Foto

Junge Frauen zeigen sich so, wie sie wollen – an ihren ganz persönlichen Rückzugsorten

Und dabei sehen wir, wie viel Teenagerinnen im Westen und im Nahen Osten gemein haben.

von Elyssa Goodman; fotos von Rania Matar
13 April 2018, 12:32pm

Raissa, Medford, Massachusetts, 2009, aus A Girl and Her Room

"Mein Dasein als Frau bestimmt meine Arbeit", sagt Rania Matar. "Als Frau fotografiere ich die Frau. Dadurch fällt für die Fotografierte der Aspekt weg, objektiviert zu werden. Das hoffe ich jedenfalls." Matars Projekte zeigen Frauen aus dem Nahen Osten und den USA. Sie fotografiert ihre Protagonistinnen da, wo sie am verletzlichsten sind: alleine, in ihrem Zuhause, ihren Zimmern oder an einem anderen privaten Rückzugsort. Das Amon Carter Museum of American Art in Texas widmet ihr gerade eine Einzelausstellung .

Zu Beginn war ihre Arbeit nicht feministisch motiviert, sondern autobiografisch. Als ihre Töchter älter wurden und sie sich ihres eigenen Alterns bewusst wurde, war sie neugierig, wie sich diese Erfahrung für andere anfühlt: "Ich erzähle meine eigene Geschichte, die Geschichte meiner Töchter und die Geschichte all dieser Mädchen und Frauen, die ich fotografiere."

Das Projekt A Girl and Her Room erlaubte es jungen Frauen, sich so zu zeigen, wie sie wollten. Sie fotografierte die Frauen in den USA und im Libanon, wo Teile ihrer Familie herstammen. "Die Geschichten von Frauen im Nahen Osten werden kaum oder wenn, dann verzerrt, erzählt – insbesondere im Westen", sagt die in Boston wohnende Fotografin. "Bei diesen Geschichten geht es tendenziell immer darum, die Unterdrückung der Frauen zu zeigen. 'Oh mein Gott, sie trägt einen Schleier' und solche Sachen. Aber das Leben als Frau im Nahen Osten ist viel mehr als das."

Christilla, Rabieh, Libanon, 2010 aus A Girl and Her Room

"Ich bin Libanesin und ich bin Palästinenserin. Ich habe in Amerika gelebt und das College abgeschlossen. Ich war verheiratet, habe gearbeitet, Kinder bekommen – und dann war da die ganze Zeit diese Kategorisierung des 'Anderen'." Mit ihren Fotos wolle sie zeigen, wie viel die Menschen in Nordamerika und dem Nahen Osten gemein haben. "Dort leben ganz normale Menschen, ganz normale Frauen und Kinder, die alles tun, was die Menschen in den USA auch tun", sagt sie.

Aus A Girl and Her Room sind weitere Projekte hervorgegangen: Für L'Enfant Femme fotografierte sie vorpubertäre Mädchen; She zeigt Frauen in ihren 20ern und konzentriert sich auf Körperlichkeit und die Umwelt; Unspoken Conversations handelt von Teenagerinnen und ihren Mütter; Women Coming of Age porträtiert Frauen im mittleren Alter. Jede Serie reflektiert Stationen, an denen sie und ihre Töchter in ihrem Leben waren oder aktuell sind.

Mit einem Mann hinter der Kamera hätten die Fotos nie so entstehen können, sagt Matar. "Ein Mann hätte gar nicht erst in einem palästinensischen Flüchtlingslager zusammen mit einer stillenden Frau in einem Zimmer sein können."

Christina mit 10 und mit 14, Beirut, Libanon, 2012 und 2016 aus Becoming
Wafa'a und Samira, Bourj El Barajneh Flüchtlingslager, Beirut, Libanon, 2016, aus Unspoken Conversations
Lindsey, 10, Needham, Massachusetts, 2013, aus L'Enfant-Femme
Samira mit 12 und mit 17, Bourj El Barajneh Flüchtlingslager, Beirut, Libanon, 2011 und 2016 aus Becoming
Brigitte und Huguette, Ghazir, Libanon, 2014, aus Unspoken Conversations
Leila und Souraya, Jounieh, Libanon, 2015 aus Unspoken Conversations

Folge VICE auf Facebook, Instagram und Twitter.

Tagged:
usa
Frauen
Weiblichkeit
Feminismus
Libanon
Teenager
Erwachsenwerden
rania matar