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zweiter weltkrieg

Was passiert, wenn eine Bombe in deinem Garten gefunden wird

Wegen eines Blindgängers im Garten steht eine Rentnerin aus München vor dem finanziellen Ruin. Wie man eine Weltkriegs-Bombe entschärft, und was das kostet.

von Fabian Herriger
20 März 2017, 11:23am

Foto: imago | Lichtgut – Nicht die Bombe in München

Rund 15.000 Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg liegen nach Schätzungen in Österreich noch unter unseren Füßen. Und ja, du kannst nur hoffen, dass keine dieser verdammten Bomben unter deinen schönen Hortensien steckt.

Sonst könnte es teuer und stressig für dich werden. Das zeigt der Fall einer 72-jährigen Pensionistin in München. Seit 60 Jahren wohnt Melitta Meinberger in einem Einfamilienhaus mit Garten. Das, was mal ihr Garten mit Gemüsebeet und Holzhütte war, sieht heute aus wie ein Miniatur-Braunkohlenwerk: Löcher, Erdhügel, Bagger.

Zehn Tonnen Sprengmittel und Munition aus dem Zweiten Weltkrieg fand der Sprengmittelräumdienst auf ihrem Grundstück. Diese sollen jetzt innerhalb von 40 Werktagen entfernt werden. In dieser Zeit müssen Familie Meinberger und die Nachbarn ihre Häuser werktags zwischen 8 und 16 Uhr räumen. Das allein klingt schon stressig – doch die 200.000 Euro, die für die Untersuchung und das Ausgraben der Fliegerbomben anfallen, muss Frau Meinberger auch noch selbst bezahlen. Eine Bombe im Garten ist ziemlich ärgerlich.

Wie wird die Bombe in deinem Garten gefunden?

Überall dort, wo im Zweiten Weltkrieg Bomben vom Himmel fielen, können sich noch Blindgänger unter der Erde verstecken. Zwischen 1940 und 1945 warfen die Alliierten um die 120.000 Tonnen Fliegerbomben auf Österreich – davon schlummern bis heute 15.000 als Blindgänger im Boden.

Manche liegen nur knapp unter der Oberfläche, andere haben sich mehrere Meter tief in den Boden gefräst. Manchmal werden die Bomben zufällig von Bauarbeitern gefunden – doch vor allem im Straßen- und Hausbau findet auch eine gezielte Suche statt. Anhand von Luftbildern der Alliierten, die kurz nach dem Bombenabwurf aufgenommen wurden, können Experten erkennen, ob im Baugebiet Bomben fielen. Falls ja, wird mit Metalldetektoren nach den Blindgängern gesucht.

Wie wird die Bombe in deinem Garten entschärft?

Die Bombe wird vor Ort vorsichtig mit Baggern und Schaufeln ausgegraben. Wenn sie freigelegt ist, versucht der Kampfmittelräumdienst, die Art des Zünders auszumachen. Bei "Aufschlagszündern", die beim Aufprall auf die Erde detonieren sollten, wird die rein mechanische Zündkette unterbrochen. Doch die Alliierten warfen auch "Langzeitzünder", bei denen eine chemische Reaktion die Bombe erst Stunden oder Tage später explodieren lassen sollte – nachdem die Menschen wieder aus ihren Schutzräumen herausgekommen waren. Bei diesen Bomben muss der Zünder herausgetrennt werden. Falls das Entschärfen zu unsicher oder gefährlich ist, findet eine kontrollierte Sprengung statt.

Zuletzt ging das Entschärfen in Göttingen schief: Am 1. Juni 2010 detonierte eine Fliegerbombe mit Langzeitzünder eine Stunde vor der geplanten Entschärfung. Drei Menschen starben.

Wer bezahlt?

In Österreich übernimmt der Bund nur die Kosten für die Entschärfung einer Bombe, er finanziert aber nicht die Suche nach Kriegsrelikten und deren oft sehr aufwendige Freilegung. Wenn also der Verdacht auf eine Bombe in deinem Garten besteht, musst du als Grundstücksbesitzer (so wie Melitta Meinberger) die Kosten für das Ausgraben, das Absperren und die Baustelle zahlen. Wenn dann tatsächlich ein Blindgänger gefunden wird, übernimmt in jedem Fall das Bundesland das Entschärfen und Entsorgen der Bombe. 

Im Fall von Melitta Meinberger hat die Münchner SPD jetzt eine Spendensammlung organisiert, damit sie durch die 200.000 Euro Kosten nicht ruiniert wird.

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