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Safer Use

Ecstasy: Gerade wird vor einer extrem hoch dosierten "Instagram"-Pille gewarnt

Wenn MDMA, dann am besten als "Bombe", rät ein Experte. Wer dennoch lieber Pillen schmeißt, sollte sich vor diesen in Acht nehmen.

von VICE Staff
30 November 2018, 2:52pm

Pillenfotos: Checkit! | DIB+ | DIZ | Drogenarbeit Z6 | The Loop | Trimbos || Hintergründe, sofern nicht anders angegeben unter CC0

Der Konsum vom Ecstasy-Pillen ähnelt einem Blind Date. Entweder werden die Erwartungen erfüllt und die Konsumierenden erleben ein Hoch. Oder es geht schon vor dem tagelangen Comedown gehörig nach hinten los, weil alles andere drin steckt als MDMA oder die Pille extrem hoch dosiert war. Deshalb bevorzugen einige Konsumierende die Droge in Reinform, als Kristalle. Diese Konsumform hat sowohl Vor- als auch Nachteile gegenüber Pillen. Wir haben sie uns von einem Experten erklären lassen.

MDMA-Kristalle zieht oder dippt man. Oder sie werden in Getränken aufgelöst. Doch von allen drei Methoden rät Jonas Ortmanns vom Safer Use-Projekt Alice in Frankfurt ab: "Zieht man MDMA, reißt man sich leicht die Nasenschleimhäute auf. Es wirkt zwar schneller, aber kürzer als bei anderen Einnahmeformen." Dippe man MDMA-Kristalle, greife das die Zähne und das Zahnfleisch an. Auch ins Getränk gemischt schade das MDMA dem Mundraum. Würde das MDMA zudem in Alkohol aufgelöst, setze man sich zusätzlichen Gefahren durch Mischkonsum aus.

Die sicherste Einnahmeart für Kristalle sei deshalb eine MDMA-"Bombe", erklärt Ortmanns, "aber unter der Bedingung, dass man auch nur so viel nimmt wie man verträgt". Hierfür wird eine kleine Menge MDMA in eine Kapsel aus Gelatine gefüllt oder mit einem Zigarettenpapier umwickelt und geschluckt. Um eine Überdosierung zu vermeiden, sollten Konsumierende die MDMA-Menge vor der Einnahme mit einer Feinwaage wiegen: Maximal 1,5 Milligramm MDMA pro Kilogramm Körpergewicht für Männer und maximal 1,3 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht für Frauen.

Doch auch bei Kristallen kann man nie davon ausgehen, dass wirklich nur MDMA enthalten ist. In Drug-Checking Instituten in ganz Europa können Konsumierende deshalb Drogen auf Reinheit überprüfen lassen. Am häufigsten werden Ecstasy-Pillen zur Analyse gegeben. Wir sammeln die Ergebnisse und veröffentlichen sie wöchentlich. Untersucht wurden die Pillen von The Loop in Großbritannien, Eurotox in Belgien, dem niederländischen Trimbos Institut, "Checkit!" von der Suchthilfe Wien, Drogenarbeit Z6 in Innsbruck, Energy Control in Spanien, dem Drogeninformationszentrum der Stadt Zürich (DIZ) und der Drogeninfo Bern Plus (DIB+).

Die folgenden Pillenwarnungen wurden in den vergangenen sieben Tagen veröffentlicht. Alle Warnungen seit Mai dieses Jahres – einschließlich der neuen – haben wir in diesem Artikel zusammengefasst. Jede Pille ist entweder hoch oder extrem hoch dosiert, oder sie enthält gar kein oder nicht nur MDMA. Wenn eine Pille nicht gelistet ist, heißt das nicht, dass sie rein und niedrig dosiert ist. Der Artikel enthält zudem eine Reihe sogenannter Safer-Use-Regeln, um unnötige Risiken und mögliche Schäden durch Ecstasy-Konsum zu reduzieren. Wir erklären dort auch, warum wir überhaupt Pillenwarnungen veröffentlichen.

Die Seite pillen.sauberdrauf.com der bayerischen Drogenberatungsstelle mindzone und das Drug-Checking-Tool von saferparty.ch listen viele weitere und ältere Pillentests. Saferparty veröffentlichen im Laufe des Wochenendes regelmäßig zusätzlich neue Warnungen und Meldungen.

Die Pillenwarnungen für das erste Dezember-Wochenende

Rosafarbene "Instagram"

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Pillenfotos: Checkit! | DIB+ | DIZ | Drogenarbeit Z6 | The Loop | Trimbos || Hintergründe, sofern nicht anders angegeben unter CC0

Zu viel Instagram kann deiner Gesundheit schaden, zu viel MDMA auch. Energy Control testete Ende November in Madrid eine rosafarbene Pille mit Instagram-Logo auf eine extrem hohe Dosis von 217 Milligramm MDMA.

