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Sex

Menschen erzählen, warum volle Blasen und Anpinkeln sie anturnen

"Ich dachte oft, dass mich wegen meiner perversen Neigung gleich ein Blitz trifft." – Über das Leben mit einem besonderen Urin-Fetisch.

von Layla Haidrani
07 Februar 2018, 11:17am

Foto: ImagePixel / Alamy

Es gibt Dinge im Leben, die nerven so richtig: Wespen, langsame Fußgänger, leere Handyakkus oder eine volle Blase, wenn keine Toilette in der Nähe ist. Aber es gibt Menschen, die zumindest Letzteres unglaublich erregend finden – ein Fetisch, der auch als Omorashi bekannt ist.

Omorashi ist Japanisch und bedeutet so viel wie "sich einnässen". Es gibt unterschiedliche Stufen, was Menschen daran genau als heiß empfinden: Einigen reicht es schon, jemanden dazu zu bringen, nicht aufs Klo zu gehen. Andere kommen erst zum Orgasmus, wenn sich jemand in die Hose macht und sich deswegen schämt.

Urin-Fetische sind nichts Neues, von goldenen Duschen oder Urophagie (Urin trinken) liest man – nicht nur bei VICE – häufiger. Bei Omorashi geht es aber darum, sich voll bekleidet einzunässen. Es gibt keine Statistiken, wie viele Menschen diesen Fetisch ausleben – mit einem solchen Thema geht ja auch niemand hausieren.

Zum ersten Mal tauchte der Fetisch Anfang der 1970er Jahre in japanischen Erotikfilmen auf. Heute sind es eher Amateurvideos im Gameshow-Stil. Darin versuchen Menschen, so lange wie möglich einzuhalten. Der Fetisch existiert auch außerhalb Japans. Das australische Wet Set Magazine zielt zum Beispiel auf Frauen ab, die es aufregend finden, sich anzupinkeln. Auf der dazugehörigen Homepage heißt es: "Unsere Mädels müssen immer dringend auf die Toilette und lieben es, sich dann in die Hose zu machen."


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Aber was macht man eigentlich beim Dating oder in einer Beziehungen, wenn man eine volle Blase erregend findet? Nick*, ein mexikanischer Immobilienmakler im Ruhestand, hat den Omorashi-Fetisch seit seiner Jugend. Erste Erfahrungen damit machte er mit 13 Jahren: Seine gleichaltrige Nachbarin litt aufgrund einer Krankheit an Inkontinenz. Nick erinnert sich noch genau, wie erotisch er das fand. Er schämte sich auch dafür: "Ich dachte oft, dass mich wegen meiner perversen Neigung gleich ein Blitz trifft. Ich konnte mir aber nicht helfen", sagt er.

Eines Tages offenbarte Nicks Nachbarin ihm, dass ihr seine körperliche Erregung aufgefallen sei. Sie schlug einen Deal vor: Sie könne sich auf Kommando einnässen, wenn sie dafür mit Nicks erigiertem Penis spielen dürfe. Ihre Omorashi-Vereinbarung hielt ein Jahr, bis die Nachbarin wegzog. Rückblickend bezeichnet Nick diese zwölf Monate als "absolutes Glück".

In den folgenden Jahren versuchte Nick immer wieder, gleichgesinnte Frauen kennenzulernen. Ohne Erfolg. "Ich habe viele einsame Jahre auf einschlägigen Websites verbracht, aber nichts wollte klappen", erzählt er. Erst vergangenes Jahr fand er eine neue Omorashi-Partnerin: Isabel*, eine Krankenschwester aus Kalifornien, die in eines von Nicks Häusern gezogen ist. Das Verhältnis begann mit subtilen Andeutungen. "Sie schrieb mir, dass sie gerne weiter mit mir reden wolle, ihre Blase aber gleich platze", sagt Nick. "Ich schrieb zurück, dass solche Missgeschicke ganz normal seien. Ihre Antwort: 'Auf jeden Fall!'"

Isabel hatte vorher noch nie mit einem Mann über ihren Fetisch gesprochen, es dauerte eine Weile, bis sie und Nick sich sicher waren, dass der jeweils andere auch auf Omorashi steht. Erst bei einem Picknick wurde beiden klar, dass sie wirklich einen gemeinsamen Fetisch haben.

