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In dieser Bäckerei findest du Brot – und Überbleibsel aus dem Zweiten Weltkrieg

"Nach dem Krieg hat man die Helme der deutschen Soldaten zu Sieben umfunktioniert. Was hätte man auch sonst mit ihnen anstellen sollen?"

von Frederike van der Molen, Text: Charlotte Simons
03 November 2016, 8:00am

Mathieu Sonnemans und sein Sohn Rolf vor ihrer Bäckerei

"Sonnemans" ist eine kleine, hübsch anzuschauende Bäckerei in den Niederlanden, wo du dir beim Kauf eines frischen Brots auch direkt noch ein paar originale Helme aus dem Zweiten Weltkrieg anschauen kannst. Diese Kombination ist jedoch wenig überraschend, wenn man weiß, dass der Bäcker Mathieu Sonnemans gleichzeitig ein leidenschaftlicher Sammler von Nazi-Ausrüstung aus dem Zweiten Weltkrieg ist.

Die Dinge, die Mathieu sammelt und in seiner Bäckerei ausstellt, haben meistens etwas mit dem Atlantikwall zu tun. Der Atlantikwall zog sich von Skandinavien bis runter zur Südküste Frankreichs und Teile davon verliefen auch durch Burgh-Haamstede—das Dorf, in dem sich Mathieus Bäckerei befindet. Teile seiner Sammlung hat Mathieu in den Bunkern der umliegenden Wälder und Dünen selbst ausgegraben. An den Rest ist er durch Freunde und Bekannte gekommen.

Mathieu ist jedoch bei weitem kein Nazi-Sympathisant. Nein, er ist nur fasziniert vom Zweiten Weltkrieg. "Als ich 13 war, zog meine Familie in die Provinz Zeeland. Kurz darauf stieß ich auch schon auf die ersten Bunker im Wald. Dieser Krieg hat schon immer meine Neugierde geweckt", erklärt er mir bei meinem Besuch. "Der Atlantikwall hatte eine so großen Einfluss auf die Region hier und als Anwohner kann man sich diesem Einfluss nicht entziehen."

Die Verkaufstheke der Bäckerei

Das Fotoalbum links gehörte einem deutschen Soldaten und das Buch rechts war ein Weihnachtsgeschenk von einem Soldaten an einen anderen. Mathieu erzählt: "Viele Deutsche besitzen noch Familienfotoalben aus dieser Zeit. Wenn ich nach der Arbeit zu meinem Auto zurückkehre, finde ich auf dem Sitz manchmal solche Fotoalben, die jemand durch den Fensterschlitz gesteckt hat. In Bezug auf den Zweiten Weltkrieg verspüren viele Deutsche noch immer richtig viel Scham und wollen deshalb nichts besitzen, was sie an diese Zeit erinnert."

Mathieu in seiner Bäckerei

Mathieu besitzt viele solcher Lampen, die einst in den Bunkern hingen

"Diese Siebe wurden von Leen Verwest, dem ehemaligen örtlichen Schmied, angefertigt. Früher waren sie Helme der deutschen Soldaten, aber nach dem Krieg hat man sie zu Sieben umfunktioniert. Was hätte man auch sonst mit ihnen anstellen sollen?"

Ein politischer Comic von Leen Jordaan über die niederländische Nazi-Partei. "Während des Kriegs waren solche Comics verboten und man hat sie deshalb unter der Hand verteilt", sagt Mathieu

Die Bäckerei

"Ich habe auch mal eine Dose aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden, in der sich noch etwas Brot befand, das noch lange nicht verschimmelt war. Also habe ich reingebissen. Aufgrund des Alters war das Brot jedoch steinhart." Das hier abgebildete Brot heißt "Bunkerbrot" und wurde in der gleichen Rezeptur damals auch von den deutschen Soldaten gegessen

Der Motor eines britischen Kampfflugzeugs (links) und der Ofen aus einem Bunker (rechts)

"Ich bin mir nicht ganz sicher, woher dieses Motorrad stammt, aber es ist sehr wahrscheinlich von den Deutschen. Es steht hier schon so lange rum, dass es sich bereits in eine Art Stillleben verwandelt hat."

Eine leere Seemine dient als Pflanzentopf

Links ist eine Bunkertoilette zu sehen, die in einen Abfalleimer umgewandelt wurde. Das rechte Foto zeigt ein Fahrrad, das die Deutschen im Krieg eingesetzt haben. "Ein Farmer von hier hatte es bei sich zu Hause. Nach dem Kriegsende wollte niemand auf einem Nazi-Fahrrad herumfahren", erzählt Mathieu

"Das sind Blaupausen von Landkarten der Deutschen. Diese Karten wurden in kleinere Stücke aufgeteilt, die zusammengesetzt eine große Karte ergeben haben. Auf ihnen waren die Standorte der Minen, der MG-Soldaten und der Bunker zu sehen", erklärt der Bäcker. Die Blaupausen wurden in einem Hühnerstall in der Nähe von Burgh-Haamstede gefunden

Ein Sicherungskasten aus dem Jahr 1939

Das war mal eine sehr teure Apparatur, mit der die Deutschen die Distanz zwischen ihren Kanonen und den Zielen bestimmen konnten. Nach dem Krieg hat der örtliche Schmied die Apparatur in ein Kehrblech verwandelt."