Die Wähler von Norbert Hofer erklären ihre Motive in eigenen Worten

Die etwas andere FPÖ-Analyse: Taucht ein in die Gedankenwelt von 185 Hofer-Wählern.

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13 Mai 2016, 8:15am

Vor wenigen Tagen habe ich die Unterstützer von Norbert Hofer gebeten, einen Fragebogen auszufüllen. "Liebe Unterstützer und Wähler von Norbert Hofer, ganz ehrlich: Ich verstehe manche eurer Motive nicht", schrieb ich, "helft mir doch, Norbert Hofer und seinen Erfolg besser zu verstehen." Die Rückmeldung war enorm. Ich hoffte auf Einsendungen von 20 bis 40 Personen, geworden sind es 185.

Thema unter dem entsprechenden Facebook-Post von VICE Alps war auch die Recherchemethode selbst. "Mit solchen Aktionen seid ihr die besten Wahlhelfer für Norbert Hofer und die FPÖ! Danke!", schrieb jemand, während eine andere Person meinte: "Die Wähler von Norbert Hofer wie sonderbare Bakterien unter einem Mikroskop beobachten zu wollen, ist etwas schräg (und auch ziemlich von oben herab)." Ein Hofer-Wähler empörte sich außerdem in einer Antwort über den "einseitigen Journalismus", die Umfrage sei Bashing gegen Norbert Hofer. Wir wollten weder Hofer bewerben, noch bashen. Norbert Hofer ist—ähnlich wie Donald Trump—ein politisches Phänomen, das viele nicht verstehen. Das führt—auch wie die Reaktionen auf diese Umfrage von beiden politischen Lagern zeigen—zu einer Polarisierung, wenn nicht sogar zu einer zunehmenden Spaltung der Gesellschaft.

"Ich habe bisher noch nie blau gewählt, aber ab sofort werde ich so lange rechts wählen, bis sich die Asylpolitik in Österreich nachhaltig geändert hat."

Ein hilfreiches Mittel dagegen ist wohl, wenn man mit den Wähler selbst redet. Vielleicht kommen dadurch ja wieder "die Leut z'samm"? Ich für meinen Teil habe die Umfrageergebnisse jedenfalls mit großem Interesse gelesen. Die Berufe, Altersklassen und ehemalige politische Ausrichtung der Umfrageteilnehmer bestätigen die These, dass die FPÖ in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist.

Ihre Wähler wollen nicht als "Nazis" abgestempelt werden. Wie einige nachfolgende Beispiele zeigen, motiviert diese Dämonisierung wohl sogar einige noch extra zum Urnengang, anstatt sie von der FPÖ abzuschrecken. Vor allem die persönlichen Schicksale erzählen von Missständen und Problemen, die zweifelsohne ernst genommen und—sofern sie wahr sind—beseitigt werden müssen. Wie heißt es so schön: Man sollte keinen populistischen Politiker ernst nehmen. Aber die Sorgen jener Menschen, die sich Populisten anschließen, sollte man verdammt ernst nehmen.

Wer ist Norbert Hofer? Wir beleuchten die Hintergründe und Fakten

Wenn sich sogar ehemalige Grünwähler und Flüchtlingsbetreuer im Stich gelassen fühlen und zu FPÖ-Wählern werden, ist vielleicht an manchen persönlichen Erfahrungen doch etwas dran. Wahrscheinlich hilft weder Dämonisieren, noch Verharmlosung der FPÖ bei der gesellschaftlichen Beruhigung—weder Aufbauschen noch Todschweigen.

Ich hoffe daher, dass sich viele Andersdenkende auf den nachfolgenden Ausflug in die—nicht repräsentative—Gedankenwelt der Hofer-Wähler einlassen, um die Ängste, Sorgen und Wünsche der Leute besser zu verstehen. Man kann danach ja noch immer anderer Meinung sein. Aber vielleicht kann man dann wieder ohne Schaum vorm Mund politisch miteinander diskutieren. Und ja, es wird in Kürze einen ähnlichen Fragebogen für Wähler von Alexander Van der Bellen geben.

