So überstehst du dein Studium ohne durchzudrehen – Teil 1

Von A wie Alkohol zu K wie Konkurrenzkampf—mit diesem Studenten-Guide kommst du sicher durch die stressige Uni-Zeit.

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30 April 2015, 7:00am

Illustration: Sarah Schmitt

Für die Glücklichen unter uns ist das Studium eine unbeschwerte Zeit, in der wir unbegrenzt Pläne schmieden, feiern und schlafen können und unser Alltag einem glitzernden Spiralnebel aus jugendlichen Idealen und Hedonismus gleicht. Für diejenigen, mit denen es das Schicksal nicht ganz so gut meint, gleicht das Studium eher einem Spießrutenlauf mit einer endlosen Reihe kaum zu überwindender Hindernisse. Für alle, die der Gedanke an Prüfungen, Abgabetermine, Pflichtpraktika, Auslandssemester und zukünftige Berufsaussichten nachts nicht schlafen lässt und deren geistige Gesundheit schon nach dem zweiten Semester rapide den Bach runtergeht, haben wir deshalb in liebevoller Kleinarbeit diesen umfassenden Guide zusammengestellt. Dankt uns später.

A wie Alkohol
Alkohol ist die Droge, die alle vereint. Ob Erstsemestriger oder Doktorand, Burschenschaftler oder Antifa-Aktivist, das Trinken wird in allen gesellschaftlichen Kreisen weitgehend akzeptiert. Was nicht bedeutet, dass Saufen dir dein Studium erleichtern wird—oder dich langfristig vom allgemeinen Stress befreut. Auch wenn dir eine Vorlesung über die Grundlagen der Sozialpädagogik oder Einführung in die Betriebswirtschaftslehre viel lustiger erscheinen mag, wenn du einen Kurzen intus hast, wirst du angetrunken noch weniger verstehen als nüchtern. Außerdem wird dir der Kater am Morgen die Entscheidung, dein gemütliches Bett zu verlassen und deinen übernächtigten Körper zur Uni zu schleppen, nur zusätzlich erschweren. Wenn du kein Übermensch bist, solltest du deine alkoholischen Exzesse wie der Rest der arbeitenden Bevölkerung also lieber auf das Wochenende beschränken. Während der Klausurenphase empfiehlt es sich, die Sauferei ganz bleiben zu lassen oder auf ein Gläschen Rotwein vorm Zubettgehen zu reduzieren, damit du die Prüfungen bestehst und hinterher einen wirklichen Grund zum Feiern hast.

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Lass dir von niemandem einreden, du seist ein schmarotzender Tagedieb, nur weil du auch unter der Woche mal ausschlafen darfst.

B wie Burnout
Neben der Annahme, dass Hartz-IV-Empfänger auf Kosten des Staates ein gemütliches Luxusleben führen, ist die Mär vom faulen Studenten einer der immer noch am weitesten verbreiteten Irrglauben in der Gesellschaft. Ein Studium erfordert eigenverantwortliches Handeln, hohe Leistungsbereitschaft und hohe Stressresistenz, genauso wie jeder andere anspruchsvolle Job. Lass dir also von niemandem einreden, du seist ein schmarotzender Tagedieb, nur weil du auch unter der Woche mal ausschlafen darfst. Nutze diese Zeiten der wohlverdienten Ruhe, bevor du beim Uni-Psychologen einen Nervenzusammenbruch erleidest. Kein Zusatzkurs, so spannend er auch sein mag, ist ein Burnout wert.

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C wie College-Komödien
Der Alltag an der Uni ist in aller Regel keine große Party. Die Dozenten sind gestresst, die Hörsäle überfüllt und der Campus ist nur in den seltensten Fällen ein architektonisches Kleinod mit grünen Rasenflächen und Springbrunnen in der Mitte. Als einzelner Student versinkst du schnell in der Anonymität der Masse und hast Glück, wenn sich die Person, die neben dir im Seminar sitzt, nach einer Woche noch an deinen Namen erinnert. Aber denke immer daran: Schon ein paar Jahre nach deinem Abschluss wird dir alles im Rückblick viel schöner und unbeschwerter vorkommen. Genau so wie in einer dieser amerikanischen College-Komödien.

