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Weihnachten

Warum du an den Feiertagen offline sein solltest

Eine Einschaltung im Sinne des öffentlichen Wohlbefindens.

von Josef Zorn
24 Dezember 2017, 6:00am

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Frohe Feiertage, liebe Erdenbürger! Auch wenn ihr diese Ansage schon von verschiedensten Seiten gehört habt, man kann es nicht oft genug sagen: Es braucht auch manchmal nicht nur Urlaub von der Arbeit, sondern auch von Social Media. Meine frohe Weihnachtskunde lautet deshalb "Log the fuck off!" und das meine ich durchaus ernst.

Das sage ich, obwohl mein tägliches Leben komplett durchzogen ist Postings, Likes und Selbstdarstellung auf verschiedensten Kanälen – wie vermutlich auch bei euch und generell jedem Menschen, der unter 70 und über dem Vernetzungsgrad eines Punschkrapferls ist.

Zusätzlich zum sozialen Aspekt des Internets ist es bei mir längst so weit, dass ich auch ein haptisches Suchtverhalten entwickelt habe und einfach immer irgendetwas in der Hand halten und mit dem Finger irgendwohin scrollen muss. Instagram ist wie Rauchen. Und das private Auftreten auf Facebook ist inzwischen sogar zu sowas wie einer zusätzlichen 20-Stunden-Mikroanstellung geworden. Wenn Social Media dann einen tatsächlichen Teil des Arbeitsalltags darstellt, kann das ziemlich anstrengend werden.

Mein altes unsmartes Samsung.

Alle diese Dinge in Kombination sind es vielleicht, die dazu geführt haben, dass ich verstohlen auf mein altes, gar nicht smartes Samsung-Tastenhandy gestarrt habe, als mir vor kurzem wieder mal jemand erzählte, dass er sein Facebook-Profil für unbestimmte Zeit still legen und dieses unsägliche (weil auf Social Media total totdiskutierte) "Digital Detox" machen will. Sicher, Insta-Storys über Schweinsbraten-Rezepte und Podcasts sind mein Leben, aber irgendwie holt mich in letzter Zeit immer öfter der Tagtraum von der schönen Offline-Welt ein.

Die Feiertage bieten sich dafür nicht nur an, weil es in der besinnlichen Weihnachtszeit gesamtgesellschaftlich am Akzeptabelsten ist, sich zurückzuziehen (solange niemand weiß, dass man die Zeit mit fernsehen und fressen statt tiefgründigen Familiengesprächen verbringt).

Die Tage zwischen Weihnachten und Silvester sind auch deshalb ein guter Detox-Zeitpunkt, weil ihr online wirklich nichts verpasst – also: ABSOLUT REIN GAR NICHTS – und ihr euch durch die generelle Netz-Stille für gar nichts rechtfertigen müsst. Also auch nicht dafür, doch für 5 Minuten auf Instagram links und rechts angetrunkene Herzchen zu verteilen. Warum nicht auch kurz der Trotzkultur trotzen! Ich bin ja kein Hardliner und glaube, das Internet führt zur Verdummung der Menschheit.

Die Weihnachtszeit ist die Twilight Zone zwischen diesen ganzen Extremen: Hier könnt ihr den großen Zeh in den Schnee der Offline-Welt stecken und austesten, ob die Hipster-Fantasie vom Prepper-Aussteigertum wirklich was für euch ist – oder ob es vielleicht mit vier, fünf Tagen Konsum-Reduktion nicht auch schon wieder gut ist.

Ich habe mein altes Unsmartphone jedenfalls griffbereit und werde das diesmal zu Weihnachten durchziehen. Wie ich es auch bereits im Urlaub tue. Auch weil ich glaube, dass man damit noch eine im Grunde sehr weihnachtliche Sache lernt: nämlich Genügsamkeit. Eine SMS, die nicht Teil einer Sammelnachricht vom Messenger Service und nur an mich adressiert ist, fühlt sich plötzlich besonders und viel süßer an, wie ein Stamperl Zirbenschnaps von den Großeltern.

Eine SMS, die nicht Teil einer Sammelnachricht vom Messenger Service und nur an mich adressiert ist, fühlt sich plötzlich viel süßer an; wie ein Stamperl Zirbenschnaps von den Großeltern.

Und ganz ehrlich: Online gibt es zu dieser Zeit sowieso nur schlecht getargetete Weihnachtswerbung und tausende Deko-Fotos von Halbfremden, die uns allen schon in den vergangenen Jahren nur auf die Eier(stöcke) gegangen sind. Oder die paar Postings von aufgebrachten Idioten, die demonstrativ laut "Weihnachten" und "Nikolo" bellen, weil sie unter ihrem Alufolien-Hut Angst davor haben, dass ihnen ein Muezzin den Adventskranz ausbläst und die Muslime per Verordnung alle Christkindlmärkte in "Wintermarkt" umbenennen lassen (wie auch immer das gehen soll, wenn doch Kurz und Strache regieren, aber bitte).

Ich werde jedenfalls zusammen mit meinem Bruder wieder einmal Jesus Christ Vampire Hunter schauen und mich mit Keksen und fettem Essen vollstopfen. Wenn ich durchhalte, werde ich nichts davon im sozialen Netz posten, weil es euch sowieso nur auf den Nerv geht. Und weil ihr, wenn ihr genauso stark seid, sowieso auch offline sei. Also: Schaltet mal ein bisschen runter und genießt den langsamen Rest vom Leben. Viele frohe Bussis!

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