, Cannabis zu rauchen. "Bei unserem ersten Treffen – ein Blind Date – haben wir direkt gekifft, um das Eis zu brechen und uns kennenzulernen. Ohne das Gras hätten wir wahrscheinlich kein Wort gewechselt."

Wir befinden uns auf der "Canadian Cannabis Wedding Expo", Kanadas erster Hochzeitsmesse, bei der sich alles um Gras dreht. Hinter der Veranstaltung stecken die kanadischen Unternehmen Mary J. Brides und Lifted Cannabis Weddings – beide spezialisiert darauf, Hochzeiten zu organisieren.

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Bei "Tasty Buds" handelt es sich um normale Schokolade, die aussieht wie Weed-Brocken

Wenn man von einer solchen Messe hört, fragt man sich vielleicht nach dem Warum? Wie verbindet man eine Hochzeit mit Cannabis – abgesehen von ein paar Joints oder Edibles während der Feier? Und wieso ist dieses Thema manchen Brautpaaren so wichtig?

Die Messe findet in einem Boutique-Hotel nahe des Flughafens statt. In der Lobby fällt als erstes der bildhübsche Prosecco-Stand auf, der direkt aus einem Pinterest-Post stammen könnte. Abgesehen von dem "Sip & Smoke"-Schild deutet aber noch nichts auf das eigentliche Thema der Veranstaltung hin.

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Links: eine Blumenvase, die auch zur Bong umfunktioniert werden kann; rechts: eine Cannabis-Hochzeitstorte

Verschiedene Unternehmen haben im Konferenzraum ihre Stände aufgebaut und bieten ihre Produkte an. Alles hat dabei einen Bezug zu Gras: Grün-weiße Kuchen sind mit unechten Cannabis-Blättern dekoriert, pastellfarbene Badebomben und mit Cannabis versetzte Wellness-Produkte sollen die Brautjungfern glücklich machen, hochwertige Blunts sind mit 24-karätigem Gold verziert und ein Massage-Therapeut bietet CBD-Massagen für die Angehörigen der Braut an. Aber auch Nicht-Kiffer kommen auf ihre Kosten: Das Unternehmen "Tasty Buds" verkauft Schokolade, die aussieht wie große Weed-Brocken.

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Corey und Laureen organisieren die Messe

"Schon witzig, viele der Pärchen, für die ich die Hochzeit plante, haben sich schon vor der Legalisierung während der Feier etwas Gras gegönnt", erzählt die Messeorganisatorin Laureen Cauryn Cameron. "Da ging schon zwischen der Trauung und dem Empfang ein Joint rum."

Laureen hatte schon mit vielen Brautpaaren zu tun, die Cannabis zu einem wichtigen Teil ihrer Feier machen wollten: Ob kiffen nach dem Kuss oder frische Cannabis-Blätter in den Blumengestecken, Hochzeitsgeschenke mit Weed-Bezug und natürlich diverse Edibles. "Wir sind noch am Anfang, haben aber immer wieder neue Ideen", so Laureen weiter.

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Ein Model bei der Brautkleid-Modenschau

Elizabeth, die zukünftige Braut, will ihren Gästen auf jeden Fall Gras anbieten und Cannabis in die Tischdeko integrieren. Aber auch eine besonderer Tisch zum Joint-Drehen wäre für sie vorstellbar, wenn der Preis stimmt. Auf die Frage, warum Marihuana bei ihrer Hochzeit so präsent sein soll, antwortet Elizabeth mit einer Gegenfrage: "Warum nicht?"

"Cannabis ist jetzt normal, es gehört zum Alltag dazu. An sich ist das nicht anders, als Alkohol auszuschenken – vielleicht sogar entspannter und sicherer", sagt Elizabeth. "Niemand schreit nach ein paar Joints rum und reißt sich den Anzug vom Leib."


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Bei der Hochzeit keinen Alkohol, sondern nur Cannabis anzubieten – dieses Konzept kommt an diesem Tag noch häufiger auf.

Der 27-jährige Verlobte Mitchell erzählt, wie Alkohol und Pillen seine Leber beschädigt haben. "Marihuana hat mir dabei geholfen, wieder gesund zu werden", sagt er.