Fast die Hälfte der teilnehmenden Hofer-Wähler hat zuvor noch nie die FPÖ gewählt.

Das sagt das Bauchgefühl der Hofer-Wähler:

"Weil er der Regierung den Arsch aufreißen wird": "Weil er als einziger der Kandidaten glaubhaft argumentiert hat, Druck auf die Regierung auszuüben und den Zuzug von Wirtschaftsmigranten zu bremsen." // "Anti-Establishment" // "Veränderung der bestehenden Strukturen" // "Er steht für eine Änderung und einen Aufbruch." "Gegenpol zur Links-Degeneration" // "Weil die Regierung versagt hat, und dem Bürger nicht mehr nahe steht" // "Er ist direkt, hat mehr Power" // "Hofer sorgt für frischen Wind. Die alte Regierung hat schon unzählige 'Neustarts' hinter sich - nichts ist anders geworden."

"Wegen den Flüchtlingen": "Ich habe bisher noch nie blau gewählt, aber ab sofort werde ich so lange rechts wählen, bis sich die Asylpolitik in Österreich nachhaltig geändert hat" //"Ausländer raus" // "Wegen den Tschuschen" // "Wegen die Auslända" // "Asylpolitik" (mehrmals) // "Ausländer sind bäh" "Es muss strengere Asylgesetze geben."

Der "patriotische Bundespräsident": "Ihm sind die Österreicher wichtiger als die andere. Und er repräsentiert uns Österreicher und nicht alle Europäer, denn Van der Bellen sagt immer irgendwas von Europa." // "ÖSTERREICHER" // "Österreich" (mehrmals)

"Weil er nicht Van der Bellen ist": "Bevor ich GRÜN wähle, würde ich eher eine Ziege bevorzugen!!!!!!" // "Weil ich nicht VdB will" // "Weil VDB nur Schaden anrichten würde" // "Keinen Linken (Grünen) Präsidenten!" (mehrmals) // "um VDB zu verhindern" // "kann mit allen leben, außer mit grün" // "NIEMALS van der Bellen!"

"Weil meine Frau und meine Kinder keine Opfer werden sollen": "Grenzsicherung" // "Für die Ängste der Menschen da" // "Weil er mir ein sicheres Gefühl vermittelt" // "Sicherheit" // "Ich möchte wieder sicher sein in Österreich!" // "Norbert Hofer ist für mich 'vertrauenswürdiger' als Alexander Van der Bellen."

Das läuft in Österreich nach Ansicht der Hofer-Wähler falsch:

Anmerkung: In dieser Frage sind sich fast alle Hofer-Wähler einig. Sie sind seit Jahren mit der Regierungspolitik und im Besonderen mit der Willkommenskultur unzufrieden. Darin sehen sie die Wurzeln für "Sozialschmarrotzer, Vergewaltiger, Kriminelle und Wirtschaftsflüchtlinge." Der Einfachheit gebe ich nicht alle Antworten wieder, da sie sich wiederholen würden.

"Das Land steht still, Probleme gibt es beim Arbeitsmarkt, Wirtschaftsstandort, Flüchtlingskrise und den Pensionen. Die bisherige Regierung hat versagt, den Bürgern ein sicheres Gefühl zu übermitteln. Erstaunlich wie lange Rot-Schwarz nichts für dieses Land getan haben. Nur Schulden machen und Steuern erhöhen."

"Österreich ist am Arsch, weil wir geglaubt haben, wir können die Welt retten. Dem ist nicht so und wird auch nie sein. Österreich lebt falsche Toleranz. Damit wird bald Schluss sein."