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D wie Dozenten
Dozenten können ziemliche Arschlöcher sein, die sich nicht im Geringsten für die Belange ihrer Studenten interessieren. Lehrbeauftragte, die auf ihrem fachlichen Gebiet glänzen, aber keine Ahnung mehr davon haben, was es bedeutet, selbst zu studieren, oder egomane Sadisten, die sich einen Spaß daraus machen, dir deinen Notendurchschnitt zu versauen. Unter welchem dieser Exemplare du auch immer im Laufe deines Studiums zu leiden hast, nimm es nicht persönlich und tröste dich mit dem Gedanken, dass sie ein schlimmes Leben haben, in dem sie sich jeden Tag selbst ertragen müssen. Und damit, dass es Ausnahmen gibt, denen nicht nur ihr eigenes Wissen, sondern auch das Wohl ihrer Studenten am Herzen liegt.

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Foto: Francisco Osorio | Flickr | CC BY 2.0

E wie Erstsemester
Die ersten Wochen an der Uni bringen nicht nur eine tiefgreifende Veränderung deines bisherigen Alltags und neue Lebensumstände mit sich, sondern auch nervige Kommilitonen, furchteinflößende Professoren und peinliche Kennenlernspiele. Dazu kommen organisierte Schnitzeljagden, die dich zum Gespött auf dem ganzen Campus machen, und schlimme Erstsemestrigen-Partys, bei denen grundsätzlich in den uncoolsten Clubs der Stadt gefeiert wird. Der einzige Trost für dieses Martyrium besteht darin, dass nichts während deiner universitären Laufbahn je wieder so schlimm sein wird, wie diese ersten Wochen. Wenn du das erste Semester erfolgreich überstanden hast, kannst du alles schaffen.

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F wie Familie
Deine Mutter macht sich Sorgen und dein Vater fragt dich bei jedem Treffen zum Abendessen, ob du dir schon Gedanken darüber gemacht hast, wie es nach der Uni für dich weitergehen soll. Deine Schwester mit dem Einser-Abschluss und dem tollen Job sieht auf dich herab, während dein Bruder, der eine praktische Ausbildung macht, dich um dein Leben beneidet. Zusätzlich wird deine Großmutter nicht müde, dir bei jedem Telefonat unter die Nase zu reiben, dass sie in deinem Alter schon verheiratet war und zwei Kinder hatte. Du kannst versuchen, diesen Menschen aus dem Weg zu gehen und ihre Anrufe ignorieren. Du kannst ihnen sagen, dass sie sich verpissen sollen, weil du schließlich kein Kind mehr bist und dein eigenes Leben führst. Solltest du auf die finanzielle Unterstützung ihrerseits nicht gänzlich verzichten wollen, empfiehlt es sich jedoch in dieser Angelegenheit etwas diplomatischer vorzugehen. Im Endeffekt machen sie sich nur Sorgen um dich, weil sie dich lieben. Vergiss das nicht.

Siehe auch: frei sprechen, Ferien, Freud, Fußnoten

G wie Geld
Du hast keins. Anstatt dich darüber zu beklagen, solltest du lieber ein paar praktische Tipps befolgen. Zum Beispiel, dir ein Pausenbrot und eine Thermoskanne Kaffee von zuhause mitnehmen, statt in der Mensa zu essen. Oder einmalig in den Luxus eines Tabletts oder E-Readers investieren, statt im Copyshop Unsummen für ausgedruckte wissenschaftliche Texte auszugeben, die ein Semester später sowieso im Altpapier landen. Erfreue dich darüber hinaus an deiner Jugend, dem Reichtum, deiner Intelligenz und den vielen tollen Dingen, die das Leben ganz umsonst für dich bereithält, wie Sex, gute Freunde, YouTube oder Probierhäppchen im Supermarkt.

