Wie Migranten Rap geformt haben – Ein Gespräch mit HipHop-Forscher Hannes Loh

Die Massenmedien haben in den 90ern HipHop in Deutschland einseitig wiedergegeben. HipHop in Deutschland war immer auch eine migrantische Bewegung und diesem Fakt wurde bis zum Aufkommen von Gangsta-Rap viel zu wenig Platz gegeben.

22 Jänner 2017, 5:56pm

Foto: Robert Wunsch

Er analysiert und dokumentiert den deutschen Rap: Während Hannes Loh in den 1990ern noch selbst als Rapper mit der Crew Anarchist Academy aktiv war, ist er heute eine der wichtigsten Beobachter der Subkultur HipHop. Als Journalist hat er unzählige Artikel und Interviews veröffentlicht. Als Autor publizierte er insgesamt fünf Bücher, die sich allesamt mit der Geschichte von HipHop in Deutschland beschäftigen. Vor einem Jahr erschien das 600-Seiten Werk 35 Jahre HipHop in Deutschland, in dem Loh gemeinsam mit Sascha Verlan die Entwicklung von HipHop seit den 1980er Jahren nachzeichnet. Zusammen mit Murat Güngör hat er den Zusammenhang zwischen HipHop und Migration in Deutschland thematisiert und damit eine Debatte angestossen, die bis heute andauert

Lohs Analysen, die sich hauptsächlich mit den Entwicklungen in Deutschland beschäftigen, könnten auch wegweisend für die Szene in der Schweiz sein. Immerhin besteht doch die Annahme, die sich teilweise auch bestätigt, dass die Schweizer Szene der deutschen in vielerlei Hinsicht um fünf bis zehn Jahre hinterherhinkt. Einen ähnlichen Gap in Bezug auf die Evolution der HipHop-Kultur gibt es indes auch zwischen der deutschen und der US-amerikanischen Szene. Auch wenn sich selbstverständlich die Szenen in den jeweiligen Ländern aufgrund der regionalen Eigenheiten nur schwer vergleichen lassen, können Parallelen gezogen werden.

Ich habe mich mit Hannes Loh zu einem längeren Gespräch getroffen und mich mit ihm über die Beziehung zwischen HipHop und Migration unterhalten. Vor allem die Entstehung des Genre Gangsta-Raps in Deutschland erzählt eine Geschichte, die mit Rassismus, Selbstermächtigung und Deutungshoheit verknüpft ist.

Hannes Loh schrieb fünf Bücher über die deutsche HipHop-Bewegung | Bild: zVg

Noisey: In welcher Beziehung stehen HipHop-Kultur und das Thema Migration?

Hannes Loh: Diese Beziehung ist sehr eng. Nur schon die Tatsache, dass jeder Afroamerikaner in den USA mit einer Diaspora-Erfahrung in der eigenen Familie aufgewachsen ist, macht HipHop und Migration, aber auch HipHop und Minderheitsgesellschaft voneinander untrennbar. Die grossen HipHop-Pioniere wie Kool DJ Herc, Grandmaster Flash und ganz viele andere haben eine konkrete Migrationserfahrung als Kinder oder Jugendliche vorzuweisen. Als HipHop in New York entstand, war es eine Bewegung junger Afroamerikaner, die Kinder der schwarzen Bürgerrechtsbewegung waren, aber auch von Migranten aus Jamaica, Puerto Rico, Haiti, Kuba und anderen Ländern. In Deutschland wurde die HipHop-Szene Anfang der 80er-Jahre massgeblich von jungen Türken, Kurden, Italienern und Jugoslawen mit aufgebaut. Auch in der Schweiz waren Spanier, Portugiesen, Italiener, Türken und später dann auch Jugendliche aus Ex-Jugoslawien anteilsmässig ausschlaggebende Gruppen.