"In Österreich werden tausende von Flüchtlingen einfach hereingelassen, ohne zu wissen, von wo sie genau herkommen. Die Gefahr, dass sie vom IS sind, wird nicht berücksichtigt. Asylanten bekommen oft mehr an Mindestsicherung, ohne je etwas gearbeitet zu haben, als ein Pensionist, der sein Leben lang gearbeitet hat. Norbert Hofer wird sich hingegen für uns ÖSTERREICHER einsetzen."

So argumentieren die Unterstützer von Norbert Hofer:

Die FPÖ ist zwar rechtsextrem, aber derzeit braucht es eben radikale Mittel:
"Ich wähle Norbert Hofer, weil ich zum Schluss gekommen bin, dass der aktuelle Zuzug fremder Ethnien in diesen Mengen und in dieser Geschlechts- und Alterskohorte dazu führen wird, dass unser Rechts- und Sozialsystem einem ethnozentrierten Clansystem weichen wird, in dem der europäische Bürger als Minderheit überbleiben wird, bzw. flüchten muss, wenn er kann. Um dies zu verhindern müssen radikale Maßnahmen ergriffen werden, zu denen im Moment nur die rechtsextreme FPÖ den Willen besitzt. Sollte nicht innerhalb der nächsten Monate die Grenze komplett dicht gemacht worden sein und alles getan werden, eine Remigration dieser Leute zu erzwingen, werden wir bald nicht mehr genug Polizisten und Soldaten haben, um uns gegen die Besitzansprüche der Immigranten wehren zu können. Es klingt (noch) paranoid und absurd, aber was werden 300.000 fremde, unterfickte junge Männer wohl tun, wenn wir ihnen kein Futter und kein Geld mehr zahlen können und ihr Frust täglich größer wird? Wir haben—verkürzt gesagt— die Wahl zwischen einheimischen Rechtsextremismus und importiertem Rechtsextremismus. Als Österreicher ist damit meine Wahl klar. Es wird so und so unschön."

"Trotz meiner mitte-liberalen Einstellungen (ich bin 35 Jahre alt und habe bisher immer entweder grün, schwarz, oder pink gewählt) bin ich dafür, vorerst keine weiteren 'Schutzsuchenden' in Österreich aufzunehmen. Auch wenn das bedeutet, dass man Menschen an der Grenze abweisen muss, notfalls mit Gewalt. Das ist zwar traurig, aber die Realität ist halt nicht immer ein Zuckerschlecken."

"Wir haben ein Verteilungsproblem auf der ganzen Welt, eine Milliarde Menschen brauchen 80 Prozent der Ressourcen. Wir können zusammen arm werden (Sozialismus/Kommunismus) oder den Reichtum für uns sichern (Kapitalismus auf nationaler Ebene/Diktatur) und ein gutes Leben in Österreich haben. Das ist zwar egoistisch und arschig, aber Realität."

"Es nervt. Irgendwann muss man einfach Nein sagen."

Norbert Hofer ist nicht extrem:
"Viele meinen, dass Hofer wie Strache sei. Das sehe ich als Nicht-FPÖ-Fan anders. Herr Strache ist viel aggressiver und hat brutalere Vorstellungen. Ich habe mir viele Interviews von beiden Kontrahenten angesehen und ich verstehe nicht, warum Menschen sagen, dass Hofer die Flüchtigen ausgrenzen möchte, nazistisch und EU-feindlich ist, und die Mindestsicherungen abschaffen möchte. Wenn man ihm zuhört und nicht die FPÖ im Hinterkopf hat, dann weiß man auch, dass er unterscheiden möchte zwischen Menschen, die wirklich Hilfe benötigen, und Menschen, die das einfach nur ausnutzen. Und das kann man einfach nur mit Kontrollen machen. Ich wüsste keine andere Lösung."

"Als Konservativer liegt es mir persönlich näher, einen Kandidaten zu wählen, der auch für christliche Werte einsteht. Und der auch einmal etwas geleistet und gearbeitet hat, statt sein ganzes Leben vom Staate im Uni-Sektor zu zehren. Er ist nunmal einfach bodenständiger. Es ist halt schade, dass er ein Freiheitlicher ist."

