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10 Fragen

10 Fragen an einen Urologen, die du dich niemals trauen würdest zu stellen

Ja, es gibt wirklich Menschen, die sich Zahnbürsten in ihr bestes Stück schieben und ihre Penisse in den Staubsauger.

von Wlada Kolosowa
09 November 2016, 5:00am

Volker Wittkamp, 33, hat in seinem Leben über 6.000 Penisse in der Hand gehabt – von Berufs wegen. Nachdem er als Indie-DJ und Weinverkäufer gejobbt hatte, arbeitete er fünf Jahre lang in einer urologischen Klinik bei Köln, anschließend machte er seine Facharztprüfung als Urologe.

"Nur zwei kleine Buchstaben und ich hätte es zum Neurologen gebracht, dann hätte ich es nicht mehr weit bis zum Frauenschwarm Dr. Dreamy aus Grey's Anatomy", schreibt Volker in seinem Buch Fit im Schritt. Wissenswertes von Urologen . Anders als in Deutschland, schreibt er, entscheide in Frankreich die Examensnote darüber, welches Fachgebiet ein Mediziner erlernen darf: Die besten werden Neurochirurgen in Paris, die Schlechtesten Proktologen – also Hintern-Doktoren. Urologen stünden im Coolness-Ranking nicht weit drüber. Weswegen er auf Partys ständig erklären müsse, warum er sich freiwillig dafür entschieden hat, den größten Teil seines Tages mit Inkontinenzen und kaputten Penissen zu verbringen. Aber nach ein paar Bier steht er trotzdem im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit – und die Leute wollen nicht nur Penis-Storys hören, sondern auch Ratschläge für "einen guten Freund". Offensichtlich klaffen Wissenslücken. Und Penis-Horrorgeschichten sind auch immer spannend. Damit ihr also nicht bis zur nächsten Party mit einem angeheiterten Urologen warten müsst, haben wir bei Volker nachgefragt.

VICE: Was war das seltsamste Ding, das du jemals aus einer Harnröhre holen musstest? Volker Wittkamp: Einen Pfeifenreiniger – das sind diese langen, stoffbezogenen Drahtdinger. Kann sein, dass der Patient einen Putzfimmel hat, wahrscheinlicher ist aber, dass er das zur sexuellen Stimulation gemacht hat. Und ein Patient aus Osteuropa spritzte sich warmes Paraffin in den Penis, damit er größer wirkt. Die gehärteten Stücke musste ich dann rausoperieren. Rosen, wie bei dem Domian-Anrufer, der seine Freundin zum Valentinstag überraschen wollte, habe ich zwar noch nicht aus der Harnröhre holen müssen, aber unrealistisch ist das nicht. In einer Großstadtklinik hat man mindestens einmal im Monat einen Patienten mit Dingen in der Harnröhre, die nicht dorthin gehören. Und ja, solche Geschichten tauscht man natürlich mit Kollegen aus. Ein Schweizer Arzt erzählte mir von einem Stammpatienten, der ständig mit einer Blasenentzündung zu ihm kam. Nach ein paar Monaten kam er der Sache auf den Grund: Der Herr arbeitete in einer Fetischkneipe als Barkeeper. Er spritze sich alkoholische Cocktails in die Harnröhre, pisste sie aus und servierte sie seinen Kunden. Nicht die beste Idee.


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Kriegt man nicht Komplexe, wenn man täglich so viele Schwänze sieht?
Nee. Ich bin definitiv nicht der bestbestückte Mann, liege eher so im Durchschnitt. Manchmal denke ich tatsächlich: Mann, das ist ordentlich. Aber laut Umfragen kommt es Frauen eh eher auf den Durchmesser und das äußere Gesamtbild des Penisses an als auf die Länge. Der kleinste Penis, den ich jemals gesehen habe, war erigiert übrigens sechs Zentimeter lang.

Hattest du wirklich schon Patienten, die ihren Penis in den Staubsauger gesteckt haben?
Ja, einen. Er hatte mir erzählt, dass er Katzenhaare aufsaugen wollte, dann gestolpert ist und in den Staubsauger geriet. Der Patient hatte dieses berühmte, uralte Modell "Kobold", dem die Dissertation "Penisverletzungen bei Masturbation mit Staubsaugern" gewidmet ist. Charlotte Roche und Christoph Maria Herbst lasen Anfang der 00er Jahre daraus bei Auftritten vor. Es ist keine gute Idee, sein bestes Stück in den Staubsauger zu stecken, egal welches Modell. Durch den Unterdruck können Gefäße platzen. Aber der "Kobold" ist besonders gefährlich. Der 1700 Umdrehungen starke Ventilator ist nur 11 Zentimeter vom Ansauger entfernt. Der durchschnittliche erigierte Penis ist aber 13 Zentimeter lang.

