Auf Zeit – Wie ehrenamtliche Helfer Kinder aus Kriegsgebieten retten

In Kriegsgebieten bricht die medizinische Versorgung häufig komplett zusammen. Eine deutsche Organisation ermöglicht Kindern aus diesen Regionen lebensrettende Behandlung im Ausland.

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Dez. 14 2016, 5:00am


Die verletzten Kinder landen mit der Chartermaschine auf dem Flughafen in Düsseldorf. Sie bringen nichts mit außer den Kleidern, die sie am Leib tragen—keinen Koffer, weder Zahnbürste noch eine warme Jacke

Aus der Sie kommen nachts raus Ausgabe

In Kriegsgebieten bricht die medizinische Versorgung häufig komplett zusammen. Für einen Großteil der Bevölkerung ist eine Behandlung nicht mehr möglich und selbst Jahre nach einem Konflikt können komplizierte Operationen nicht durchgeführt werden. Qualifiziertes Personal und Infrastruktur fehlen. Für Patienten kann das schlicht den Tod bedeuten.

Ich habe diese Situationen häufig in Nachkriegsstaaten wie Sierra Leone oder Konfliktgebieten wie dem Ostkongo gesehen und dokumentiert. Von Krieg betroffen sind weltweit auch ca. 230 Millionen Kinder, für die kranken und verletzten unter ihnen ist eine medizinische Behandlung im Ausland oft die einzige Überlebenschance. Seit vier Jahren verfolge ich die Arbeit von Friedensdorf International, einer Organisation aus Oberhausen, die Kindern diese medizini­sche Behandlung in Deutschland ermöglicht. Jedes Jahr kommen zwischen 300 und 400, momentan vor allem aus Angola und Afghanistan. Länder, in denen über Jahrzehnte Krieg tobte und in die das Friedensdorf lange und intensive Kontakte pflegt.

Vor, zwischen und nach der Krankenhausbehandlung leben Kinder aus acht Nationen zusammen in der Reha- und Pflegeeinrichtung. Ich habe dabei die verschiedenen Phasen über Ankunft, Behandlung im Krankenhaus und Leben im Friedensdorf bis hin zur Heimreise begleitet und erlebt, wie sich die Kinder in der kurzen Zeit entwickeln.

Viele der schwerverletzten Kinder werden direkt vom Flughafen von ehrenamtlichen Helfern des Roten Kreuzes mit Krankenwagen in die Krankenhäuser transportiert, die anderen werden vorübergehend bis zur Aufnahme im Krankenhaus mit dem Bus ins Friedensdorf nach Oberhausen gebracht.

Für Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten ist die Behandlung in Europa oft die letzte Überlebenschance. Eine Voraussetzung für die Aufnahme im Friedensdorf ist, dass die medizinische Behandlung in der Heimat nicht möglich ist. Häufigste Verletzungen sind Knochenentzündungen und großflächige Narben nach Verbrennungen.

Auf dem Weg vom Flughafen ins Krankenhaus überkommt Beto die Müdigkeit. Es sind schon über 24 Stunden vergangen, seit seine Eltern ihn in den besten Sonntagsanzug gesteckt und den Mitarbeitern des Friedensdorfes in Luanda übergeben haben.

Beto im Krankenhaus.

Angolanische Kinder beschäftigen sich gemeinsam mit einem Comic.

Physiotherapie bekommen die Kinder nach dem Krankenhausaufenthalt direkt im Friedensdorf. Die Pflege der Verletzungen und der Umgang mit Prothesen wird hier sorgfältig geübt.

Eine Mitarbeiterin des Friedensdorfes verabschiedet sich von einem Kind, das die Heimreise antreten kann.

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