Stuff

Wir waren auf dem ersten Linzer Anti-Burschenschafterball

Neben dem Burschenbundball und einer Gegendemo gab es in Linz erstmals auch den „Wurst vom Hund"-Ball—mit Ampelpärchen und der Wahl zur Schmiss Austria.

von Florian Voggenedder und Matthias Kreuziger
07 Februar 2016, 4:40pm

Nur ein Wochenende nach dem Akademikerball in Wien gab es am Samstag auch in Linz einen Burschenbundball, eine Demo inklusive anschließender Sitzblockade—und zum ersten Mal auch einen Gegenball mit dem klingenden Namen „Wurst vom Hund"-Ball. Da Linz nicht irgendeine Stadt ist, sondern die perfekt durch getaktete Stahlmetropole Österreichs, war das natürlich sehr festlich choreographiert.

Alles begann mit einer Kundgebung am Bahnhof, organisiert von einem antifaschistischen Festkomitee (Linz gegen Rechts und andere). Zirka 700 Interessierte aus der alternativen Szene haben sich dort versammelt und gemeinsam mit einem kleinen Aufgebot der Polizei (insgesamt waren an diesem Abend rund 200 BeamtInnen aus dem ganzen Bundesland im Einsatz) einigen kurzen Ansprachen gelauscht.

Eine kleine Vermischung von unterschiedlichen Thematiken ( Zielpunkt-Pleite, Flüchtlingsstrom, oberösterreichische FPÖ-Koalition, Burschenschaften) sorgte für eine ausreichend feierliche Stimmung. Mit bengalischen Feuern und den bekannten antifaschistischen Schlachtrufen (mit kreativen Variationen) bewegte sich der Zug in Richtung Innenstadt.

Die Linzer Polizei— spätestens seit Pegida sehr erfahren mit Kleindemonstrationen—hat diesmal das Kaufmännische Palais weiträumig abgesperrt und ein Platzverbot ausgesprochen. Der Demonstrationszug mäanderte deshalb durch diverse Nebenstraßen auf die Landstraße.

Interessant waren einige Störer aus der rechten Szene, die in Kleinstgruppen am Straßenrand auf den Demonstrationszug gewartet haben. Anscheinend wollten sie die DemonstrationsteilnehmerInnen provozieren. Da wir im vergangenen Jahr wirklich jede größere Veranstaltung der rechten Szene in Linz besucht hatten, waren uns die Typen auch nicht unbekannt.

Einen erkannten wir von der blauen Wahlkampf-Schlusskundgebung am Urfahraner Markt wieder, wo er in Tränen ausgebrochen war, weil er vor dem Auftritt von Strache das Zelt verlassen musste (offenbar war die Kombination aus seinem alkoholisierten Zustand und seinem Haarschnitt nicht gerade das, was man kurz vor den Wahlen im Hintergrund sämtlicher Fotos des FPÖ-Chefs haben wollte).

Ein anderer war beim ersten Linzer Pegida-Spaziergang festgenommen worden, weil er damals einen Baseballschläger mithatte. Die Einsatzgruppe reagierte jedenfalls sehr schnell und hat die Personalien der betreffenden Personen aufgenommen.

Nach der Abschlusskundgebung am Martin-Luther-Platz wurde die Demonstration offiziell beendet und die Blockade des Kaufmännischen Palais begann mit dem Ziel, den BallbesucherInnen den Zugang zum Palais zu verwehren. Das einzige Opfer der Blockade saß in einem Taxi, dessen Fahrer sich den denkbar schlechtesten Weg zum Ball ausgesucht hatte—nämlich direkt über die Landstraße. Die Polizei sicherte das Fahrzeug und die Insassen.

Damit kam es kurzzeitig zur chaotischsten Situation des Abends: AktivistInnen sangen und skandierten im Sitzen, die Polizei riegelte das Fahrzeug ab, ein paar PassantInnen regten sich über die Sinnlosigkeit der Demo auf, ein Störer griff kurz unseren Fotografen an, die DemonstrantInnen diskutierten, ob die Internationale noch zeitgemäß war, ein paar Krishnas kamen auch vorbei und währenddessen lief das Taxameter weiter.

Nach einer knappen Stunde dann wieder Bewegung: die Polizei drängte die DemonstrantInnen etwas zurück, so dass der Ballbesucher aussteigen und in Begleitung sein Ziel erreichen konnte. Als die Einsatzkräfte die Sitzblockade beenden wollten, standen die DemonstrantInnen umgehend auf, um weitere Konfrontation vermeiden. Die BlockiererInnen durften die Landstraße erst verlassen, nachdem die Polizei alle Personalien aufgenommen hatte. Unklar ist noch, was die Folgen sein werden.