Was macht denn HipHop für junge Migranten oder Menschen aus der Minderheitsgesellschaft so attraktiv?
HipHop funktioniert jenseits des sozialen Status, der ethnischen Herkunft oder der Religionszugehörigkeit. Er bietet jungen Menschen die Möglichkeit, sich zu verwirklichen. HipHop macht jungen Menschen ganz konkrete Angebote, um sich sich selbst zu erleben: Auf der künstlerisch-kreativen Ebene hast du die Möglichkeit, deinen eigenen Style zu kreieren, dadurch wahrgenommen zu werden und zu existieren und dich mit anderen zu messen. Und diese Teilnahme macht dich auf einen Schlag zum Teil einer Community. Du bist sofort Teil einer Gruppe mit ganz vielen Gleichgesinnten, die lokal agiert und existiert, aber du bist auch Teil einer globalen Jugendkultur, mit einer eigenen Geschichte, eigenen Codes und Verhaltensregeln, die du erforschen und dir aneignen kannst. Das ist für alle Jugendlichen im Allgemeinen sehr attraktiv. Aber für Menschen, die zwischen zwei Kulturen leben oder für die in der Mehrheitsgesellschaft kein Platz vorgesehen ist, ist es noch anziehender.

Gibt es auch wirtschaftliche Faktoren, die eine Rolle dabei gespielt haben, dass junge Menschen aus der Minderheitsgesellschaft sich in Massen der Subkultur HipHop zugewandt haben und sie unwiderruflich geprägt haben?
Ja, die gibt es sehr wohl. Die meisten Migrantenkinder lebten in Deutschland in eher grossen Arbeiterfamilien in kleinen Mietwohnungen. Die wirtschaftlichen Realitäten sahen so aus, dass kein Geld für teure Hobbys oder Freizeitaktivitäten übrig war. Doch für das Hobby HipHop war dies eben gar nicht nötig. Du konntest gleich loslegen. Ausser vielleicht beim DJing und beim Sprayen, für die du doch eine finanzielle Investition tätigen musst. Darum waren die meisten Akteure der Szene auch anfänglich nicht DJs oder Sprayer, sondern vor allem Tänzer. Die Realitäten der deutschen Mittelschicht hingegen sahen anders aus: Du warst im Verein, hattest dein BMX, nahmst Musikunterricht und so weiter. Die Realitäten einer Migrationsbiographie sind eng mit der wirtschaftlichen und sozialen Zuweisung zur Unterschicht verknüpft. Was aber selbstverständlich nicht heisst, dass es keine Unterschicht unter den sogenannten Einheimischen gibt.

Trotzdem wurde aber deutscher HipHop vor allem in den 90er-Jahren von den Massenmedien als sehr mittelständisch und deutsch inszeniert. Hatte sich die Szene von einer anfänglich eher migrantischen zu einer mittelständisch-deutschen gewandelt oder was war passiert?
Die Massenmedien haben in den 90ern anhand von Crews wie den Fantastischen Vier oder Fettes Brot die Geschichte von HipHop in Deutschland einseitig wiedergegeben. Es wurde behauptet, die Entwicklung hierzulande sei nicht zu vergleichen mit der Entstehung des Genres in den USA und dabei wurde vor allem darauf bestanden, dass es in Deutschland keine sozialen Brennpunkte gebe und HipHop made in Germany ein Phänomen des Mittelstands sei. Bands wie die Fantastischen Vier haben wenig dafür getan, diese Erzählung des Feuilletons zu irritieren. So wurde HipHop spätestens ab 1993 auf Deutschrap reduziert und als kreative Spasskultur vermarktet. Die Fantastischen Vier aus Stuttgart waren das Aushängeschild dieser Erzählung. Dass HipHop in der Realität mit Migration, sozialer Benachteiligung und prekären Lebensumständen zu tun hatte und von Jugendlichen der Minderheitsgesellschaft mit aufgebaut wurde, wurde ausgeblendet. Man kann von einer Verdrängung dieser Realitäten sprechen, wenn man sich die Berichterstattung der deutschen Medien in den 90er-Jahren über HipHop anschaut.

Die medialen Rap-Aushängeschilder der 90er: Die Fantastischen Vier

Dennoch ist diese Erzählung irgendwann in sich zusammengebrochen. Inzwischen wird HipHop in Deutschland explizit als migrantisch oder gar "kanakisch" wahrgenommen. Wie kam es zu dieser Gegenentwicklung?

