Wer betreibt das rechte Russland-Fanzine "Info-DIREKT" aus Linz?

Verdammt viele Spuren enden bei irgendwelchen FPÖ-Politikern und Neonazi-Kadern.

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05 August 2016, 5:00am

Ich stehe vor einem Gebäude in der Dieselstraße 4 am Stadtrand von Linz. Eigentlich sollte hier so etwas wie eine Redaktion, ein Verlag, eine Druckerei, oder zumindest ein Büro sein. Was mich hierhergeführt hat, ist die Suche nach den Herausgebern des rechten pro-russischen Magazins Info-DIREKT, das auf seiner Homepage als Kontakadresse eben diese kleine Straße im Drei-Stadtteil-Eck Neue Heimat, Wegscheid und Kleinmünchen angegeben hat.

Doch anstatt einer Redaktion findet sich in dem Gebäude vor mir nur ein Postamt und ein Paketshop. Die Dame am Schalter des Postamtes scheint die Frage nach einer Zeitungsredaktion nicht zum ersten Mal zu hören: "Ah, du meinst sicher die Info-DIREKT, oder? Die haben ein Postfach bei uns. Wenn du mit denen in Kontakt treten willst, schreibst du ihnen am besten an die Postfachadresse. Mehr kann ich dir leider auch nicht sagen."

Mir fällt der Leitspruch des Magazins wieder ein: "Nicht immer ist das, was wir auf den ersten Blick sehen, die ganze Wahrheit." Wahre Worte in Bezug auf das eigene Magazin, wenn man sich damit in einem Briefkasten versteckt.

Hier in der Dieselstraße 4 sollte der Sitz von Info-DIREKT sein. Tatsächlich gibt es nur ein Postfach. Foto: Paul Donnerbauer / VICE Media

Info-DIREKT beschreibt sich selbst als "die neue freie und unabhängige Stimme in der heimischen Medienlandschaft". Neben einem Printmagazin, das alle zwei Monate erscheint, wird auch ein kostenloser Onlineauftritt angeboten. Über Auflage- und Leserzahlen ist relativ wenig bekannt. Die erste Ausgabe, die im April 2015 präsentiert wurde, soll 5000 Mal gedruckt worden sein. Die Facebook-Seite hat immerhin 12.186 Likes—darunter zahlreiche FPÖ-Politiker, bekannte Neonazis und Aktivisten der Identitären. Laut eigenen Angaben hat Info-DIREKT außerdem erst kürzlich den Sprung in den offenen Zeitschriftenhandel geschafft. Tatsächlich habe ich das Magazin aber in keiner der vier besuchten Trafiken und Zeitschriftenhändler in Linz bekommen.

Inhaltlich unterscheidet sich Info-DIREKT kaum von anderen, ähnlichen rechten Blättern wie dem deutschen Compact Magazin, dem Haus-und-Hof-Blatt der AfD. Das Titelblatt der ersten Ausgabe zierte ein Porträt des russischen Präsidenten mit der Losung: "Wir wollen einen wie Putin". Auch online bestehen die meisten Artikel aus pro-russischer Propaganda und Putin-Verehrung, Xenophobie, Rassismus und von Antisemitismus und Antiamerikanismus geprägten Verschwörungstheorien.

Ein Artikel vom 26. Juli beschäftigt sich zum Beispiel mit der angeblichen Mobilmachung von 250.000 Soldaten der russischen Streitkräfte—eine Meldung, die auch von ähnlichen Seiten wie dem ost-ukrainischen Propagandamedium News Front und dem "Nachrichtenportal" anonymous news—hinter dem eine Organisation mit dem Namen Deutscher Widerstand steht—verbreitet wurde.

Über ein derartig großes Militärmanövers in Russland lassen sich jedoch keine anderen Berichte finden; Info-DIREKT nennt keine Quelle für die Meldung. Tatsächlich dürfte die Information vom russischen Militärsender ZVEZDA stammen, der am 22. Juli von einer Truppenübung in Südrussland sprach. Von 250.000 Soldaten ist jedoch nirgendwo die Rede.

