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Strache wurde verurteilt, weil er eine kritische Karikatur zu seinem Vorteil verändert hat

Strache hat einmal wieder einen Prozess verloren. Das erklärt auch das Bild, das er 4 Wochen auf seiner Seite gepinnt haben muss. Wir haben mit dem Kläger gesprochen.

von Hanna Herbst
03 November 2015, 7:43am

Karikatur mit freundlicher Genehmigung von Bernd Weidenauer.

Der Karikaturist Bernd Weidenauer ist kein Fan von Heinz-Christian Strache und seiner Politik. Aus diesem Grund ist 2008 eine Karikatur entstanden, die den FPÖ-Chef grinsend drei Finger in die Luft streckend, in Militärhose und Springerstiefeln zeigt. Strache würde jetzt sagen, dass ihn die Karikatur nur beim Paintballspielen und Bestellen von drei Bier zeigt, andere würden sagen, sie spielt auf die Wehrsportübungen in seiner Jugend und das Foto von Strache beim Kühnengruß an.

Und obwohl am Paintballspielen und dem Bestellen von Bier nichts Verwerfliches ist, hat Strache die Karikatur auf seiner Facebook-Seite verwendet, diese beiden Aspekte aber umgeändert. Statt drei Fingern zeigte er dort zwei Daumen, Hose und Schuhe wurden ausgetauscht.

Der Schuldspruch gegen Strache erfolgte bereits im Juli, worauf Berufung eingelegt wurde. Strache muss das Urteil vier Wochen auf seiner Facebook-Seite gepinnt haben, das ist ihm nach Oberösterreich- und Wienwahl natürlich lieber.

Weidenauers Zeichnung aus dem Jahr 2008 trägt den Titel „3 Bier und Bubendummheiten" und sollte ursprünglich eine kritische Darstellung sein. Strache machte sie zur Eigenwerbung. Wir haben dem Karikaturisten ein paar Fragen gestellt:

VICE: Weshalb hast du Heinz-Christian Strache verklagt?
Bernd Weidenauer: Weil er einen kritischen, zeichnerischen Kommentar von mir ungefragt verwendet hat, ihn soweit verändert hat, dass die Aussage umgedreht wurde und das Ganze dann als Werbung für ihn verwendet hat.

Was ist die Aussage deiner Karikatur?
Das war diese alte Geschichte vor Jahren. Es tauchte in den Medien ein brisantes Foto auf, auf dem Strache den Kühnengruß zeigt. Er wurde aber dafür nie angeklagt und hat frech behauptet, dass er nur 3 bier bestellen wollte. Das und die Erkenntnisse über seine Bubendummheiten—paramilitärische Spiele im Weinviertler Wald mit Freunden wie dem verurteilten Küssel—brachten mich damals ziemlich auf die Palme.

Ging es dir hauptsächlich darum, dass Strache deine Karikatur nicht verwenden soll oder dass er sie nicht verändert darstellen soll?
Vor allem will ich nicht ungefragt Werbung für jemanden machen, den ich ja eigentlich kritisiere. also die Verdrehung der Aussage ist schon die Spitze der Frechheit.

Hast du seit Strache das Urteil auf seiner FB-Seite veröffentlich hat, Hassnachrichten bekommen?
Ein paar dumme Mails, aber sonst noch nichts.

Ist deine Arbeit politisch?
Eigentlich bezeichne ich mich immer als einen der unpolitischsten aller Karikaturisten. Aber diese Selbstbezeichnung muss ich jetzt wohl ein wenig überdenken.

Hanna auf Twitter: @HHumorlos.

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