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100 nackte Frauen gegen Trump

100 Frauen haben sich ausgezogen, um gegen den Parteitag der Republikaner zu protestieren.

von Lindsey Byrnes, Text: Allie Conti
19 Juli 2016, 7:00am

Alle Fotos: Lindsey Byrnes

Spencer Tunick ist ein Fotograf, der vor allem für seine groß angelegten Nackt-Shootings bekannt ist. Sein aktuelles Projekt im US-amerikanischen Cleveland war in der Durchführung dabei besonders kompliziert, obwohl er es schon geschafft hat, in Barcelona 7.000 und in Mexico City 18.000 entblößte Menschen vor die Linse zu bekommen. In den USA ist ihm ein solches Unterfangen allerdings noch nie geglückt, weil man einen nackten Körper laut seiner Aussage dort als "Verbrechen oder Gewalt" ansieht. Am Vortag der nun in Cleveland stattfindenden Republican National Convention (RNC)—die wohl für viel Aufregung sorgen wird—war dann so ziemlich jede polizeiliche Behörde sowohl in der Luft als auch auf dem Boden unterwegs, um nach außergewöhnlichen Dingen Ausschau zu halten.

Und tatsächlich tauchten auch ein paar Polizisten bei Tunicks Shooting auf. Der Fotograf besann sich jedoch auf das Mantra, das er sich vor der Arbeit immer auf die Hand schreibt: "Calm, Focus, Tight." Letztendlich waren die Beamten dann sogar sehr beeindruckt, weil Tunick es geschafft hatte, 100 Frauen zusammenzutrommeln, die sich auszogen und große Spiegel hochhielten, um gegen den Parteitag der Republikaner zu protestieren.

"Gegen Ende hin befürchtete ich sogar, dass sie mir Fragen stellen würden. Sie waren jedoch ganz entspannt", meinte Tunick. "Es handelte sich offensichtlich nicht um Trump-Unterstützer."

Die Planungen für das "Everything She Says Means Everything"-Projekt begannen bereits 2013. Zwar konzentrierte sich Tunick damals unter Anderem noch auf die zurückgehende finanzielle Unterstützung für die Planned-Parenthood-Kliniken, aber inzwischen ist im Anbetracht des designierten Präsidentschaftskandidaten der Republikaner auch noch eine andere Motivation hinzugekommen.

Video: Gabby O'Neill

Einige Kritiker tun Tunicks Arbeiten als anspruchslos ab. Immerhin ist es auch nicht schwer, jemanden auf ein Bild aufmerksam zu machen, das nackte Frauen zeigt. Andere hinterfragen hingegen das Konzept von einem Mann, dessen Erfolg und Berühmtheit auf nackten Frauenkörpern beruht. Dieses Konzept ist jedoch schon so alt wie die Kunst selbst.

Tunick hat aber auch viele eingefleischte Fans. Dieser Umstand zeigte sich auch direkt, als das RNC-Shooting im Kasten war. Gut ein halbes Dutzend Web-Entwickler, Fotografen, Videografen und Ad-hoc-Publizisten wollte nämlich direkt dabei mithelfen, die neuen Bilder des Künstlers zu veröffentlichen. Die vornehmlich aus Frauen bestehende Gruppe beriet dann darüber, welche Fotos in die Pressemitteilung gehörten und ob man auch mit Zeichen arbeiten sollte, die vielleicht von der Kunst ablenken könnten.

Obwohl Tunicks vergangene Projekte nicht wirklich politisch waren, ist das aktuelle nun eine offensichtliche Ausnahme. Und er bezahlte das Ganze aus eigener Tasche, weil er nicht davon ausging, dass irgendein Museum etwas damit zu tun haben wollen würde. Und neben dem Geldfaktor haftete dem Shooting auch noch ein gefährlicher Touch an. Immerhin dürfen sich Demonstranten nicht in der Nähe der Arena aufhalten, in der der Parteitag der Republikaner stattfindet. Dagegen hat auch schon die Bürgerrechtsbewegung ACLU geklagt, die damit argumentiert, dass Cleveland die Demonstranten mit einer Botschaft absichtlich von den Delegierten fernhält.

In Anbetracht des pikanten Inhalts von Tunicks aktuellem Projekt, das der Fotograf quasi direkt neben dem RNC-Gelände durchgeführt hat, kann man wohl davon ausgehen, dass er damit eine Menge Staub aufwirbeln wird.

"Mehr als 1.800 Frauen haben sich bei mir gemeldet, um mitzumachen. Das zeigt mir, welch mutige Kunstkriegerinnen das sind", meinte er. "Sie haben keine Angst davor, sich in die Gefahrenzone zu begeben und sich dort auszuziehen. Das ist wirklich sagenhaft."

Spencer Tunicks Statement zu seinem RNC-Projekt kannst du hier lesen. Mehr zu seinen Arbeiten und seiner Karriere findest du auf seiner Website.

Mehr von Lindsey Byrnes Arbeiten findest du bei Instagram oder auf ihrer Website.