Diese Eigenschaften schreiben die Umfrageteilnehmer Norbert Hofer als Person zu.

Die FPÖ sollte nicht ausgegrenzt werden:
"Mir ist es egal, von welcher Partei der Bundespräsident ist, er muss neutral handeln. Bei Norbert Hofer fühle ich die Neutralität eher als bei Van der Bellen, der möchte ja die FPÖ ausschließen. Ich bin nicht wirklich der größte Fan der FPÖ, aber ich bin gegen solche Mittel."

"Seit dem ÖH-Newsletter hab ich so eine Wut, dass ich mich bewusst für den freiheitlichen Kandidaten entscheiden werde. Meine Wahl ist also auch eine Protestwahl: Hätte die ÖH nicht zu einer Demo gegen Hofer aufgerufen, hätte ich vermutlich ungültig gewählt. Meine Beiträge verschwenden die nicht!"

"Die Aussage von VdB, er würde einen blauen Kanzler nicht angeloben, ist in meinen Augen nicht unbedingt förderlich, da sich Österreich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit weiterhin nach 'rechts' bewegen wird und dieser Ausschluss Österreich noch weiter spalten würde."

"Wichtig ist für mich die freie Meinungsäußerung: Ich lasse alle Meinungen, die nicht extrem sind, zu. Wieso werden Hofer-Wähler beschimpft? In Österreich wird die Meinung solange zugelassen, bis es den linken Parteien nicht mehr in den Kram passt."

"Ich bin ein ganz normaler Mensch, ich habe keine nazistischen Gedanken oder sonst was. Ich habe Freunde, die Van der Bellen wählen. Ich habe nur etwas Angst um die Zukunft Österreichs und ich stehe dazu. Was mir auch auffällt ist, dass man heutzutage keine eigene Meinung mehr haben darf. Sagt man 'Ich wähle Hofer', ist man sofort als Nazi abgestempelt. Ich habe sogar für diesen Fragebogen ein falsches Profil erstellt, damit meine Identität auf keinen Fall raus kommt. Wenn mich jemand fragt, wen ich wähle, sage ich: 'Ich werde weiß wählen'. Das ist nicht mehr das Österreich, das ich eigentlich kenne."

"Die großen Parteien hätten seit Jahren die Blauen mit ins Boot nehmen sollen. Nur jahrelang ausschließen war der falsche Weg. Jetzt hat das Volk, oder ein Teil des Volkes, genug. Hofer und die Blauen haben jetzt ein Recht, mal zu zeigen, was sie können beziehungsweise was sie anders machen werden."

"Ich solidarisiere mich immer mehr mit Hofer—vor allem, wenn ich die schwachen und für mich irrelevanten Nazivorwürfe oder von Demonstrationen gegen Hofer höre. Dass er so wegen der Burschenschaft kritisiert wird, ist einfach nur schwach und zeigt, dass da nicht mehr ist. Außerdem gibt mir das Demokratieverständnis des Herrn VdB sehr zu denken."

Fotos via Facebook/Norbert Hofer.

Norbert Hofer sorgt für Stabilität, Souveränität und Sicherheit:
"Er sorgt dafür das wir unsere Demokratie beibehalten und nicht noch mehr Rechte gegenüber Brüssel verlieren. Und das möchten wir nicht. Wir möchten auch keine Islamisierung Europas. Das würde nur Unruhe stiften. Seht euch doch an, was diese EU und Merkel für verbrecherische Aktivitäten mit der Türkei führen. Wir können mit Norbert Hofer ein neues Europa der freien Vaterländer gründen."

"Ich will ganz einfach nicht mit einer Stange erschlagen oder vergewaltigt werden."

