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Die Technologieausgabe

Wir haben sieben Multimedia-Künstler gebeten, uns ein Selbstporträt von sich zu zeigen

Für die Technologieausgabe des VICE Magazins haben uns Künstlerinnen und Künstler einen Einblick in ihre digitalen Identitäten gewährt.

von CREATORS STAFF
17 April 2017, 4:00am

Aus der Technologieausgabe.

PUSSYKREW

Das experimentelle CGI-Duo stammt aus Polen und hat seine kreative Auseinandersetzung mit neuen Medien zu einer Kunstform gemacht, für die es weltweit Anerkennung erfährt. PussyKrew besteht aus Andrzej Wojtas alias mi$ gogo und Ewelina Aleksandrowicz alias Tikul. Aus Motion Graphics und 3-D-gescannten Bildern erschaffen sie immersive Installationen und Multimedia-Erlebnisse. Die energischen und desorientierenden digitalen Kompositionen von PussyKrew hinterfragen unsere heteronormativen und patriarchalen Sichtweisen. Ihre Musikvideos und Live-Performance-Visuals erforschen die Ästhetik der urbanen Landschaft, unsere Vorstellungen von der Zukunft sowie Wahrnehmungen des Synthetischen und des Organischen. PussyKrew nehmen ihr Publikum mit auf visuelle Reisen, die sie als "Mischung aus fleischlichem Datennetz, flüssiger Dysphorie und 3-D-Fantasie" beschreiben.

::vtol::

Dmitry Morozov alias ::vtol:: war einer der ersten Multimedia-Künstler des postsowjetischen Russland. Das erforderte ein hohes Maß an Kreativität: Wie schon die Synthesizer-Hersteller in Großbritannien nach dem Zweiten Weltkrieg griff er auf Technikschrott als Baumaterial zurück. Morozov hat bereits am Center for New Music and Audio Technologies der UC Berkeley und im Polytechnischen Museum in Moskau doziert. 2015 wurde er beim Prix Ars Electronica in der Kategorie "Digital Musics & Sound Art" geehrt. Heute lebt er in Moskau und nutzt sein Wissen in den Bereichen Robotertechnik, Klangkunst und Wissenschaft, um experimentelle Musikinstrumente und modulare Synthesizer zu erschaffen. Zu seinen Kreationen gehören Maler-Roboter, ein magnetisch schwebender Bluetooth-Lautsprecher und ein musikalisches Tattoo.

COOL 3D WORLD

Cool 3D World ist das kollaborative Animationsprojekt von zwei wahren Meistern des Absurden. Im Netz sind die Künstler Brian Tessler und Jon Baken besser als brianbrianbrianbrian und popcorn10 bekannt. Seit 2015 erstellen sie 3-D-animierte Kurzfilme und digitale Porträts, die zu dem Bizarrsten gehören, was das Internet zu bieten hat. Die Animationen zeigen abstrakte, charakteristisch deformierte Figuren in einer Parallelwelt, in der alles möglich scheint. Die Kurzfilme der kompromisslosen Künstler bringen das Publikum sowohl zum Lachen als auch zum Kopfschütteln. Ihr Schaffensprozess ist spontan und experimentell, denn Cool 3D World fragen nicht nach dem Warum, sondern immer nur: "Warum nicht?"

BROWNTOURAGE

Tonia Beglari und Hawa Arsala waren in den Künstlerkreisen von San Francisco Bay Area hauptsächlich von weißen Männern umgeben. Mit ihrem Kollektiv Browntourage wollen die beiden Kunst von Women of Color fördern. Den Anstoß dazu lieferte ein Vorfall auf einer Party: Ein betrunkener Mann belästigte die Frauen und bezeichnete sie als seinen Harem. Beglari und Arsala wollten dieses Denkmuster auf den Kopf stellen. Browntourage ist ein Zusammenschluss von Women of Color, der für ihre Repräsentation im kulturellen Mainstream kämpft. 

Heute arbeitet das Kollektiv als Medienagentur, kuratorisches Portal sowie als Produktionsfirma und unterstützt diverse Künstlerinnen auf der ganzen Welt. Eines der neuesten Projekte von Browntourage: In Zusammenarbeit mit der iranischen Medienkünstlerin Morehshin Allahyariuntersuchen sie Zensur und kulturellen Genozid in Nahost. Mit jedem ihrer Genre-übergreifenden Projekte arbeiten die Frauen von Browntourage gegen Vorurteile an und verändern so den Diskurs über Gender und Race.

CHICO MACMURTRIE

"Amorphic Robot Works" (ARW) lässt sich entweder als Substantiv oder als seltsame Aussage lesen: „Ein amorpher Roboter arbeitet." Für den Brooklyner Künstler Chico MacMurtrie ist es beides. Mit ARW hat der kinetische Bildhauer, Roboteringenieur und Installations- und Performancekünstler ein interdisziplinäres Künstlerkollektiv gegründet. Die Gruppe hat für ihre preisgekrönten experimentellen Werke ein Stipendium von der Andy Warhol Foundation sowie ein Guggenheim-Stipendium erhalten. 2015 füllte MacMurtrie eine Kirche in Brooklyn mit mehr als 50 Robotern, darunter auch Musikmaschinen. Letztes Jahr hat er mit Border Crossers eine Reihe leuchtender, aufblasbarer Strukturen geschaffen, die sich auf beiden Seiten der US-mexikanischen Grenze aufblähen sollen.

NINA BEIER

Kunstkritiker schmeißen mit derartigen Sätzen zwar nur so um sich, doch auf Nina Beier trifft er perfekt zu: Sie ist der Inbegriff einer Multimedia-Künstlerin. Ihre künstlerischen Experimente sind so unterschiedlich, dass man sie nur schwer einordnen kann. Furchtlos erkundet Beier technisches Neuland, setzt Green-Screens und Live-Videostreams ein, um Zuschauer in fantastische digitale Welten zu entführen. Sie erforscht die Vergänglichkeit unseres Lebens in einem Zeitalter, in dem ein Knopfdruck uns manipulieren und transformieren kann. Die Werke der gebürtigen Dänin und Wahlberlinerin durchzieht der rote Faden des Surrealismus. Mit Materialien wie Hundehaaren, Farbe, Daten und Stoff sowie ihrem unsteten Verhältnis zur Form wandelt Beier zwischen den neuen digitalen Medien wie kaum eine andere moderne Künstlerin.

JEREMY COUILLARD

Jeremy Couillard ist ein verrückter Mediendirigent, der ein Orchester aus 3-D-gedruckten Skulpturen, Malerei, Film und Videospielen in einem grellbunten Angriff auf die physische Welt anführt. Seine Werke, die ganze Galerien und Theater verschlingen können, versprechen außerkörperliche Erfahrungen und Reisen ins Jenseits. 

Couillards VR-basierte Multimedia-Installation Out of Body Experience Clinic stellt die Frage: "Was wäre, wenn wir die irdische Ebene jederzeit verlassen könnten?" Besucher setzen VR-Brillen auf und finden sich erst einmal in einer exakten Kopie ihrer Umgebung wieder – doch dann beginnt eine metaphysische Reise voll mit Chant-Gesängen und Monstern. Am Ende werden Körper und Seele wieder vereint, doch der Glaube an Couillards Welt bleibt. Der Künstler stammt aus Detroit, lebt in Brooklyn und hat einen Master of Fine Arts von der Columbia University, wo er den pop-surrealistischen Malstil entwickelte, der seine Kunst noch immer prägt. Mit computergenerierter Kunst fordert er nicht nur unsere Sicht auf die physische Welt heraus, sondern auch die Fundamente der digitalen Welt.

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