"Wegen der herumfliegenden Pollen musste Isabel ständig niesen. Irgendwann rief sie, dass sie es nicht mehr aushalte. Ihre Hose wurde im Schritt ganz dunkel und sie ließ einfach laufen", erzählt Nick. "Ihre Shorts waren total durchnässt, durch meine Reaktion wusste sie direkt, dass mich das total anmachte."

"Ich kenne Menschen, die seit über zehn Jahren verheiratet sind und nie den Mut gefunden haben, dem Ehemann oder der Ehefrau von ihrem Omorashi-Fetisch zu erzählen."

Da Nick und Isabel nicht in der gleichen Stadt wohnen, sehen sie sich nur ein paar Mal im Jahr. Inzwischen haben sie Wege gefunden, den Fetisch in ihr Sexleben einzubauen. "Oft reicht schon eine einfache Kitzelattacke", sagt Nick. "Ab und an machen wir daraus auch eine Art Spiel." Das sieht zum Beispiel so aus, dass Nick Isabel in einer Bar so lange zum Lachen bringt, bis sie den Druck auf ihrer Blase nicht mehr aushält. "Sie musste vor Lachen schon weinen und verlor dann die Kontrolle", erzählt er lächelnd. Als sie sich in der Bar einnässte, sei Isabel vor Scham errötet, Nick zufolge habe sie es aber gleichzeitig total erotisch gefunden, dass fremde Männer ihr dabei zugesehen hatten.

Die Angst vor Zurückweisung spielt bei Menschen mit Omorashi-Fetisch immer eine gewisse Rolle. "Du brauchst viel Vertrauen, um mit deinem Partner oder deiner Partnerin über eine so ungewöhnliche Vorliebe zu sprechen", sagt Nick. "Ich kenne Menschen, die seit über zehn Jahren verheiratet sind und nie den Mut gefunden haben, dem Ehemann oder der Ehefrau von ihrem Omorashi-Fetisch zu erzählen."

Auch Nick erzählte seiner damaligen Frau lange nichts von seiner Leidenschaft. "Ich wusste zwar von ihrer sexuellen Vergangenheit, spürte aber erst nach mehreren Jahren Ehe das nötige Vertrauen, um das Thema Omorashi anzusprechen."

In Facebook-Gruppen teilen die Mitglieder explizite Fotos und Videos oder holen sich von anderen die Erlaubnis, endlich aufs Klo gehen zu dürfen.

Viele Omorashi-Enthusiasten finden sich daher in Internet-Foren zusammen, zum Beispiel in geschlossenen Facebook-Gruppen. Dort teilen sie explizite Fotos und Videos oder holen sich von anderen die Erlaubnis, endlich aufs Klo gehen zu dürfen. Auf Omorashi-Tumblr-Blogs sammeln Liebhaber Fanfiction und Zeichnungen, andere Communitys tauschen sich vor allem über ihre Erfahrungen aus.

Tom* ist Mitglied einer US-amerikanischen Omorashi-Community. Nachdem er und seine damalige Freundin sich beim Sex gegenseitig angepinkelt hatten, entdeckte er sein Interesse an dem Fetisch. "Das bestimmt aber nicht meinen Alltag", sagt Tom. "Ich habe nur ab und zu Lust darauf. Es kommt immer darauf an, was in meinem Leben sonst noch los ist."

Auch wenn es viel Vertrauen braucht, um solch einen Nischen-Fetisch zusammen auszuleben – Beziehungen entstehen in der Omorashi-Online-Community nur selten. "Die Anhänger des Fetischs tauschen zwar oft E-Mail-Adressen aus, aber abgesehen von der Vorliebe hat man oft absolut nichts gemeinsam", erzählt Nick. "Sowohl meine Nachbarin als auch Isabel habe ich ohne irgendwelche Online-Aktivitäten kennengelernt, beide haben mir auch so von ihrem Omorashi-Fetisch erzählt."

Auch wenn es gesellschaftlich ein Tabu ist, ist es Nicks Meinung nach absolut nicht verwerflich, es sexy zu finden, dass sich andere Menschen in die Hose machen. "Die Gesellschaft will uns vorschreiben, was wir heiß finden dürfen und was nicht", sagt er. "Wenn ich der Allgemeinheit im Gegenzug einen Tipp geben darf: Traut euch ruhig, mal etwas Neues auszuprobieren!"

*Namen geändert

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