Diese Gegenentwicklung kam mit dem Aufstieg des Strassen- und Gangsta-Rap in Deutschland. Namentlich kam diese Entwicklung in Form eines Rappers namens Bushido. Er war Anfang der 00er-Jahre eine Ausnahmeerscheinung und ein Gegenentwurf zu den Rappern aus Stuttgart oder Hamburg, die bis anhin das Bild von Rap in Deutschland geprägt hatten. Ich muss hier fairerweise anfügen, dass Bushido natürlich auch eine teilweise kreierte Figur war. Im Cast von Aggro Berlin spielte er quasi den bösen Araber. B-Tight und Sido waren für das Ironische und Lustige zuständig. Und Fler musste sich in der Rolle des wütenden, deutschen Heimjungen nicht einmal gross verstellen. Das gilt natürlich auch für den Rest der Truppe. Aber die Gesamtkonstellation der Gruppe war auf jeden Fall kein Zufall.

Natürlich bediente darum auch Bushido Klischees. Aber zum ersten Mal kam ein Rapper an den Start, der sagte: "Ich komme von unten und ich komme, um euch alle zu ficken". Ausserdem sagte Bushido: "Ich möchte nichts mit eurer Szene zu tun haben und ich bin auch kein Rapper". Und das alles in einem Deutsch, das bis dato von der Mehrheitsgesellschaft nur verhöhnt und belächelt wurde. Komiker wie zum Beispiel Erkan & Stefan hatten bis anhin als einzige dieses Deutsch einer grossen Öffentlichkeit vorgestellt. Mit dem Ziel, dass man sich über diese Art zu reden gemeinsam lustig machen konnte. Dahinter steckt selbstverständlich die Intention, sich einzureden, dass man besser, gebildeter, intelligenter ist als die Gruppe, über die man sich lustig macht. Es ist eine sehr perfide Form von Rassismus und sie ist mit Blackfacing vergleichbar. Bushido und seine Nachfolger waren für all diese Leute eine Provokation.

Welche Rolle spielt bei dieser Gegenentwicklung, bei der Bushido quasi eine Blaupause war, die Thematik der Migration? Die Rapper, denen Bushido die Tür geöffnet hat, sind doch allesamt in Deutschland sozialisiert worden und haben keinen wirklichen Bezug mehr zu den Herkunftsländern ihrer Eltern.
Nein, eben nicht. Die zweite Generation der Gangsta- und Strassenrapper, in Deutschland sind massgeblich Menschen mit einer direkten Migrationserfahrung. Sie wurden zwar in Deutschland sozialisiert, waren aber immer Teil einer Minderheitsgesellschaft. Künstler wie Fard, Kurdo, Xatar, Bero Bass, Nazar, Eno, Zuna, Farid Bang, SSIO, MoTrip oder Majoe sind als Kinder von Flüchtlingen nach Deutschland gekommen , so dass ihre Migrationsbiographie eine wichtige Rolle in ihrer persönlichen Erfahrung spielt und sich direkt oder indirekt in ihrem künstlerischen Output niederschlägt. Keiner dieser MCs wuchs mit Deutsch als Muttersprache auf und doch prägen sie heute mit ihrem urbanen HipHop-Sozio-Ethnolekt den Slang der deutschen Jugend. Das war der Nährboden für die Generation von Rappern, die die Szene auf den Kopf gestellt und umgekrempelt hat. Es ist also festzuhalten dass Strassen- und Gangsta-Rap in Deutschland nicht in erster Linie ein Produkt der dritten Einwanderergeneration ist. Unsere Recherchen zeigen: Ein grosser Teil der Vertreter des Genres haben eigene direkte Migrationerfahrungen. Gangsta-Rap ist ein Genre, das seine Frische und seine Kraft aus der Nähe zur Diaspora schöpft.