Eine Grafik auf der Facebook-Seite von Info-DIREKT. Bild: Facebook/Info-DIREKT

Gleichzeitig wird in dem Artikel ein Zusammenhang zwischen den blutigen Ereignissen in Deutschland der vergangenen zwei Wochen und dem Militärmanöver suggeriert. So heißt es etwa zu Beginn des Textes: "Während die deutsche Politik alle Hände voll zu tun hat, die Terroranschläge der letzten Tage als Einzelfälle psychisch kranker Menschen abzutun, soll Putin im Süden Russlands ein militärisches Großmanöver begonnen haben."

Dass zwei Ereignisse, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben, hier in direkten Zusammenhang gestellt werden, ist Strategie des Blattes und in fast allen Artikeln zu sehen. Gleichzeitig werden die Texte mit Dysphemismen wie "Rassenunruhen", "Negerkonglomerat", "Flüchtlings-Tsunami", "Einwanderungsflut" und einem militärischen Sprachstil geschmückt, aus dem sich für Leser ein düsteres Bild ergibt: und zwar von einem am Boden liegenden Europa, dessen rettende Hand nur aus Russland kommen kann.

Tatsächlich verbindet Info-DIREKT aber spätestens seit September 2015 nicht mehr nur eine ideologische Nähe mit dem Kreml. Denn wie Zeit Online Anfang des Jahres berichtete, hat das oberösterreichische Magazin vergangenen Sommer in Russland einen bleibenden Eindruck hinterlassen, nachdem der russische Staatssender Westi FM über eine "sensationelle Informationsbombe" berichtete, die Info-DIREKT aufgedeckt habe.

Hat die Redaktion von Info-DIREKT ihren Sitz in der Ellbognerstraße? Foto: Paul Donnerbauer / VICE Media

Aber wer sind die Herausgeber von Info-DIREKT? Als offizieller Herausgeber fungiert der "Verein für Meinungsfreiheit und unabhängige Publizistik", der jedoch seinen Sitz nicht in der Dieselstraße hat, sondern in der nahegelegenen Ellbognerstraße.

Die Ellbognerstraße führt vorbei an einem kleinen Industriestandort und ein paar neugebauten Wohnblocks und endet schließlich nach kurzem Anstieg vor einem imposanten Vierkanter, dem Ellbognerhof. Hinweise auf eine Redaktion sucht man wie schon in der Dieselstraße auch hier vergeblich. Allerdings haben sich ein Friseurladen und einer Firma für Medizintechnik im Ellbognerhof eingemietet. Die Miete überweisen sie einem gewissen Karl Winkler.

Karl Winkler betreibt gemeinsam mit seiner Frau einen Ab-Hof-Verkauf. Erwerben kann man bei ihm Nudeln, Mehl, Apfelsaft und Obstler. Außerdem ist Karl Winkler Jagdleiter in Kleinmünchen und Funktionär der österreichischen Landsmannschaft. "Die österreichische Landsmannschaft ist eine rechtsextreme Organisation, die vor allem im publizistischen Bereich beträchtliche Aktivitäten setzt", erklärt Bernhard Weidinger vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) gegenüber VICE. "Aufgrund ihrer ideologisch-kulturellen Tätigkeit erfüllt sie eine wichtige integrative Funktion für das deutschnationale und rechtsextreme Lager. Besonders enge personelle und organisatorische Kontakte bestehen zur FPÖ."

Der Ellbognerhof. Foto: Paul Donnerbauer / VICE Media

Außerdem ist Karl Winkler auch Obmann beim "Verein für Meinungsfreiheit und unabhängige Publizistik". Doch er ist nicht der einzige aus dem rechtsextremen Gesinnungsumfeld und Verbindungen zum Info-DIREKT-Magazin. So trat etwa Felix Müller, FPÖ-Kandidat für die Gemeinderatswahlen in Linz 2009 und Mitglied der extrem rechten Burschenschaft Arminia Czernowitz, in einem Interview mit einem russischen Fernsehteam als "Flüchtlingsexperte" von Info-DIREKT auf.

