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Deutsche Hilfspolizisten sollen bereits nach drei Monaten an die Waffe

Über 1,60 Meter, keine Vorstrafen und keine Gesichtstattoos? Auf nach Sachsen.

von Lukas Kammer
17 Juni 2016, 7:35am

Screenshot: wachpolizei-sachsen.de

Bundesinnenminister Thomas de Maizière wünscht sich mehr Zucht und Ordnung in Deutschland. In einem Interview mit RP Online forderte er in einem Atemzug härtere Strafen für Beleidigungen und Angriffe gegen Polizisten, mehr Kameras in der Öffentlichkeit—und mehr Wachpolizisten. Sie sollen im Einbruchschutz helfen, aber auch Geflüchtetenunterkünfte bewachen.


Als Vorbild nennt er dabei die Wachpolizei Sachsen, die gerade neue Mitglieder ausbildet. Die Idee ist in Deutschland nicht neu: In Sachsen waren die Hilfspolizisten bereits von 2002 bis 2006 aktiv, in Hessen gibt es seit 2000 eine Wachpolizei, in Berlin den Zentralen Objektschutz. Und das sind nur die bewaffneten Gruppen, während im Saarland, in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen ähnliche Strukturen ohne Feuerwaffen arbeiten. Diese Gruppen haben weniger Kompetenzen als "fertige" Beamte, aber trotzdem Befugnisse für Platzverweise und körperliches Eingreifen.

Dabei klingt das Ausbildungskonzept der sächsischen Wachpolizei eher mager: drei Monate Ausbildung bis zur befristeten, nicht-verbeamteten Stelle. Für geeignete Kandidaten winkt nach Ablauf der Frist eine verkürzte Ausbildung von zwei Jahren zum mittleren Dienst. Der Trailer zur Ausbildung spricht viel von den sozialen Kompetenzen der Auszubildenden, beginnt aber betont kämpferisch mit Ausschnitten aus dem Selbstverteidigungskurs. An der Hochschule bekommen die Bewerber 130 Stunden Unterricht in Psychologie, Kommunikation und interkulturellen Kompetenzen—und 167 Stunden Training an der Waffe.

Ja, hier sollen Leute nach zwölf Wochen Grundlagenausbildung eine scharfe Waffe führen dürfen. Zum Vergleich: Für die kleinste Waffenbesitzkarte musst du mindestens ein Jahr lang regelmäßig im Verein schießen. Außerdem müssen die Auszubildenden erst einmal verinnerlichen, was sie als Wachpolizisten tun dürfen und was nicht. Zwar soll ein Beamter aus dem mittleren Dienst jedes Hilfsteam begleiten, aber selbst drei Jahre lang ausgebildete Polizisten vergessen ab und an die Regeln—und wo ihre Befugnisse aufhören.

Und die Jugend ist heiß auf die Ausbildung: Der MDR Sachsen spricht von 3.200 Bewerbern bis Ende April 2016. Zu den Voraussetzungen gehören unter anderem eine Körpergröße über 1,60 Meter, ein vorstrafenfreies Führungszeugnis und keine sichtbaren Tätowierungen. Können so Ausgebildete die 3.000 fehlenden Vollzugsbeamten in Sachsen ersetzen?

Diese laschen Zugangsvoraussetzung sind einladend für Leute, die primär Lust zu ballern haben. Das Konzept klingt zur Zeit weniger nach der Ausbildung der nächsten Generation "Freund und Helfer" als nach Securitys mit Knarre.

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