Gibt es Unterschiede zwischen der ersten Welle von Gangsta-Rap in Form von Bushido und einer späteren Welle, die von Haftbefehl angeführt wurde?
Bushidos erste Alben klingen ernster und verbissener als die aktuellen Sachen von Haftbefehl, SSIO oder Xatar. Bushido musste mit den Schulen aus Hamburg oder Stuttgart brechen und war permanent im Angriffsmodus. Haftbefehl hingegen war 19 Jahre alt, als Bushido 2003 sein erstes Album veröffentlichte. In einem Interview mit der Tageszeitung Die Welt sagt Haftbefehl dazu: "Bushido war der erste deutsche Gangsta! Azad hat noch über Rap gerappt, Bushido über die Strasse." Die sprachliche Erneuerungskraft der aktuellen Strassen-Rapper ist erstaunlich. In einem anderen Interview wurde Haftbefehl mal skeptisch entgegnet: "So spricht doch niemand, in diesem künstlichen Kreol." Darauf Haftbefehl: "Doch. Ich habe die Wörter ja von der Strasse. Manche habe ich auch selbst erfunden und hinausgeschickt auf die Strasse, um sie wieder einzusammeln." Die Zeit, als man über das schlechte Deutsch der ersten und zweiten Generation gelacht hat, ist vorbei. Heute läuft die Mehrheitsgesellschaft den Sprachspielen der MCs hinterher und will sie unbedingt verstehen.

Deutschrap hatte Ende der 90er-Jahre mit den Fantastischen Vier, den Beginnern oder Dendemann wirklich ein ganz anderes Gesicht als heute. Kannst du konkret erläutern, wie es diese Generation nach Bushido geschafft hat, die Szene umzukrempeln?
Das Wort "Kanake" ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich diese Erzählung gewandelt hat. Dieses Wort war ursprünglich ein abwertendes Schimpfwort für einen Südländer. Inzwischen wird es von jungen Türken, Kurden oder Arabern als eine selbstbewusste Eigenbezeichnung verwendet und hat eine vergleichbare Funktion wie das Wort "Nigger" bei jungen Afroamerikanern in den USA: Eine betroffene Minderheit nimmt einen abwertende Bezeichnung, die die Mehrheitsgesellschaft kreiert hat, kapert diese völlig und lädt sie mit allem auf, was sie selbst für positiv empfindet. So grenzen sich diese Gruppen nicht nur ab, sondern machen sie zu einer positiven Selbstbezeichnung. Grosse Teile der Mehrheitsgesellschaft findet deine selbstbewusste Haltung faszinierend und mögen es, dir zuzusehen, wie du bist. Sie mögen die Art von Musik, die du machst, wie du sprichst, wie du dich kleidest. Du wirst also quasi zum Rolemodel.

Was finden denn die mittelständischen deutschen Jugendlichen an Rappern wie eben Bushido, Haftbefehl oder Xatar so faszinierend?
Da gibt es meiner Meinung nach einige wichtige Komponenten: Zum einen ist es ein gewisser voyeuristischer Antrieb. Du schaust gerne zu, wie andere anders sind, und im Gegensatz zum Beispiel mit den Komikern von Erkan & Stefan macht man sich hier nicht lustig, sondern gruselt sich fast schon ein wenig. Die Storys der Rapper sind real erlebbare Actionfilme und die Rapper quasi Superhelden. Zum anderen strahlen die von dir genannten Beispiele eine Art von Rebellion aus, die dir als Jugendlicher sehr entgegenkommt. Es sind ideale Bilder, um sich von den Eltern und von der Gesellschaft abzugrenzen. Für die Jungs bietet es ausserdem ein hypermaskulines Bild von Männlichkeit, an dem sie sich gerne orientieren. Klingt ja auch sehr verlockend, wenn ein Rapper dutzende Bitches am Start hat, um es in der Sprache ebendieser auszudrücken.

Apropos Sprache: Was diese Rapper mit der deutschen Sprache machen, ist absolut innovativ und kreativ. Das ist meiner Meinung nach ein wichtiger Faktor dafür, warum diese Künstler so faszinierend auf junge Menschen wirken. Da wird die deutsche Hochsprache mit den englischen Codes der HipHop-Kultur gemixt, mit verschiedenen Einflüssen aus den Sprachen der Herkunftsländer gewürzt und am Ende noch mit den regionalen Eigenheiten der deutschen Stadt, in der du lebst, abgerundet.

