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Ich war beim Rage Yoga, um schreien zu lernen

Ich hebe mein Beine und pinkele in der "Hund uriniert an Laternenpfahl"-Position metaphorisch meine Matten-Nachbarin an.

von Helen Schulte
20 Oktober 2017, 5:00am

Wenn ich wütend bin, stelle ich mir immer vor, wie schön es wäre zu schreien. Einfach auf einen Berg steigen, oder besser noch fahren, und das ganze Angestaute rausschreien – diese Vorstellung übt einen seltsam starken Reiz auf mich aus. Als Kontrollfreak und sich rund um die Uhr schämender Mensch, ist mir der Ausdruck von Wut oder jeglichen anderen extremen Emotionen zuwider. Was könnte beim Schreien nicht alles passieren? Meine Stimme könnte brechen, mein Gesicht eine verwirrende Farbgebung annehmen und vielleicht, ganz vielleicht könnte ich einfach nicht mehr aufhören. Ich würde mich so gerne trauen, zu fluchen oder zu schreien oder auch einfach mal auf dem Fahrrad laut zu singen, aber ich traue der Unberechenbarkeit meines Körpers einfach nicht.

Und doch will ich es einmal versuchen. Nicht auf einem Berg, nicht auf dem Tempelhofer Feld oder in meinem WG-Zimmer, sondern zusammen mit anderen beim Rage Yoga. Rage Yoga (auf Deutsch Wut-Yoga) ist nach Bier-Yoga der neueste heiße Scheiß für dehnbare – und in diesem Fall wütende – Frauen. Entwickelt wurde diese Yoga-Form ausgerechnet von einer Frau aus einer der friedliebendsten Nationen der Welt: Kanada.

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