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Mitchell und Sarah heiraten im August

Mitchell und seine Verlobte Sarah wollen bei ihrer Hochzeit im August nicht nur eine Cannabis-Bar auffahren, sondern auch Bud-Anstecksträußchen und mit Marihuana versetzte Donuts. Zwar wird bei der Feier auch Alkohol angeboten, aber die beiden wollen den Ausschank auf das Nötigste begrenzen.

Das zukünftige Brautpaar Melissa und Robert vertritt da schon eine militantere Ansicht.

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Melissa und Robert planen eine Hochzeit ohne Alkohol

"Bei unserer Hochzeit wollen wir gar keinen Alkohol", sagt Melissa. "Alkohol hat uns früher nur Probleme gemacht. Jetzt sind wir beide trocken und kiffen stattdessen. Wir wollen eine Cannabis-Hochzeit, weil das einfach zu uns passt."

Die 37-Jährige raucht täglich Gras, während Robert als Produktionstechniker auf einer über 5.000 Quadratmeter großen Cannabis-Farm arbeitet. Die beiden wollen sich auf der Messe inspirieren lassen und darüber informieren, wie man einer Hochzeit einen Cannabis-Touch verleiht. Sie denken an eine Kiffecke und an eine mit Gras versetzte Hochzeitstorte.

"Cannabis hat unser Leben unglaublich bereichert. Jetzt können wir endlich offen dazu stehen", sagt Melissa. Viele der anwesenden Brautpaare schlagen da in eine ähnliche Kerbe.

Zum Beispiel Andrew und seine Verlobte Sarah, die eine Hochzeitsfeier auf Jamaika planen.

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Andrew und Sarah wollen ihre Cannabis-Hochzeit auf Jamaika feiern

"Ich wollte schon immer Rastafari sein", sagt Andrew, ein 25-jähriger Sommelier, der zurzeit Gourmets darüber aufklärt, welche Weine zu welcher Cannabis-Sorte passen.

"Ich nehme das Wein-Vokabular und münze es auf Cannabis um. So will ich den Konsum normalisieren."

Andrew und Sarah wünschen sich, dass ihre Mütter bei der Zeremonie zusammen eine Steam Chalice, eine jamaikanische Naturbong, rauchen. Außerdem wollen sie ihre Gäste mit auf eine Führung durch jamaikanische Ganja-Farmen nehmen.

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Das Model Lindsey zieht vor der Fashion Show ihren Lippenstift nach

Im Laufe des Tages klickt es bei mir: Es geht den Paaren gar nicht unbedingt darum, eine Hochzeit mit Cannabis-Motto zu feiern. Die "Kifferpaare" sind eher darauf aus, Gras so weit zu normalisieren, dass es so alltäglich wie Alkohol wird. Die meisten von uns finden es völlig OK, sich einen Cocktail an der Bar zu holen. Wenn wir ehrlich sind, ist das doch bei vielen sogar einer der ersten Gedanken, wenn sie die Hochzeitseinladung kriegen: Wird es eine offene Bar geben?

Der größte Nachteil an einer Weed-Hochzeit ist, dass viele Gäste ihre Grenzen vermutlich nicht so gut kennen – gerade wenn sie Cannabis mit Alkohol kombinieren. Vor allem Edibles können zu einem unerwartet heftigen Rausch führen, weil die Wirkung stark verzögert eintritt.

Gras-Hochzeitsplanerin Laureen ist auf solche Fälle vorbereitet. Sie sagt, sie habe immer ein "Energy-Kit" dabei, darin befinde sich zum Beispiel Pfeffer, der den Leuten beim Ausnüchtern helfen soll. Ihr Team sei auch darauf trainiert, Menschen zu helfen, die zu viel THC erwischt haben.

Was man auf dieser Messe lernt, ist, dass es viel mehr Möglichkeiten gibt, Gras in eine Hochzeit einzubauen, als man denkt. Viel mehr Möglichkeiten als mit Alkohol. Denn Alkohol kann man nicht in die Tischdeko integrieren. Und sich auch nicht ins Knopfloch stecken.

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