Nicht nur die Jugendlichen, auch das Feuilleton der etablierten Medien interessiert sich sehr stark für Leute wie Haftbefehl oder Xatar. Genau wie im Amerika Ende der 80er-, anfangs 90er-Jahre betreibt das Feuilleton auch in Deutschland quasi Kultur- und Sprachforschung und ihr Objekt ist eben diese Spielart von Rap. Das Exotische ist faszinierend und Journalisten wollen es ihrem Publikum leicht verdaubar auftischen. Natürlich spielt auch hier diese eben genannte voyeuristische Komponente eine zentrale Rolle.

Inwiefern sind sich Protagonisten wie zum Beispiel Haftbefehl dieser Rolle bewusst? Einerseits, dass sie eben Rolemodels bei der Identitätsbildung sind, andererseits aber auch diesbezüglich, dass sie quasi ein "Forschungsobjekt" sind?
Ich glaube, Aykut Anhan ist sich sehr wohl darüber im Klaren, was sein Auftreten und seine Inhalte als Haftbefehl bedeuten und bewirken. Es ist auch wichtig festzuhalten, dass viele Entscheidungen von Künstlern wie Haftbefehl einen markt-strategischen Hintergrund haben und das Ziel verfolgen, kommerziell erfolgreich zu sein und zu bleiben. Rap stellt diesbezüglich auch eine Möglichkeit für gesellschaftlichen Aufstieg dar. Menschen aus diesen Milieus haben eben im Vergleich zum Mittelstand nicht die gleichen Voraussetzungen und Alternativen. Die können nicht sagen: ich mach jetzt mal Gangsta-Rap und danach widme ich mich wieder meinem Studium. Und möglicherweise funktioniert Haftbefehl kommerziell auch nur so lange, wie er die Stereotype bedient, die von ihm erwartet werden. Oft zeigt sich im persönlichen Kontakt, dass diese Künstler privat durchaus andere Werte und Überzeugungen vertreten, als man das aufgrund ihrer Texte vermuten mag.

Ist der Erfolg von Gangsta-Rap nicht auch darum so stark, weil es ein Genre ist, dass direkt die Geschichten aus der Mitte der Gesellschaft aufgreift und weil sich so viele Menschen damit identifizieren können, wenn einer so redet und rappt, wie sie es in ihrem alltäglichen Leben tun?
Doch, diese Feststellung ist sehr wichtig, um zu verstehen, warum diese Art von Musik so gut funktioniert und zusammen mit den besprochenen Motivationen der Mehrheitsgesellschaft macht es sie im gesamtgesellschaftlichen Kontext erfolgreich. Interessant ist auch, dass das Genre Migrationsströme nachzeichnet. Viele der aktuell erfolgreichen Rapper stammen aus Familien, die in den 80er-Jahren aus dem Nahen Osten eingewandert sind. Ihnen folgt schon bald eine Generation von Jugendlichen, deren Eltern aus afrikanischen Staaten nach Deutschland gekommen sind. In Köln zum Beispiel gibt es bereits eine Afro-Trap-Szene, die nochmal eine andere Identität vorzuweisen hat. Und wir können auch heute schon davon ausgehen, dass sich in absehbarer Zeit die ersten Deutsch-Rapper zu Wort melden werden, die vor dem Krieg in Syrien geflüchtet sind. Aus diesem Grund steht die ästhetische, musikalische und sprachliche Gestaltung des Genres in enger Verbindung mit den migrationsbiographischen Erfahrungen seiner Protagonisten. Im Gangsta-Rap bildet sich der Fussabdruck vorangegangener globaler Migrationsbewegungen ab und erinnert uns an die Kriege und Krisen, die Menschen dazu zwingen, alles hinter sich zu lassen, um eine neue Heimat zu suchen.

**

Ugur auf Twitter

Noisey Schweiz auf Facebook