Was war der am übelsten malträtierte Penis, den du jemals gesehen hast?
Das Gruseligste war kein Penis, sondern eine Hodenentzündung. Dabei wird der Hoden innerhalb kürzester Zeit sehr schwarz und die Entzündung breitet sich innerhalb weniger Stunde aus. Die Haut sieht schwarz und ledrig aus, wie ein verbranntes Stück Papier. Wir mussten dem Mann sofort den Hoden und die Hälfte des Penisses amputieren, außerdem Gewebe an Bein und Bauch. Ansonsten sind Penisbrüche immer beeindruckend. Sie sehen wirklich aus wie eine mittelgroße Aubergine. Ich finde es ein bisschen seltsam, dass man die Aubergine als Penissymbol beim Emoji-Sexting benutzt. Der Maiskolben ist anatomisch korrekter. Außerdem ist es immer spektakulär, wenn ein Cockring wirklich nicht mehr abgeht. Manchmal muss die Feuerwehr mit einem Schneidegerät kommen.

Was war das Irrste, was Menschen sonst getan haben, um ihre Performance im Bett zu verbessern?
Ich hatte einen Mann, der sich einen abgefeilten Teil seiner Zahnbürste in den Penis eingepflanzt hat. Er hat das Ding zwei Tage lang im Mund behalten, um seinen Körper daran zu "gewöhnen", machte dann einen Schnitt und schob ihn sich unter die Haut, um seine Partnerin besser stimulieren zu können. Es hat sich natürlich entzündet.

Was brachte dich dazu, dich den ganzen Tag mit fremden Penissen zu beschäftigen?
Das ist ein Irrglaube. Der Urologe beschäftigt sich auch mit Nieren, Hoden, Harnröhren, der Prostata und Harnblasen. Es kommen auch Frauen zu mir. Im jüngeren Alter sind sie sogar in der Überzahl, wegen der Blasenentzündungen. Später ist das Verhältnis von Mann zu Frau etwa 65 zu 35. Und was die meisten nicht wissen: Urologen operieren auch. Als ich mich damals für eine Fachrichtung entscheiden musste, hat meine damalige Freundin gesagt: Urologie würde am besten zu dir passen, das sind die lustigsten und lockersten Ärzte. Daran ist auch viel Wahres: Du musst locker sein, um den Menschen an ihre intimsten Körperteile zu fassen.

Nach all den Geschlechtskrankheiten, die du gesehen hast: Vögelst du manchmal noch ohne Kondom?
Ich habe eine feste Freundin, wir verhüten ohne Kondom. Aber davor habe ich das wirklich nicht gemacht. Am meisten Angst hatte ich aber nicht vor Krankheiten, sondern vor einem Kind. Aber heute würde ich nie mit Fremden ohne Kondom schlafen. Geschlechtskrankheiten sind wieder auf dem Vormarsch. Die meisten davon kann man behandeln. Aber so etwas wie Feigwarzen ist sehr lästig und hartnäckig. Sie sind sehr ansteckend und sehen aus wie helle Leberflecke in Blumenkohlform. Die größte Warze, die ich gesehen habe, war so groß wie ein Tischtennisball.

Ist eine Dauererektion nicht auch ein bisschen geil?
Nein! Bei einer Dauererektion staut sich das Blut und kann nicht abfließen, der Penis "steht" ohne Sauerstoffversorgung da und ist somit vom Absterben bedroht. Der Arzt muss das alte Blut abpumpen. Das heißt: Ich muss den Schwellkörper mit einer großen Kanüle punktieren – entweder am unteren Rand des Penisses oder durch die Eichel hindurch – und das Blut absaugen. Oft wird das mit einer Kompression des besten Stücks kombiniert. Das macht man in vielen Kliniken mit einer Kinderblutdruck-Manschette. Das heißt, der arme Penis wird auch noch mit einem Ding mit lustigen Tierzeichnungen umwickelt.

Kannst du an der Größe der Eier erkennen, wie oft jemand Sex hat?
Nee, das ist ein Mythos. Hoden sind von Person zu Person komplett unterschiedlich. Aber es gibt tatsächlich das Phänomen, dass der Hoden anschwillt, wenn man länger kein Sex hatte: Blue Balls heißt das.

Greifst du Idioten auch mal fester an die Eier?
Manchmal habe ich schon diesen Gedanken. Mache ich aber nicht. Ich operiere ja auch nicht schlechter, nur weil ich jemanden nicht leiden kann. Aber es gibt schon Patienten, bei denen ich mir an den Kopf fasse. Einer schlug mal Alarm, weil er glaubte, eine Penis-Hoden-Vergiftung zu haben. Er hatte da so einen Strich zwischen seiner Vorhaut und seinem Damm. Diese Linie heißt Raphe scroti und jeder Mann hat sie. Jeder! Ich habe mich schon gefragt, ob er sich noch nie nackt gesehen hat. Ein anderes Mal kam ein Mann bei einem öffentlichen Vortrag zu mir mit einem Jutebeutel, darin eine Plastiktüte mit einem Gurkenglas. Dort war sein blutiger Urin drin und ich sollte ihm meine Meinung dazu sagen. Außerdem bin ich immer fasziniert davon, was die Menschen bereit sind, ihrem Penis anzutun, weil sie ihre Erektionen verbessern wollen: Bänder, Ringe, Injektionen, dubiose Medikamente. Da denke ich: Lacht ruhig über Urologen, aber die Menschen brauchen Aufklärung.