Norbert Hofer ist ein (Protest-)Zeichen gegen die aktuelle Flüchtlingspolitik:
"Norbert Hofer ist nicht die endgültige Antwort auf unsere Probleme. Die FPÖ als Partei an sich halte ich speziell wegen den vielen Parteimitgliedern aus der zweiten Reihe für problematisch. Aber in der aktuellen Lage ist es unverantwortlich, eine Stimme für offene Grenzen abzugeben. Und genau als solche, würde eine Stimme für Van der Bellen gedeutet werden. Deshalb Hofer, um ein unmissverständliches Zeichen zu setzen, welchen Kurs ich befürworte."

"Ich finde den unkontrollierten Zuzug und den Gedanken an mögliche Horror-Zukunftsszenarien derzeit leider schlimmer als den Gedanken an einen blauen Präsidenten. Auch wenn ich weiß, dass dieser natürlich keinen direkten Einfluss auf die Asylpolitik hat. Aber wenn 30 bis 40 Prozent der Österreicher einen blauen Präsidenten wählen, dann sagt das den Regierungsparteien hoffentlich schon, was sich die Menschen im Land zum Thema wünschen."

"Ich würde Norbert Hofer eher NICHT wählen, wenn..."

  • "die Regierung in den letzten sieben Jahren ihre Arbeit gemacht hätte." (mehrmals)
  • "die derzeitige Regierung einen vorläufigen Aufnahmestopp für Asylwerber beschließt und auch durchzieht. Dann würde ich ihn sogar sicher nicht wählen." (in ähnlicher Form mehrmals)
  • "Flüchtlinge nicht leben WÜRDEN."
  • "er sich als unabhängig hinstellen würde und im Herzen einer Partei angehört." (mehrmals)
  • "er zu sehr auf HC Strache hört!!!"
  • "Van der Bellen TTIP nicht unterstützen würde."
  • "eine Partei die Einführung einer direkten Demokratie nach Schweizer Vorbild vertreten würde."
  • "es ein bürgerlicher Kandidat in die Stichwahl geschafft hätte. Also vorzugsweise Khol oder Irmgard Griss; zähneknirschend auch Hundstorfer." (in ähnlicher Form mehrmals)
  • "Griss noch im Rennen wäre." (mehrmals)
  • "er in irgendeiner Weise radikal wäre." (mehrmals)
    • "er das 3. Reich verharmlost."
    • "er ein Rechtsradikaler wäre." (mehrmals)

Diese persönlichen Erlebnisse haben die Wahlentscheidung der Hofer-Wähler beeinflusst:

Anmerkung: Es ist unmöglich, die persönlichen Geschichten der 185 Umfrageteilnehmer auf ihre faktische Richtigkeit zu überprüfen. Deshalb ist bei den nachfolgenden Erzählungen unklar, ob sie sich genau so zugetragen haben. Laut der polizeilichen Kriminalitätsstatistik ist die Gesamtkriminalität derzeit so niedrig wie noch nie und in Relation sind Asylwerber halb so kriminell wie im Vorjahr.

"Die Umgebung, in der ich aufgewachsen bin (Nähe Dornbirn, Vorarlberg), hat sich von einer ruhigen, sauberen, sicheren Kleinstadt zum Gegenteil gewandelt. Ich will nicht einsehen, dass ich wegen hunderten Asylanten auf meine persönliche Freiheit und Sicherheit verzichten muss."

"Persönliche Erlebnisse eher weniger, dafür Erlebnisse aus dem hart arbeitenden familiären Umfeld und Freundeskreis sowie die fast täglichen schlimmen Gewaltverbrechen und der offensichtlich immer penetrantere Drogenhandel vor meiner Haustüre in Wien, 16. Bezirk (Gürtel/Thaliastraße). Bis jetzt blieb es bei Zurufen von der Seite und penetrantem Anstarren beim Durchqueren der U-Bahn-Station. Bis jetzt ..."

"Ich wurde von drei syrischen Jugendlichen angepöbelt, da ich mit meiner Freundin unterwegs war und sie—entgegen ihren Vorstellungen—kein Kopftuch trug."

