Ein 24-jähriger Franzose hat versucht, eine Flüchtlingsunterkunft mit einer Wasserspritzpistole abzufackeln

Seine Werkzeuge: brennender Stoff, flüssiger Grillanzünder und eine Plastikpistole.

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20 Juni 2018, 1:53pm

Foto: imago | Super Express 

Sie fliehen vor Sarin-Bomben aus dem syrischen Chan Scheichun und Schrapnellgeschossen im afghanischen Kandahar. Wenn Flüchtlinge nach Märschen durch Wüsten oder der Überfahrt in einem Schlauchboot in Deutschland ankommen, erwarten sie Sicherheit. Was sie sicher nicht erwarten: jemanden, der brennbare Flüssigkeit mit einer Wasserpistole in ihre Unterkunft spritzt und versucht, sie in Brand zu setzen. Eben das ist in einer Flüchtlingsunterkunft in Baden-Württemberg geschehen.

Am Dienstag drang ein 24-Jähriger kurz nach 9 Uhr auf das Gelände der Flüchtlingsunterkunft in der Nähe von Karlsruhe ein. Der Franzose führte eine gängige Wasserspritzpistole mit sich, die eigentlich dafür da sein sollte, lästige Geschwister zu ärgern und sich auf schwitzigen Festivals abzukühlen.


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Doch der Tatverdächtige hatte die Pistole mit einer leicht brennbaren Flüssigkeit befüllt, laut Staatsanwaltschaft vermutlich mit flüssigem Grillanzünder. An dem Pistolenlauf befestigte er einen brennenden Feststoff. Von der Veranda aus spritzte er die Flüssigkeit durch gekippte Fenster in drei der insgesamt zwölf Container der Unterkunft, wobei sich die Flüssigkeit am Brennstoff aus unbekannten Gründen nicht entzündete.

Im Anschluss zielte er mit der Plastikpistole auf zwei geschlossene Fenster. Die Fliegengitter brannten komplett ab, die Rolläden schmolzen. Auch zwei Wäscheständer fackelte der 24-Jährige ab. Die Polizei schätzt den Sachschaden auf etwa 1.000 Euro. Geflüchtete in der Unterkunft wurden – zumindest körperlich – nicht verletzt.

"Keine Anzeichen für eine politisch motivierte Tat"

Schließlich überwältigten Bewohner der Unterkunft den Mann, die Polizei nahm ihn wenig später widerstandslos fest. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Pforzheim sagte gegenüber VICE, dass der Täter im Umkreis Pforzheims wohne. Ob er Bewohner der Unterkunft kannte, sei aktuell nicht bekannt. Der Tatverdächtige sei wegen kleinerer Delikte polizeibekannt, sagte der Sprecher.

Die Staatsanwaltschaft ermittle nun wegen "versuchter schwerer Brandstiftung". Über ein mögliches Motiv konnte sie keine Auskunft geben. Es scheint aber wahrscheinlich, dass der 24-Jährige vorhatte, größeren Schaden anzurichten: In seinem Rucksack stellte die Polizei weitere Flaschen mit Brandbeschleuniger sicher. Aktuell sehe die Staatsanwaltschaft aber "keine Anzeichen für eine politisch motivierte Tat", so ihr Spreche

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