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Sex

Auf der Suche nach der Wahrheit über multiple Orgasmen

Eine neue Studie besagt, dass fast die Hälfte aller Frauen multiple Orgasmen erlebt, doch manche Forscher glauben, es sind weitaus mehr. Wir sind der Sache auf den Grund gegangen.

von Diana Tourjée
12 Februar 2016, 8:52am

Foto: Good Vibration Images/Stocksy

Dieser Artikel ist zuerst auf Broadly US erschienen. Like Broadly auf Facebook , wenn du den Start in Österreich am 17. März nicht verpassen willst.

Der vielgepriesene multiple Orgasmus ist etwas, das viele noch nie erlebt haben, doch vielleicht lässt sich das ändern. OMGYes, ein sexuelles Online-Trainingsprogramm für Frauen, hat das Phänomen vor Kurzem in seiner jährlichen Study of Women's Sexual Pleasure erforscht.

Laut Angela Giovanello, der PR-Repräsentantin von OMGYes, ist es wichtig, Frauen über ihr sexuelles Potential aufzuklären, weil sich das auch auf andere Lebensbereiche positiv auswirke. „Die Studie zeigt, dass Frauen, die neugierig bleiben und immer nach Möglichkeiten suchen, Sex noch besser zu gestalten, mit fünfmal so hoher Wahrscheinlichkeit glücklich mit ihrer Beziehung und mit zwölfmal höherer Wahrscheinlichkeit sexuell zufrieden sind", erklärt Giovanello im Broadly-Interview.

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„Die weibliche Lust hat sich zu lang im Dunkeln versteckt", heißt es auf der Website von OMGYes. „Es ist an der Zeit, sie ans Licht zu holen." Die Ergebnisse der auf Frauen konzentrierten Studie zeigen, dass 47 Prozent der Teilnehmerinnen multiple Orgasmen haben. Diese Daten sind für all jene unter uns interessant, die sich im Bett mehr wünschen als einen mickrigen, schäbigen kleinen Moment der Seligkeit. Laut OMGYes lehrt die Lebenserfahrung Frauen verschiedene Arten, ihre Sexualität auszuleben. „Wir machen Witze darüber, dass deine Oma bessere Orgasmen hat als du", sagt Giovanello und fügt hinzu, es gebe dabei keinen Trick: „Es geht eher darum, die Techniken und Berührungen, die bereits zum einfachen Orgasmus führen, anzupassen—und offen zu bleiben."

OMGYes will aufklären und lehren, doch es gibt Leute, denen niemand beibringen muss, wie man multiple Orgasmen hat. Sam kam als Mädchen zur Welt, verwendet heute allerdings geschlechtsneutrale Pronomen und identifiziert sich als nicht-binär. „Das klingt jetzt ein bisschen komisch, aber als ich jünger war, habe ich Trockenübungen mit Kissen gemacht", sagt Sam. „Ich habe dabei das erlebt, was ich heute als Orgasmus verstehe, aber in meiner Vorstellung war daran überhaupt nichts Sexuelles. Es hat sich einfach nur gut angefühlt." Heute, im Erwachsenenalter, sieht Sam die eigene Fähigkeit zum multiplen Orgasmus als eine komplexe Angelegenheit, die sich irgendwo zwischen G-Punkt und Klitoris abspielt. „Ich kann auch G-Punkt-Orgasmen haben, aber erst nachdem ich einen klitoralen Orgasmus hatte. Ich habe auch schon im Schlaf Orgasmen gehabt."

„Mehrere klitorale Orgasmen in direkter Abfolge sind ehrlich gesagt hauptsächlich ermüdend."

„Ich kann mehrmals hintereinander kommen, aber nur klitoral", erklärt Sam und fügt hinzu, dass dies nicht unbedingt so toll sei, wie immer behauptet wird. „Mehrere klitorale Orgasmen in direkter Abfolge sind ehrlich gesagt hauptsächlich ermüdend." Auch wenn sie sehr intensiv sind, findet Sam, dass man nach dem ersten schnell emotional „auscheckt".

Sams Erfahrungen werfen Fragen darüber auf, was überhaupt einen wahren multiplen Orgasmus ausmacht. Ist er einzig als eine direkte Abfolge von Orgasmen definiert, oder zählen auch mehrere Orgasmen, die während derselben Sex-Session passieren? Sam sagt, Letzteres würde zählen und Cisgender-Männer könnten ebenfalls beim Geschlechtsverkehr mehrere Orgasmen haben.

Laut eigener Aussage hat Sam selbst schon mit einem Mann Sex gehabt, der multiple Orgasmen haben konnte. „Ich habe ihn bei der Arbeit kennengelernt", sagt Sam und fügt hinzu, die Chemie habe sofort gestimmt. „Innerhalb von zehn Minuten waren wir zusammen im Hinterzimmer des Ladens." Was darauf folgte, war eine Reihe sexueller Begegnungen, bei denen der Mann immer wieder kam—zu Sams Überraschung und Freude. „Er vögelte so 15 Minuten, kam, atmete ein bisschen durch oder trank einen Schluck Wasser, und dann vögelten wir wieder." Obwohl natürlich immer ein wenig Zeit dazwischen lag, ist Sam überzeugt, dass der Herr auch auf Kommando hätte kommen können.

Laut Men's Health sind Frauen körperlich dazu in der Lage, mehrere Orgasmen hintereinander zu haben, während Männer „diese nervige Erholungsphase brauchen, die im Durchschnitt 30 Minuten oder länger dauert. Es ist so gut wie unmöglich für Männer, mehrere Orgasmen mit Ejakulation ohne Erholungsphase zu haben." Sams Erfahrung deckt sich damit schon ein wenig: Immerhin musste der gute Mann durchatmen oder etwas trinken. Das dauert allerdings keine halbe Stunde.

Mythos und Realität auseinanderzuhalten ist bei einer so privaten Sache wie Sex manchmal schwierig. Unsere Erfahrungen mit unseren Körpern sind von gesellschaftlichem Stigma und kulturellen Tabus gezeichnet und oft teilen wir sie nur mit unseren Sexpartnern und -partnerinnen. OMGYes möchte Frauen aufklären, denen ihr eigenes Potential nicht bewusst ist. Den Sommer, in dem Sam den besonders potenten Mann traf, beschreibt Sam als eine Zeit des sexuellen Erwachens. Für Sam waren multiple Orgasmen gar keine große Kunst, doch als Sams Liebhaber auch welche hatte, war Sam überrascht. „Damals war ich verwirrt, weil ich nicht wusste, dass das möglich ist."