"Ich lebe seit zirka zwei Jahren wegen meines Studiums in Wien und ich muss sagen, dass sich die Lage aufgrund der Flüchtlinge dramatisch verschlechtert hat. Seit Sommer 2015 wurde ich schon mehrfach verbal und auch einmal tätlich belästigt. Dank meiner österreichischen Mitmenschen ist mir Gott sei Dank noch nie etwas passiert. Ich kann mich aber in nächster Zeit nicht darauf verlassen, dass immer jemand in der Nähe ist, der mir hilft."

"Wenn linke Parteien zugeben würden, dass es sehr wohl Probleme mit Menschen fremder Kulturen gibt, würde ich sofort wieder Grün wählen."

"Ein Grund ist die Schikane, die man als Selbstständiger (Holzproduktion) in Österreich erleben muss. Außerdem sehe ich, wie an allen Ecken und Enden das Sozialsystem ausgenutzt wird—sowohl von Österreicher als auch von Ausländern."

"Ich lebe als österreichischer Student ohne Migrationshintergrund im 10. Wiener Bezirk. Ich hatte dort bisher nie Probleme mit meinen Mitmenschen mit Migrationshintergrund. Jedoch sehe ich, dass Integration dort de facto nicht existiert. Ich sehe Männer, die in höchst fragwürdigem Ton mit ihren Frauen reden; manchmal bin ich froh, dass ich es nicht verstehe. Ich sehe kleine Kinder, die bereits vollverschleiert sind und wage zu bezweifeln, dass Emanzipation hier ein Thema ist. Ich sehe auch, dass man mir zwar nicht feindlich begegnet, ich jedoch nie so gut behandelt werde wie ein ausländischer Kunde."

"Mir wurde von einem ausländischen Subjekt nach einer strittigen Verkehrssituation Gewalt angedroht und ich wurde von seinem BMW verfolgt."

"Ich habe selbst im Herbst in einem Flüchtlingsheim gearbeitet und habe gesehen, dass alles auf den Rücken freiwilliger Organisationen abgeladen wurde und während dort teilweise fürchterliches Chaos herrschte, kam von Seiten der Regierung keine Unterstützung—nur Lippenbekenntnisse ('Wir schaffen das'). Entweder man bekommt eine solche Situation in den Griff und 'schafft das', dann auch wirklich und selbst, oder man muss an den Grenzen trichtern."

"Flüchtling stole my bike."

"Meine Laufrunde führt mich entlang der alten Donau bis zur Donauinsel und wieder zurück. Die letzten Jahre waren dort schon immer viele Menschen mit Migrationshintergrund, die mit Grillereien und nettem Beisammensein die Natur, die Donau und die Sonne genossen haben: alles fein und kein Problem. Mittlerweile habe ich jedoch ein mulmiges Gefühl, dort vorbeizulaufen, da sich immer mehr große Männergruppierungen mit offensichtlich muslimischen Hintergrund treffen und man durch die Schlagzeilen aus den diversesten Ländern einfach nachdenklich darüber wird, wo nicht die nächste Terrorzelle der IS-Miliz zuschlagen könnte oder wo es nicht die nächste Vergewaltigung oder Attacken auf Bürger geben könnte. Das Wort Xenophobie wird ja oft fälschlicherweise mit Fremdenhass gleichgesetzt, wörtlich aus dem Griechischen bedeutet es jedoch Angst vor Fremdem. Und genau das trifft hier den Nagel auf den Kopf: Ich habe Angst, dass das Fremde irgendwann in Österreich die Oberhand bekommt und wir nicht mehr in diesem schönen Land so leben können, wie wir das wollen oder gewohnt sind, sondern dass wir dann irgendwann diejenigen sind, die sich IHRER Kultur anpassen müssen."

Ausschnitt aus den Berufen der Umfrageteilnehmer.

