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Bashar al-Assad ist jetzt bei Instagram

Während die blutigen Kämpfe in Syrien nach wie vor weitergehen, ist Syriens Präsident Bashar al-Assad jetzt bei Instagram. Statt der Realität gibt es dort herzerwärmende Besuche bei Kindern und in Krankenhäusern.

von Meghan Neal
02 August 2013, 8:30am



Während der Konflikt in Syrien in sein drittes Jahr geht, versucht Präsident Bashar al-Assad, seinen Ruf auch online nicht zu vernachlässigen. Seit letzter Woche ist al-Assad nun auch bei Instagram, sehr wahrscheinlich, um die Bilder von Gewalt und Krieg durch aufmunternde Fotos vom Händeschütteln und Besuchen an Krankenhausbetten zu verdrängen.

Die wahre Flut an Mitgefühl in den Fotos des Präsidenten steht in krassem Gegensatz zu den Regierungstruppen, die auch weiterhin die Rebellen bekämpfen, während die Anzahl der zivilen Opfer stetig steigt. Seit die Proteste gegen al-Assads autoritäre Herrschaft vor zweieinhalb Jahren begannen, wurden laut Schätzungen der UN etwa 100.000 Syrer getötet und 2,5 Millionen haben das Land verlassen. Die UN beschuldigt al-Assads Regime furchtbarer Verbrechen und Menschenrechtsverletzungen wie Folter, Entführungen und Exekutionen.

Am letzten Montag haben Regierungstruppen Dutzende Rebellen bei einem Hinterhalt in der Nähe von Damaskus getötet. Zwei Tage nach der Attacke tauchte plötzlich al-Assads Account bei Instagram auf.


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Bisher hat der Account knapp 30.000 Follower und 75 gepostete Fotos. Die Bilder zeigen al-Assad und seine Frau, Asma al-Assad, wie sie Anhänger besuchen, die Hände von Beamten schütteln und verwundete Zivilisten umsorgen.

Der Präsident kündigte letzte Woche seinen Auftritt bei Instagram mit einem Tweet über seinen bekannten Twitter-Account, @Presidency_Sy, an (mit Google Translate und etwas leserlicher gemacht): Die Präsidentschaft der Republik startet offiziell einen Account bei Instagram und lässt Sie an den Aktivitäten des Präsidenten teilhaben. Folgen Sie uns aus erster Hand.

Sein Auftritt bei Instagram ist nur das neueste Beispiel von al-Assads fortlaufender Öffentlichkeitskampagne. Letztes Jahr berichtete die New York Times, dass der Diktator extra eine PR-Firma damit beauftrage, für Fotoshootings und positive Presse über die syrische First Lady  in den Hochglanz- und Celebritymagazinen des Westens zu sorgen.

Der Präsident hat Tausende Dollar für Beratungen ausgegeben, wie er das internationale Image des Paares verbessern könne. „Mit der Hilfe von sehr teuren Öffentlichkeitsberatern—die bereits in den Regierungen von Clinton, Bush und Thatcher arbeiteten—haben der Präsident und seine Familie in den letzten fünf Jahren versucht, sich in den westlichen Medien als zugänglich, progressiv und sogar glamourös darzustellen“, berichtete die Times.


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Privaten E-Mails zufolge, die letztes Jahr von Rebellen entdeckt und dann vom Guardian veröffentlicht wurden, achtet das Paar die ganze Zeit auf seine Präsenz in den sozialen Medien, um sicherzustellen, dass diese auch „sauber“ sind. In vielen Fällen wurden falsche Accounts gelöscht, die in ihrem Namen erstellt wurden.

Als sich die Proteste gegen al-Assad im März 2011 zu verschärfen begannen—was zu einem schnellen Durchgreifen des Staates führte, bei dem 10.000 Syrer starben—, veröffentlichte die Vogue ein positives Porträt der syrischen First Lady und stellte sie als eine schöne und modische Frau dar, die als Kind syrischer Eltern in Großbritannien aufgewachsen war.

„Dieser begeisterte Artikel lobte die al-Assads als ein ‚wahnsinnig demokratisches’, familienfokussiertes Paar, das Urlaub in Europa macht, das Christentum unterstützt, sich gut mit amerikanischen Promis versteht, ihr Land zum sichersten im mittleren Osten machte und Syrien eine eigene Identität verpassen will“, berichtete der Atlantic. Obwohl die Vogue den Artikel, mit dem Namen „A Rose in the Desert“, ursprünglich verteidigte, findet man ihn mittlerweile nicht mehr im Internet.


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Während des ganzen Konflikts haben sich sowohl Rebellen, als auch Regierungstruppen die sozialen Medien zunutze gemacht. Während sich Aktivisten eher Twitter und Facebook zuwenden, um Informationen von Demonstrationen zu organisieren und zu teilen, nutzen Pro-Assad-Hacker das Netz, um Propaganda für die Regierung zu verbreiten.

Erst Anfang der Woche hat die Syrian Electronic Army, eine Hackergemeinschaft auf der Seite Assads, den Twitter-Account von Reuters gehackt—der neueste Streich in einer Serie von hochkarätigen Cyberattacken gegen Nachrichtenorganisationen wie den Guardian, CBS, Financial Times und The Onion.

Instagram ist dabei das aktuellste Werkzeug einer zweigleisigen Strategie der Regierung. Während die linke Hand versucht, die Opposition zu zerschlagen, malt die rechte ein hübscheres Bild vom Regime.