Rosafarbene oder pinke "Philipp Plein"

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Kaum eine Woche vergeht, in welcher keine Pille mit "Philipp Plein"-Logo zur Analyse gebracht wird. In Zürich untersuchte das DIZ Ende November eine pinke "PP"-Pille mit Totenkopf auf der Rückseite. Die Messung ergab eine hohe Dosis von 197 Milligramm MDMA. In Innsbruck kam eine rosafarbene "Philipp Plein" Anfang Juli auf 125 Milligramm MDMA. Im März gab Eurotox Warnungen für Pillen mit gleichem oder ähnlichem Aussehen heraus. Die in Belgien untersuchten pinken "PP"s enthielten kein MDMA, sondern den Upper 2-Fluoromethamphetamin.

Rosafarbene "Rockstar" *KEIN MDMA

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Verwechselt man eine rosafarbene "Rockstar" mit einer gelben, kann es schnell gefährlich werden. Gelbe Pillen mit "Rockstar"-Logo wurden in Wien im Juni und Oktober auf 160 und 183 Milligramm MDMA getestet. In Barcelona enthielt eine solche Pille in Rosa Ende November kein MDMA, sondern 9 Milligramm 2C-B. Der Stoff braucht länger, um zu wirken, eine Überdosierung durch Nachwerfen ist so wahrscheinlicher.

Rosafarbene "SILVER"

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Eine graue Pille mit der Aufschrift "SILVER" erreichte im Juni in Zürich 195 Milligramm MDMA. Eine rosafarbene "SILVER" kam Ende November in Madrid auf eine hohe Dosis von 181 Milligramm MDMA.

Gelbe "XXX"

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In Sachen Form und Motiv sind bei Pillen keine Grenzen gesetzt. In Ourense, im Nordwesten Spaniens, wurde eine Pille in Form eines Phallus abgegeben. Energy Control nannte das Teil "XXX" und fand darin 135 Milligramm MDMA.

Lilafarbene Anonymous

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Extrem hoch dosierte blaue Anonymous – obendrein mit unbekannten Synthesenebenprodukten verunreinigt – tauchten im Juni in Bern auf. Auch lilafarbene Anonymous sind keineswegs zu unterschätzen. Eine solche Pille wurde in Spanien auf 121 Milligramm MDMA analysiert.

Lilafarbenes Kleeblatt *KEIN MDMA

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Kauft man Pillen mit Kleeblättern als MDMA, ist es reine Glückssache, dass in den Teilen auch wirklich MDMA steckt. Die Tests beweisen nämlich das Gegenteil. Dunkle Kleeblätter enthielten in der Schweiz 2C-B – und das in hohen Mengen. In einer lilafarbenen Pille mit Kleeblatt fand Energy Control Ende November ebenfalls sechs Milligramm 2C-B. Auch bei der Analyse eines weißen Kleeblatts testeten die Forscher und Forscherinnen in Bern kein MDMA, sondern 37 Milligramm des Piperazinderivats m-CPP.

Weiße runde Pille ohne Logo oder Namen *KEIN MDMA

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Pillen ohne Aufdruck beinhalten oftmals kein MDMA, dafür andere psychoaktive Substanzen wie 2C-B oder 25I-NBOMe. Eine weiße runde Pille ohne MDMA wurde Ende November in Zürich analysiert. Sie enthielt 227 Milligramm Koffein. Da nach dem Einschmeißen dieser Pille nicht die gewünschte Wirkung eintritt, besteht die Gefahr, dass Konsumierende immer weiter "nachlegen". Durch den Konsum hoher Mengen Koffein kann es zu Herzrasen, Rastlosigkeit und Dehydration kommen. Weitere Pillen ohne Ecstasy haben wir in unserem Hauptartikel mit dem Vermerk "KEIN MDMA" gelistet.

Weiße "Audi"

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Eine weiße Pille mit Audi-Logo erreichte in Barcelona Ende November eine extrem hohe Dosis von 256 Milligramm MDMA. Besonders hoch dosiert sind auch graue "Audis", mit bis zu 242 Milligramm MDMA.

Weiße "Xanax"

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Obwohl es Valium, Xanax oder Diazepam auf Rezept gibt, ist der Konsum von Benzodiazepinen auf keinen Fall zu unterschätzen. Beruhigungsmittel können hochgradig abhängig machen. Richtig dumm läuft es, wenn man anstatt Xanax eine solche weiße "Xanax"-Pille schluckt, wie sie Mitte November in Zürich untersucht wurde. Denn auch bei Medikamenten gibt es Falschdeklarationen. Statt Alprazolam, das sonst in Xanax steckt, fand man im Labor die aufputschende Droge Amphetamin sowie die Arzneistoffe Promethazin, Cyproheptadin und Amantadin. Es besteht ein unbekanntes Gesundheitsrisiko beim Einnehmen einer solchen Pille.

Graue Trump

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Bei dieser Pille haben sich die Herstellenden wohl in der Farbe vergriffen, Orange passt eigentlich besser zum US-Präsidenten. Trumps in Orange tauchten bisher mit Werten von bis zu 243 Milligramm MDMA auf. Aber auch eine graue Trump wurde Ende November in Zürich abgegeben und vom DIZ auf eine hohe Dosis von 186 Milligramm MDMA getestet.

Wenn du oder deine Freunde schon einmal ambulant behandelt werden mussten, nachdem ihr Drogen genommen hattet, und du mit VICE über diese Erfahrung sprechen möchtest, erreichst du unseren Redakteur Thomas Vorreyer per E-Mail oder Twitter-DM.

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