"Ich lebe in einer großen Familie mit insgesamt sechs Kindern; außer mir sind alle unter neun Jahre alt. Mein Stiefvater war langjähriger Grüner, meine Mutter und ich auch. Als die Grünen in unserer Gemeinde zur zweitstärksten Kraft wurden, änderte sich einiges in der Gemeinde—ich will nicht alles davon ansprechen. Jedenfalls bis hin zu dem Punkt, dass meine Geschwister keinen Krabbelstubenplatz im einzigen Kindergarten in der Gegend erhielten, weil die Flüchtlinge höhere Priorität hatten. Meine Mutter könnte daraufhin ihre Arbeit nicht mehr erledigen und machte große Verluste. Mein Stiefvater konnte nicht alleine für uns sorgen. Es war die größte Frechheit. Meine Mutter sprach daraufhin mit der Vizebürgermeisterin (Grüne) und die erklärte ihr, in dieser schwierigen Zeit sei "Verständnis" und nicht "Hass" angebracht. Kein Mensch hasst die Flüchtlinge. Wir hassten die Politiker. Nur die Ortsgruppe der FPÖ unterstützte uns und konnte noch einen Platz organisieren."

"Ich benötige zwei Jobs, um meine Familie zu ernähren. Meine Frau geht nicht mehr alleine spazieren."

"Meine Arbeit im Spital und die schlechten Erfahrungen, die wir mit Flüchtlingen in diesem Zeitraum machen mussten, haben mich beeinflusst. Wenn linke Parteien zugeben würden, dass es sehr wohl Probleme mit Menschen fremder Kulturen gibt und sie sagen würden 'Wir nehmen Menschen auf, aber jene, die das nicht wertschätzen, müssen gehen' würde ich auch sofort wieder Grün wählen."

"Ich wurde von einem Lehrer als Rassist betitelt, weil ich für eine Gleichheit bei Religionssymbolen war. Seit Jahren wird in sehr vielen Schulen das Kreuz abgenommen. Wieso dürfen dann Kopftücher getragen werden? Österreich ist kein islamisches Land, wieso dann Kreuze abnehmen? In Wien-Favoriten hat sich eine Mutter beschwert, weil ihre Tocher sich das Kreuz angesehen hat in der Schule. Integration - ganz klar."

"Ich war 25 Jahre in einem ehemaligen verstaatlichten Betrieb tätig. Mich stört die Überheblichkeit der SPÖ."

"Sexuelle Belästigung von Flüchtlingen meiner Freundin, Sachbeschädigung von Flüchtlingen meines Geschäftes, Diebstahl von Flüchtlingen in meinem Geschäft, grundlose verbale Konfrontationen mit Flüchtlingen. Es ist nicht mehr auszuhalten. Man hat Angst. Vor zwei Jahren war alles noch im Lot."

"In meinem Dorf klappt die Integration nicht. Es wird türkisch gesprochen, die jugendlichen Migranten (meist türkischstämmig) sind Straftäter (Messerstiche, Raub, Überfall auf alte Damen)."

"In meiner Volksschule haben Türken und Araber den Mädchen Geld angeboten, wenn sie sich vor ihnen ausziehen oder sonst was machen. Nachbarn haben uns Österreicher auch "Schweine" genannt, weil wir Schweinefleisch essen."

"In meinem Wohnort (1140 Wien) war die Bevölkerung jahrelang durchgemischt: Österreicher, Türken, Serben, und noch viel mehr—quer durch den Gemüsegarten. Das fand ich auch gut so, die Mischung ist schon nett. Mittlerweile höre ich in meiner Nachbarschaft kaum noch ein deutsches Wort. Nämlich wirklich fast gar nicht mehr. Wie gesagt, die Mischung stört mich gar nicht, ganz im Gegenteil. Aber wenn ich in meinem Grätzel meine eigene Muttersprache gar nicht mehr höre, dann läuft da schon was falsch. Und ich glaube nicht, dass noch mehr Asylanten das Problem verbessern würden."

Christoph auf Twitter: @Schattleitner


Titelfoto: Facebook/Norbert Hofer