Die Burschenschaft Arminia Czernowitz ist es auch, die laut Bernhard Weidinger "das Heft in Verbindungskreisen immer wieder featuret und bewirbt". Außerdem ist auch Detlef Wimmer, FPÖ-Politiker und Vizebürgermeister von Linz, Mitglied der deutschnationalen Verbindung. Wie Profil schon 2010 berichtete, ist Wimmer in der rechtsradikalen Szene so etwas wie ein Star und wird als Zukunftsträger gefeiert. Und tatsächlich war es der Vizebürgermeister, der die Präsentationen der ersten und zweiten Ausgabe von Info-DIREKT im Alten Rathaus in Linz ermöglichte.

Besonderes Engagement für Info-DIREKT zeigt Stefan Magnet, eine Figur der heimischen Rechten mit guten Kontakten zur FPÖ.

Schon während der Präsentation der zweiten Ausgabe waren außerdem einige Personen aus dem Umfeld des Rechtsextremisten Ludwig Reinthaler anwesend. Darunter auch ehemalige Mitglieder des Bunds freier Jugend, einer nicht mehr existenten neonazistischen Jugendorganisation.

Besonderes Engagement für Info-DIREKT zeigt vor allem Stefan Magnet. Der Werbeunternehmer ist eine Figur der heimischen Rechten mit guten Kontakten zur FPÖ. Obwohl Stefan Magnet konsequent jede Verbindung zu Info-DIREKT abstreitet, dürfte er einer der Hauptakteure des Magazins sein. So war es Magnet, der im Vorfeld des "Russischen Balls in der Wiener Hofburg" die fünfte Ausgabe der Zeitschrift präsentierte.

Auch in seiner Zeit beim Bund freier Jugendwar Magnet schon publizistisch tätig und war unter anderem bei der Zeitung Jugend-Echo, der „Kampfschrift der nationalen Jugend in Österreich", aktiv. Dem Bund freier Jugend, kurz BfJ, wird unter anderem die Verherrlichung nationalsozialistischen Gedankenguts vorgeworfen, wieDerStandard.atberichtet. Unter anderem produzierte Magnet in den letzten Jahren auch immer wieder Werbevideos für Manfred Haimbuchner, dem stellvertretenden Landeshauptmann von Oberösterreich und FPÖ-Funktionär.

Über einen FPÖ-Funktionär schließt sich dann auch doch noch der Kreis zur Dieselstraße Nummer 4. Denn der Betreiber des neben dem Postamt gelegenen Paketshops heißt Wolfgang Grabmayr. Und der sitzt für die Blauen im Linzer Gemeinderat.

Obwohl die Macher von Info-DIREKT dem Inhalt ihrer Artikel zufolge vor Terroristen ziemlich große Angst haben, gesellt sich zu guter Letzt ein solcher auch noch in ihre Reihen. Momentan bewirbt Info-DIREKT das Buch Europas Dämme bersten auf allen Kanälen. Einer der beiden Autoren ist Egon Baumgartner, ein Wegbegleiter und Tathelfer des Rechtsterroristen Ekkehard Weil. Im April 1984 wurde Baumgartner zu 20 Monaten Haft verurteilt, weil er an Bombenanschlägen auf Häuser prominenter Juden in Österreich beteiligt gewesen sein soll. Ekkehard Weil wurde in dem Verfahren als Haupttäter zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt.

Wer sonst noch so im Dunstkreis von Info-DIREKT aktiv ist, wird man am 29. Oktober beobachten können. Dann findet in Linz nämlich der "Kongress der Verteidiger Europas" statt, eine gemeinsame Veranstaltung von Info-DIREKT und der FPÖ-nahen Plattform Unzensuriert, die eine "Leistungsschau der patriotischen, identitären und konservativen Arbeit im publizistischen, kulturschaffenden sowie politischen Bereich" werden soll. Das heißt, falls sich die Verteidiger Europas bei der Veranstaltung nicht ebenfalls hinter Postfächern verstecken.

Paul auf Twitter: @gewitterland

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