Siehe auch: Gender Studies, Goethe, Geisteswissenschaften, Gruppenarbeit, Gleichberechtigung

Foto: unfolded | Flickr | CC BY-SA 2.0

H wie Hirndoping
Auch wenn das Arbeitspensum kaum zu schaffen ist, deine Konzentration erheblich nachlässt und die Aufnahmefähigkeit deines Gehirns nur noch der Saugfähigkeit von einlagigem Toilettenpapier entspricht, überlege dir gut, ob du wirklich auf angebliche Wunderpillen oder illegale Substanzen zurückgreifen möchtest. Versuche deiner Konzentrationsfähigkeit lieber mit einem starken Espresso, einer Runde um den Block an der frischen Luft oder mit ein paar Traubenzucker auf die Sprünge zu helfen, bevor du zu härteren Mitteln greifst. Wenn du der Verlockung nach chemischer Unterstützung nicht widerstehen kannst, informiere dich zumindest vorher über die Risiken oder sprich mit einem Arzt oder Psychologen über deine Probleme.

Siehe auch: Hausarbeiten, Hölle, HBO, historischer Materialismus, Habilitation, heute bleib ich zuhause

I wie Internet
Jeder, der länger als ein Semester studiert hat, wird die Erfahrung gemacht haben, dass es mindestens doppelt solange dauert, am Computer eine lästige Hausarbeit zu tippen,wenn man gleichzeitig mit Freunden auf Facebook chattet, jede Minute seinen Newsfeed auf Twitter checkt und nach jedem vollendeten Absatz zur Entspannung ein Buzzfeed-Quiz löst. Tu dir also einen Gefallen und verordne dir für einige Stunden am Tag eine digitale Abstinenz, indem du den Stecker deines W-Lan-Routers ziehst. Als Belohnung darfst du danach auch ein Selfie in Denkerpose an deinem Schreibtisch auf Instagram posten.

Siehe auch: Insomnie, Intellekt, IQ

J wie Job
Ich erinnere mich an einen Professor, der mir während meiner Zeit an der Uni vorwarf, ich würde mein Studium nicht ernst nehmen, weil ich nebenbei arbeitete. Den meisten von uns bleibt, um unseren Lebensunterhalt zu bestreiten, jedoch nichts anderes übrig, egal mit wie viel Ernst und Leistungsbereitschaft wir unser Studium verfolgen. Ein Job neben dem Studium erfordert eine Menge Energie und Organisationstalent, beschert dir dafür aber ein eigenes Einkommen, neue Leute und—wenn du nicht gerade in der Bibliothek jobbst oder als Lakai deines Professors dein Geld verdienst—einen wohltuende Ausgleich zum denkintensiven Studienalltag. Stundenlang Gläser zu spülen oder wie ein Roboter Regale einzuräumen, kann nach all der grauen Theorie für dein überstrapaziertes Gehirn eine willkommene Ablenkung sein.

Siehe auch: Carl Gustav Jung, Jugend, Jus, Journalismus

K wie Konkurrenz
Der Konkurrenzkampf geht im Uni-Alltag längst über gute Noten hinaus. Lass dich nicht davon stressen, dass andere in deinem Alter schon das zweite Auslandssemester oder das dritte freiwillige Praktikum hinter sich haben. Sich ständig mit anderen zu vergleichen ist schlecht fürs Selbstbewusstsein. Sich bei Facebook Fotos von Menschen anzuschauen, die braungebrannt über einen Strand in Goa tollen oder in ihrer Freizeit Affenbabys in Laos retten, während man selbst mutlos zuhause vor dem Computer hockt, übrigens auch.

Siehe auch: Kater, Krankheit, Kaffee, kiffen, Klassenkampf, Klausuren, Kommilitonen

Hier geht's weiter zum zweiten Teil.

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