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"Lauf, Schwarzer!" Wenn Deutschland-Fans auf Schwarze schießen

Was man halt so macht, wenn man gerade die Ukraine besiegt hat.

von Matern Boeselager
14 Juni 2016, 11:00am

Foto: imago | Steinach

Beide Männer trugen Deutschlandtrikots und hatten kurze, blonde Haare—mehr konnte das 21-jährige Opfer nicht erkennen, bevor einer der Männer aus dem Auto eine Pistole auf ihn richtete, "Lauf, Schwarzer!" rief und abdrückte. Der junge Mann rannte davon, bis zum Hauptbahnhof, und brach später zu Hause heulend im Bad zusammen.

Passiert ist das ganze kurz nach Ende des Deutschlandspiels am Sonntagabend in Stuttgart, und das einzige erkennbare Motive ist bis jetzt, dass der Mann schwarz ist. Die Polizei fand am Tatort Hülsen mit Schreckschuss-Munition—offenbar wollten sich die Männer mit ihrem Opfer einen Spaß erlauben. "Dass so etwas hier passieren kann, erschüttert uns", zitieren dieStuttgarter Nachrichten die Mutter des Opfers. "Mein Sohn ist so ein selbstbewusster, bestens integrierter junger Mann. Er arbeitet im Freiwilligen Sozialen Jahr mit Behinderten und will etwas Soziales studieren. Wer kann ihm so etwas antun?"

Menschen, die nach dem Deutschlandspiel herumfahren und Schwarze terrorisieren, eben. Ob die Opfer deutsche Staatsbürger sind oder sich um Behinderte kümmern, ist denen natürlich herzlich egal. Dass der schwarze Jérôme Boateng die beste Aktion im ganzen Spiel abgeliefert hat, auch. Irgendwas muss man ja anfangen mit den ganzen Waffen, die man sich zum Schutz vor "Migranten" zugelegt hat.

Die Schüsse in Stuttgart sind aber nicht das einzige hässliche Ereignis, das diese EM uns bis jetzt beschert hat: Angefangen hat das mit der Aufregung über die Kinderbilder von nichtweißen Nationalspielern auf der Kinderschokolade. Seitdem gab es offene Hitler-Grüße auf der Fanmeile in Berlin und eine Gruppe von sächsischen rechtsextremen Hooligans, die im französischen Lille Gruppenfotos mit der Reichskriegsflagge gemacht haben. Später am Abend griffen Vermummte ukrainische Fans an.

Einen Schreck bekam auch die Grüne Jugend Rheinland-Pfalz, nachdem sie vorgeschlagen hatte, Fans sollten bei dieser EM auf Deutschland-Fahnen verzichten, um "nationalistischem Gedankengut keinen Raum zu lassen". Wenig später hagelte es Kritik—aber auch Morddrohungen und sexistische Beleidigungen.

Die EM ist noch nicht mal eine Woche alt, und sie hat jetzt schon einen schlechten Beigeschmack.

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