Als nächstes versuchten wir selbst, auf den Burschenbundball zu kommen, denn schließlich sind wir ausgezeichnete Tänzer und wollten mit einem gleichgeschlechtlichen Walzer beweisen, dass es sich bei den BesucherInnen und VeranstalterInnen (der Arminia Czernowitz) um verkannte HumanistInnen handelte. Allerdings mussten wir feststellen, dass der Herr vom Ballkomitee wohl falsch gebrieft war, denn er meinte, dass wir auf der Veranstaltung unerwünscht wären und schmiss uns hochkant aus dem Kaufmännischen Palais. Schade.

Dann doch zum „Wurst vom Hund"-Ball. Unter dem Motto „Keine Angst vor Gleichberechtigung" fand diese glamouröse Veranstaltung der Initiativen Linz gegen Rechts, SOS Menschenrechte, Radio Froh, Backlab, Qlash und der MOB zum ersten Mal in den Räumen der Stadtwerk statt.

Hier waren wir willkommen. Und wie. Ein Blitzlichtgewitter, als wir den Red-Carpet entlang defilieren, Sektempfang. Hallo und Hurra. Etwas verspätet beginnt der Ball mit dem Einzug der DemonstrantInnen und einer Festrede. Dann ein wunderbares Potpourri von erstklassigen Ballorchestern: Blechsalat, Frl. Sommer und die Miezekathi, Andaka, Ankathie Koi, Kid n Cats und Risamasala erfreuen die Gäste mit ganz wunderbarer Tanzmusik: alles (außer) Walzer.

Sehr schön auch die Dekoration: ein übergroßes güldenes Hundstrümmerl über dem Parkett sorgte für eine sehr festliche Saalsituation und in den hinteren Räumen fanden sich künstlerische Statements zur aktuellen Landespolitik—eine Ampel mit Ampelpärchen und ein Modell der oberösterreichischen Landesregierung (fünf riesige LED-Penisse auf Staubsaugerrobotern, die unermüdlich durch den Raum wuselten). Festliche Roben und elegante Anzüge, wohin man sah.

Auf richtig guten Bällen tut man vier Dinge: an der Bar anstehen, in den Smoking schwitzen, durch die Räume wandern und die anderen Besucher begaffen. Das macht man bis zur Mitternachtseinlage. Die bestand aus der Wahl der Schmiss Austria („Welche Frau hat den schönsten Schmiss?"). Offensichtlich haben sich die OrganisatorInnen alles gut aus dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen abgeschaut. Es gab alles: eine ungerechte männliche Jury, ein ignoriertes Publikumsvotum, und einen parteiischen Notar. Ich habe vergessen, wer gewonnen hat, aber das hat die Gewinnerin wahrscheinlich auch.

Nach der Mitternachtseinlage betrinkt man sich dann endgültig, flirtet noch ein bisschen herum und geht ganz spät nach Hause. So macht man das auf jedem guten Ball. Das lernt man schon in der Tanzschule. Und daran haben wir uns auch gehalten.

Das Fazit: Politische Satire ist im Fasching ist sehr schwierig. In der Ballsaison ersticken kritische Aspekte auf dem Tanzparkett. Die Frage, ob es wichtig ist, gegen den Linzer Burschenbundball zu demonstrieren, kann sich jeder selbst beantworten.

Die Vermutung liegt nahe, dass zumindest ein Teil der Besucher mit Dingen wie Gleichberechtigung und Offenheit nicht viel am Hut hat. Chors, Verbindungen und Burschenschaften über den gleichen politischen Kamm zu scheren und pauschal als rechtsradikal zu bezeichnen, ist aber womöglich auch nicht grade der Weg zu mehr Aufgeklärtheit und Verständigung.

Vor allem sollte man die Veranstaltung nicht überbewerten. Wir durften zwar nicht rein, um meine These zu verifizieren, aber vermutlich haben die im Palais nicht sehr viel anders gemacht als wir in der Stadtwerkstatt: an der Bar anstehen, in den Smoking schwitzen und durch die Gänge wandeln. Vermutlich war es aber nicht annähernd so lustig, offen und freundlich, wie auf dem „Wurst vom Hund"-Ball.